Untersiggenthal AG

22. Juni 2015 05:58; Akt: 22.06.2015 05:58 Print

«Oh Gott, ich komme!» nervt die Nachbarn

In einer Siedlung betreibt ein Pärchen offenbar ihr Liebesspiel sehr laut. Ein Nachbar mahnt sie mit einem Schreiben ab, das für alle ersichtlich in der Tiefgarage hängt – ein heikles Unterfangen.

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Nur der Rasenmäher ist an jenem Morgen in der Neubausiedlung zum Rosengarten im Untersiggenthal zu hören. Kein Gestöhne oder der Ausruf «Oh Gott, ich komme!», wie in einem Schreiben zu lesen ist, das derzeit für alle ersichtlich an der Türe zur Tiefgarage hängt. Dort schreibt der anonyme Absender unter anderem: «Zu Anfang war es ja noch ganz amüsant, durch die Wände und Fenster hindurch ihrem lauten Paarungsritual zuzuhören, aber auf Dauer muss ich sagen, dass es als Nachbar einfach nur noch nervt.»

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Er bittet sie deshalb den Lärmpegel im Interesse der Nachtruhe etwas runterzuschrauben und schalldämmende Massnahmen zu treffen. Vor allem höre man es im ganzen Haus, wenn das Bettgestell rhythmisch gegen die Wand knalle, steht im Brief und: «Tagsüber und am Wochenende ist es jedoch einfach nur peinlich, wenn man Besuch hat und durch die Wände hört, wie die Nachbarschaft am Rammeln ist.»

«Sex in der eigenen vier Wänden sollte doch noch erlaubt sein»

Ein Leser-Reporter aus dem Quartier bestätigt, dass ein Paar besonders laut ist: «Bei offenen Fenster höre ich sie, obwohl ich nicht im gleichem Gebäude wohne.» Er könne den Unmut der direkten Nachbarn verstehen. Doch längst nicht alle in der Siedlung teilen die Meinung – ein Anwohner nervt sich vielmehr ab dem Schreiben: «Sex in den eigenen vier Wänden soll doch wohl noch erlaubt sein.»

Ist es auch, sagt Walter Angst, Sprecher des Mieterverbandes: «Trotzdem gibt es immer wieder Fragen von Mietern, die sich durch Sexgeräusche gestört fühlen. Vereinzelt werden solche Themen auch vor den Schlichtungsbehörden verhandelt.» Bei Nachbarschaftskonflikten fordere man die Mieter immer zum Gespräch und zur gegenseitigen Rücksichtnahme auf. Meist gäbe es einfache Lösungen:«Man kann etwa während des Verkehrs die Fenster schliessen.» Allerdings brauche es auch die Toleranz der Nachbarn – vor allem, wenn das Haus hellhörig sei.

Gespräch unter vier Augen statt anonyme Abmahnung

«Dass man still sein soll beim Sex oder gar Sperrzeiten für sexuelle Aktivitäten verlangt, ist weder kontrollier- noch zumutbar», so Angst. Stossend findet er, wenn genervte Anwohner die Nachbarn mit anonymen Anschlägen blossstellen, anstatt sich direkt bei ihnen zu melden. «Mit solchen Aktionen kann man sich auch eine Klage wegen Persönlichkeitsverletzung einhandeln.» Wenn man die Nachbarn nicht persönlich ansprechen wolle, müsse man sich bei der Verwaltung melden,
die mit der nötigen Zurückhaltung und professionell mit solchen Fragen umgehen kann.

Auch bei der Immobilienverwalterin Livit sähe man es lieber, wenn man in einem solchen Fall direkt mit dem Nachbarn Kontakt aufnimmt. Sprecherin Marietta Hersche: «Wenn das nichts nützt, sollte man sich beim Bewirtschafter melden, welcher vermittelnd Unterstützung bietet.» Vom Schreiben habe man bisher keine Kenntnis: «Ziel ist aber, mit den Parteien Kontakt aufnehmen, um eine Lösung zu finden, mit der alle leben können.»

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Taifunny am 22.06.2015 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Zeilen

    Ich find den Brief gut verfasst :D Er ist nicht beleidigend sondern auf eine gewisse Weise auch mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Gute Aktion wenn alles andere nicht fruchtet.

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  • Rita B. am 22.06.2015 07:45 Report Diesen Beitrag melden

    Warum wohl?

    Warum ist das Eigenheim wohl immer noch der Traum von vielen? Die Freiheit, nicht zu müssen. Beim Sex nicht ruhig sein zu müssen oder dem Sex von anderen nicht zuhören zu müssen..

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  • Zettel nützt am 22.06.2015 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Primabella

    Ich habe auch schon mehrfach wegen extremen Lärm (aber kein Sexlärm) bei meinem Nachbarn geklingelt. Er hat nie die Tür geöffnet. Als ich dann über die Verwaltung ging, passierte auch nichts. Schliesslich schrieb ich ihm einen Zettel und klebte ihn an die Tür - und siehe da, seither war kein Lärm mehr zu hören. Ich würde es wieder mit einem Zettel, der für alle lesbar ist, tun. Sonst ändern sich manche gar nicht. Ich bin absolut nicht lärmempfindlich aber wenn man sich nicht mehr normal unterhalten kann, dann ist es definitiv zu laut.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Untersiggenthalerin am 22.06.2015 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo liegt das Problem?

    Wenn das Volk in der heutigen Zeit unterbeschäftigt ist und keine anderen Probleme mehr hat, sucht man sich eben welche, so wie in diesem Fall. Man muss ja nicht hinhören. Aber man möchte es eben hören und zwar ganz genau. Am liebsten noch mit dem Ohr an der Wand dass man auch sicher alles versteht und sich dann darüber aufregen kann. So krankhaft!

  • nina am 22.06.2015 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    oh schreck

    einfach beim nächsten mal klingeln gehen. Gibt doch nichts mühsameres als wenn es kurz vor dem "oh Gott" mehrmals an der Türe klingelt. Dies ein paar mal so durchziehen.

  • aha am 22.06.2015 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gelegenheit

    Mich nervt das überhaupt nicht, es macht mich an. Jedes mal ist es DIE Gelegenheit, unseren Sex noch lauter ausleben zu können.

  • Rogi am 22.06.2015 11:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beschwerde?

    Diese Beschwerde kommt doch eh nur von unglücklichen Leuten, welche selber so etwas wollen und es nicht bekommen. Sex ist doch ganz normal und Paare, die dies Leben, sollten nicht in eine Schablone gedrückt werden..

  • bubu am 22.06.2015 11:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brunftrufe

    Finde ich super! Besonders bei Frauen welche für einmal nicht alles "unter Kontrolle" haben!