Zürich, Sihlquai

08. Juni 2010 13:02; Akt: 08.06.2010 16:45 Print

«Ohne Gummi? Keine Chance!»

von Joel Bedetti und Mathieu Gilliand - Billigpreise und Sex ohne Gummi: Berichte über den Zürcher Strich zeichnen ein trauriges Bild. 20 Minuten Online wollte es genau wissen – und hat Erstaunliches erlebt.

Die Billigmeile ist nicht allzu billig: Prostituierte am Sihlquai. (Video: 20 Minuten Online)
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Noch bevor es eindunkelt, haben sich am Sihlquai die Figuren versammelt, welche die Zürcher Strasse zum öffentlichen Thema machen. Die Nachfrage: Autos, die aus der feierabendlichen Blechkolonne Richtung Hauptbahnhof ausscheren und am Bordstein parkieren. Und verschämt wirkende Männer mit den Händen im Hosensack, die sich neben Bäumen und Pfosten postieren und das Angebot betrachten.

Das Angebot: Frauen, am Strassenrand aufgereiht. Sie stehen alleine oder in kleinen Grüppchen. Es gibt kleine Blonde und grosse Schwarzhaarige. Es gibt solche, die telefonieren und mögliche Kunden vorbeiwinken, es gibt solche, die sich fast über die Hauben der vorbeifahrenden Autos lehnen. Die einen tragen trotz der Kühle Pumps und glitzernde Strapsen, die andern haben sich einen Kapuzenpullover übergezogen.

«Blasen 50, Ficken 80»

Das Sihlquai gilt als die billigste Sexmeile in Zürich, seit der Personenfreizügigkeit wird der traditionelle Drogenstrich vom Zustrom osteuropäischer Prostituierten verdrängt. Der Preisdruck sei dermassen hoch, dass Sex für 20 Franken zu haben sei, hiess es schon in Medienberichten. Und die Prostituierten würden Freier gleich im nächsten Gebüsch oder auf dem nächsten Parkplatz befriedigen. 20 Minuten Online wollte wissen, ob das tatsächlich so ist.

Fragt man nach Sex ohne Gummi, kommt ein entrüstetes «Nein» zurück. Bietet man einen höheren Preis an, heisst es: «Nicht für hunderttausend Franken!» Auch vom Preisdumping ist wenig zu spüren. Am Sihlquai scheint ein mehr oder weniger fester Tarif zu herrschen: «Blasen 50, Ficken 80, komplett 100.» Darunter läuft nichts.

«Gesundheits- und preisbewusst»

Die Prostituierten-Anlaufstelle Flora Dora ist am Sihlquai mit einem Bus stationiert. Eine Mitarbeiterin bestätigt den Befund: «Das mit dem Sex für 20 Franken ist eher ein Mythos. Die allermeisten Frauen hier sind gesundheits- und preisbewusst.»

Dafür, dass die Preise nicht ins Bodenlose fallen, dürften auch die Zuhälter sorgen, welche die meist ausländischen Prostituierten auf dem Strassenstrich unter der Knute haben. Sie bleiben an diesem Abend weitestgehend unsichtbar - bis auf einen. Mit seinem Offroader röstet er den Sihlquai entlang, den Ellbogen aus dem Fenster gestreckt. Alle paar Meter bremst er ab, die Frauen winken ihm zu, worauf er anerkennend jault und ruft: «Gut siehst du heute aus, Rebecca!»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alexander Tsakiridis am 08.06.2010 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Also, erstmal funktioniert das so nicht.

    ..wie ihr vom 20min-Team das vorgestellt habt. 2 Männer in einem Auto, und nur der eine Fragt nach ficken und dergleichen. Der Fahrer sagt kein Wort. Da würde ich als Frau annehmen, ihr seit Polizisten in Zivil. Wenn jemand von der Arbeit kommt, ist er sicherlich allein im Auto, zudem nur 20 Franken, wo ihr doch 2 Typen seid. Und für was gibt es eigentlich Bancomaten??? Sorry, wie ihr das gedacht habt, muss ja in die Hose gehen.

  • anonym am 08.06.2010 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    so e seich

    Blasen ohne 50 Franken, selber erlebt, Schande über mich. Aber die war gut und ich offensichtlich unverdächtiger als zwei Hobbyskandalaufdecker!

  • Leser am 09.06.2010 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Der Markt regelts

    Ich bedaure die wohl kaum freiwillig Sex Anbieterinnen. Ich kann aber die Kritik vieler nicht verstehen. Wenn einfach kein Mann mehr hingehen würde, würde sich dieser Markt von selber auflösen, wo keine Nachfrage stirbt das Angebot. Echter Frauenschutz wäre also ganz einfach, mehr Moral, mehr Ethik und auf Sex gegen Bezahlung verzichten. Fertig.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fritz Lab am 18.08.2010 00:42 Report Diesen Beitrag melden

    @Beat Ae.

    Nichts für ungut, Beat Ae., aber wo lebst du denn? Natürlich zahlen Prostituierte Steuern! Allerdings ist es auf der Strasse natürlich etwas anders - legal (freiwillig) arbeitende Frauen hätten ja keinen Zuhälter, die man selbstverständlich jetzt schon anzeigen könnte, wenn man denn nicht Angst hätte. Aber noch legaler als legal kann man den Beruf nicht machen, das wird nichts gegen Zuhälterei helfen... Auch Schweizerinnen zahlen ihre Steuern und Vorsorgeabgaben gewöhnlich als Selbständigerwerbende.

  • Beat Wenger am 16.06.2010 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    @demokratie

    Super idee!! Ich sehe schon wie die Prostit. jedem Freier eine Quittung ausstellt, der wiederum kann diese natürlich als Spesen von den Steuern abziehen. Auf welches Alter würde man die Pensionierung festlegen? Ich denke niemand will eine 60jährige Prostit. haben. Wollen sie den alle mit 50 frühpesionieren lassen, oder als IV-Renter abschieben. Manchmal wünsche ich mir, die Leute würden ein bischen weiter denken.

  • Betty am 15.06.2010 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Mit 16

    Solange sich in der Schweiz 16jährige prostiuieren dürfen, sind ausländische Billignutten wohl nicht wirklich das Hauptproblem... So einfach und günstig kommt sonst kein Pädophiler zum Zuge.

    • Maxy am 16.10.2012 20:55 Report Diesen Beitrag melden

      Kinder

      Pädophile sind an Personen bzw. Kinder interessiert, die die Pubertät noch nicht erreicht haben. Ist also eine andere Geschichte.

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  • Beat Aeberhard am 14.06.2010 21:20 Report Diesen Beitrag melden

    Prostitution

    Gott sei gedankt, dass es diese Damen gibt, ansonsten würden wesentlich mehr Frauen in Gebüsche gezerrt. Die Prostituierten, sollten mehr Rechte bekommen, und zwar in Form von Berufsanerkennung, damit auch Vorsorge und Steuern bezahlt werden könnten, sowie die Zuhälter angezeigt und verwahrt werden sollte. Gebt doch endlich Gewerberaum frei, der Vermieter lebt ja dann schliesslich auch nicht schlecht, da diese die Mieten immer ordentlich hochschraubt! Leben und leben lassen, wäre hier die Devise!

  • Demokratie am 11.06.2010 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich könnten wir das Prblem lösen

    Eigentlich müssen wir uns nicht über solche - notabene traurigen Zustände - beklagen. In der Schweiz ist Prostit. nicht anerkannt. D.h. Prostit. ist weder illegal noch in bestimmter Weise durch den Staat reguliert - ergo herrscht Wildwuchs Ausbeutung - überigends genau so wie in anderen nicht anerkannten Berufsgruppen (z.B. Manager ! - kann sich ja eh jeder so nennen !). Wir haben es als Basisdemokratie in der Hand, dies zu ändern, so dass klare Standards vorgeschrieben werden würden, die Prostit. auch Steuern zahlen könnten und Sozielversichert wären.. Zuhälter hätten da keine Chance mehr.