Pöbel ante Portas

12. Dezember 2011 22:18; Akt: 13.12.2011 11:19 Print

«Mit privaten Securitys gibt es ständig Stress»

von A. Hirschberg - Die Mehrheit der Leser ist sich einig: Türsteher im Nachtleben sind ein Problem. Sie üben ihre Macht unkontrolliert aus, werden schnell gewalttätig und reagieren oft unprofessionell.

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Verbale und auch physische Attacken durch Türsteher kennt fast jeder Partygast.

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Mehrere Mitarbeiter von 20 Minuten Online haben am Abend der Weihnachtsfeier eine unliebsame Begegnung mit einem Türsteher gehabt. Für die Leser ist das nicht überraschend. Auch sie haben schon die eine oder andere Geschichte mit Sicherheitsleuten erlebt.

«Ich komme selbst aus der Sicherheitsbranche und wundere mich über die Personen, die hier angestellt werden», schreibt Mike Travis in seinem Kommentar. Für ihn sind die Türsteher ein Problem, weil sie hier nur eine «Spassausbildung» durchlaufen. Wie Travis beurteilt die grosse Mehrheit der über 300 Kommentarschreiber die Sicherheitssituation vor Schweizer Clublokalen.

«Niemand traut sich, eine Anzeige zu erstatten»

Tobi findet: «Aus meiner Erfahrung gibt es ständig und fast überall Stress mit solchen privaten Securitys.» DJ X schreibt, dass die meisten Türsteher in der Schweiz keine Profis sind. «Keine Ausbildung, aber ein grosser Berg Muskeln.» Auch Ray Peng sagt, seine Kollegen und er seien schon öfter grundlos attackiert worden. Er findet, man sollte den Sicherheitsfirmen mit Konsequenzen drohen. «Wobei es schwierig ist, Beweise zu erbringen», fügt er an. Für Michael ist klar: «Weil sich keiner traut, eine Anzeige zu erstatten, denken viele Türsteher, sie könnten machen, was sie wollen.»

Auch die Beispiele fehlen nicht. Viele erleben regelmässig verbale Beleidigungen. Aber auch Gewalt kommt vor. So berichtet Katharina F., sie sei an einem Lokal vorbeigelaufen, als ein Türsteher einen Gast rausschmiss. Der Gast sei auf sie gefallen und habe sie verletzt. Doch anstatt sich um sie zu kümmern, hätten die Türsteher sie beinahe selbst verprügelt, weil sie angeblich im Weg stand.

Schläge und Pferrerspray wegen zu lautem Feiern

Der Clubber berichtet von einem Erlebnis in Olten, wo sein Freund gebeten wurde, das Lokal zu verlassen, weil er zu laut feierte. Der Freund habe sich entschuldigt und wollte wissen, warum er raus müsse. Da sei er an den Haaren gepackt, rausgezerrt, geschlagen und mit Pfefferspray besprüht worden. «Es wurde eine Anzeige gemacht, für nichts», so Clubber.

Guetta schreibt, ein 120-Kilo-Security habe ein 43 Kilo leichtes Mädchen verprügelt. Ihr Vergehen: Sie sagte dem Türsteher, er solle aufhören, sie anzufassen. Für ihn ist klar: «Es gibt Testosteron-vollgepumpte Monster, die nur dort arbeiten, um sich auszutoben.»

«Es braucht Kontrollen für Security-Firmen»

Viele meiden darum mittlerweile Clubs mit Security. «Ich gehe grundsätzlich in keine Lokale, vor denen Gorillas stehen», schreibt etwa User Daniel. Auch Tobi boykottiert solche Bars. Doch zu seinem Leidwesen gibt es mittlerweile fast überall Türsteher. «Auch an der Urdorfer Fasnacht, wo sie Fasnächtler verbal und physisch attackierten.»

Für einige User sollte die Politik das Problem angehen und Gesetze machen. «Sicherheitsdienste müssen besser kontrolliert werden», fordert Tom Huber. Es könne nicht sein, dass Leute, die nirgends einen Job bekommen, in zwielichtigen Sicherheitsfirmen angestellt werden. Es brauche Eignungstests, einen tadellosen Leumund und eine anerkannte Ausbildung. Und: Die Clubs müssten bereit sein, die Sicherheit auch angemessen zu entlöhnen. «Wenn man anständig bezahlt, bekommt man auch professionelles Personal», schreibt O. Kessler.

«Mit Alkohol im Spiel eskaliert die Situation schnell»

Nebst der weitverbreiteten Empörung gibt es auch Leser, die das Problem anders sehen. Heute gehe nichts mehr ohne Türsteher, schreibt ein Clubbesitzer. Der ideale Türsteher müsse etwas von Psychologie und Menschenkenntnis verstehen, geduldig, durchsetzungsfähig, offen, kommunikativ und vieles mehr sein. Er sei immer noch auf der Suche nach dieser Person.

«Leider verstehen die Gäste manchmal nicht, wie man sich benehmen muss», findet Elmar, der fünf Jahre als Türsteher gearbeitet hat. Sei dann noch Alkohol im Spiel, eskaliere die Situation schnell. Auch Fabian Meili hat beobachtet, wie Security-Mitarbeiter nicht korrekt reagieren. Aber: «Sie wurden jedes Mal von Gästen derb angepöbelt.» Und für einen «Fachmann» ist klar: «Die Probleme mit den Türstehern haben mit der allgemein zunehmenden Gewaltbereitschaft zu tun.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andi Herzog am 13.12.2011 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Sinkendes Niveau und Respekt

    Grundsätzlich ist das Niveau und der Respekt gegenüber andern massiv gesunken. Sicher gibt es Security, welche für diesen Job ungeeignet sind. Auf der andern Seite müssen sich die Security auch allerhand gefallen lassen. Bei Demos sind die Polizisten auch immer die dummen.......

  • Tobias Müller am 15.12.2011 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Mal halblang.

    Die, die hier am lautesten protestieren, sind der Grund, warum ein Club überhaupt Securitys braucht.

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  • Murat Bayrush am 10.12.2011 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Veranstalter gibt die Aufträge

    Der Job als Türsteher ist definitiv nicht einfach, man bekommt vom VERANSTALTER klare Aufträge, welche Personentypen erwünscht sind und welche nicht. Oftmals sind diese Aufträge auch nicht politisch korrekt (z.B. keine Südländer reinzulassen etc.) das kann man natürlich nicht offen sagen, deshalb sucht man sich Ausreden und deshalb fühlen sich viele Schikaniert. Das ist nicht, weil die Türsteher es so wollen, sondern weil die Veranstalter es so wollen! Ich selbst stehe auch fast jedes Wochenende vor der Tür in Basler Clubs.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roger Schwarz am 16.12.2011 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    PLAtZ dA!

    ja, ja, die liebe Security. Für mich ein klares No-Go-Kriterium! Wer sich das antun will, soll das...

  • Tobias Müller am 15.12.2011 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Mal halblang.

    Die, die hier am lautesten protestieren, sind der Grund, warum ein Club überhaupt Securitys braucht.

    • Stefan Segmüller am 16.12.2011 19:18 Report Diesen Beitrag melden

      Mal halblang

      Genau so ist es!!!

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  • Sascha am 14.12.2011 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Ausbildung

    In diesem Beitrag wird davon geredet das eine mangelnde Ausbildung u.a. das Problem sei was grundsätzlich nicht als falsch zu bewerten ist. Ich weiss selbst nicht wie es hier bei uns in der Schweiz ist aber in Deutschland gibt es eine richtige Berufsausbildung mit 3 Jahren Lehrzeit. Fachkraft für Schutz und Sicherheit nennt sich diese und wird durch die dortige IHK gefördert und auch von grossen Sicherheitsunternehmen wie zb WISAG Sicherheitsdienste oder Securitas angeboten.

  • York am 14.12.2011 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Sorry aber nun geht 20 min zu weit!

    Der Artikel kommt fast einem Richterspruch gleich. Journalist=Richter=Henker? Ich habe nichts gegen gute Berichterstattung und das man auf Misstände hinweisst, aber dieser Artikel ist eine Aufforderung zur Jagd auf Türsteher.

    • Dave am 16.12.2011 11:26 Report Diesen Beitrag melden

      Ach was

      Nich nur dass dieser Bericht ist eine Fars . Habe 13 jahre an der Tuer garbeitet und aufgehoert weil ich die Schnauze voll hatte Freiwild fuer Gaeste und Justiz zu sein. Mich in meinem Privatleben mit Statsanwalt und Rachelustigen Gangs Herumzuschlagen.Ich bin ein par mal fast ueber die Kannte gegangen wofuer?Ihr wollt gute Leute? Was zum Geier glaubt ihr ,ihr kriegt fuer 20 Franken die Stunde gute leute? Die meisten sind fuer das Geld sogar Ueberqalifiziert jeder riskiert seinen hintern?Wofuer ?

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  • Marco Widmer am 14.12.2011 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja...

    Und wenn es dann an Fussballspielen wieder Ausschreitungen zwischen Fans und prügelnden Delta-Securitys gibt, sind die Fans die bösen. Ich finde es wichtig, dass auch mal Medienleute eine Begegnung mit solchen "Securitys" gemacht haben.