Flughafen Zürich

24. März 2020 08:51; Akt: 24.03.2020 08:51 Print

«Personal forderte uns auf, zusammenzurücken»

In Zeiten der Corona-Krise gilt es Abstand zu den Mitmenschen zu halten. Am Flughafen wird das nicht eingehalten, wie zwei Leser berichten. Die Betreiberin handelt.

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Im Kampf gegen das Coronavirus appelliert der Bundesrat immer wieder an die Bevölkerung, das Social Distancing ernst zu nehmen. Doch wie Leser E.H.* sagt, wird dies am Flughafen Zürich nicht umgesetzt. Der 52-Jährige war am Samstag nach einer langen und vorzeitigen Rückreise aus Australien in Zürich gelandet: «Ich hatte das Gefühl, dass am Flughafen Zürich niemand das Coronavirus ernst nimmt.»

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So sei nicht nur der einzig sichtbare Desinfektionsspender leer gewesen, vor Ort hätten auch Flughafen-Mitarbeiter gefehlt, die die Abstandsregeln kontrollierten oder die Leute auf das Social Distancing hinwiesen. Die Folge: «Die Reisenden hielten weder in der Skymetro noch am Zoll oder bei der Gepäckausgabe ausreichend Abstand. Wir standen ganz oft sehr nah beieinander.» Nur bei einer Rolltreppe seien die Reisenden vom Personal darauf aufmerksam gemacht worden, den Sicherheitsabstand einzuhalten, so H.

Ebenso erstaunt habe ihn, dass keine Temperaturkontrollen stattfanden. «An den Flughäfen in Bangkok und Abu Dhabi ist das Gang und Gäbe.» Für H. ist das Handeln der Zürcher Flughafenbetreiberin unverständlich. «Ich bin wirklich schockiert und finde das unprofessionell. Das entspricht sicher nicht den Vorgaben des Bundes.»

«Es war einfach nur chaotisch»

Leserin L.G.* hat am Sonntag eine ähnliche Erfahrung am Flughafen Zürich gemacht. Zusammen mit ihrem Verlobten ist sie früher als geplant von Bangkok über Abu Dhabi nach Zürich gereist. Wie die 24-Jährige erzählt, wurden die Passagiere nach der Landung noch im Flugzeug in Gruppen aufgeteilt, die etappenweise den Flieger verlassen durften. «Ich fand das sehr gut», sagt G.

Doch schon bald sollte sich ihre Meinung ändern: «Das Ganze entwickelte sich zu einer lächerlichen Aktion», meint die 24-Jährige. Der Grund: «Wegen der Aufteilung in Gruppen dauerte es zunächst über zwei Stunden bis wir das Flugzeug verlassen konnten. Im Gateway wurden wir dann aber wieder zusammengepfercht.» Für die junge Frau ist das unverständlich. «Plötzlich interessierte der Sicherheitsabstand niemanden mehr. Das Personal forderte uns sogar auf, noch näher zusammenzurücken.»

Bei der Passkontrolle sei nicht auf den Sicherheitsabstand geachtet worden. «Der Witz dabei war, dass nach der Passkontrolle plötzlich eine Flughafen-Mitarbeiterin ganz aufgeregt zu uns kam und meinte, wir sollen doch bitte den Sicherheitsabstand einhalten.» Immerhin hätte das Personal bei der Gepäckausgabe die Leute auf Social Distancing hingewiesen. Das Gepäck wurde auf zwei Bänder verteilt. Für die 24-Jährige ist der Fall klar: «Vorbildliches Handeln sieht anders aus.»

«Generell achten wir auf hohe Hygienestandards»

Wie es beim Flughafen Zürich auf Anfrage heisst, lege man grossen Wert darauf, dass die Hygiene- und Verhaltensempfehlungen vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) umgesetzt werden. «Generell achten wir auf hohe Hygienestandards und Awareness in allen Bereichen», sagt Sprecherin Raffaela Stelzer. Dafür habe man auch die Plakate des BAG aufgehängt, deren Flyer aufgelegt, bei diesen Informationsstellen kostenlos Desinfektionsspender sowie über 300 Schutzscheiben bei Check-in, Informationsschaltern zum Schutz der Mitarbeitenden und Passagiere montiert, so Stelzer.

Sie betont: «Als Flughafenbetreiberin sind wir vorbereitet, sollte das BAG verschärfte Massnahmen für die Schweizer Flughäfen anordnen.» Im Rahmen der Notfallorganisation würden aber schon Notfallpläne für den Umgang mit hoch ansteckenden Krankheiten bestehen. Stelzer fügt an: «Es liegt an den Gesundheitsbehörden des Bundes, generelle
Gesundheitsüberprüfungen bei der Einreise anzuordnen.» Bisher seien keine solchen Anweisungen eingegangen, so die Sprecherin.

Massnahmen und Prozessanpassungen

Am Montag folgte dann eine Mitteilung vom Flughafen Zürich, dass auch die Anweisungen vom Bundesrat bezüglich Social Distancing eingehalten werden. Spezielle Massnahmen und Prozessanpassungen sollen dabei helfen, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Unter anderem werden die Airlines angehalten, das Aussteigen der Passagiere bei Langstreckenflugzeugen zu verlangsamen, um einen Abstand zwischen den Passagieren zu gewährleisten. Zudem lassen rund zehn Mitarbeitende im Dock E Reisende dosiert in die Skymetro und sorgen so dafür, dass beim Anstehen genügend Abstand eingehalten wird, wie es in der Mitteilung heisst.

Ebenso seien Mitarbeitende im Einsatz, um Passagiere und Besucher auf die Abstandsempfehlungen hinzuweisen. Auch erfolgt laut der Mitteilung mehrmals pro Stunde eine Durchsage im ganzen Flughafen, die darauf aufmerksam machen soll, Verhaltensregeln betreffend Social Distancing einzuhalten.

Auch wurde die Ankunft 1 geschlossen. Bei der Ankunft 2 soll es laut der Mitteilung nur noch einen Eingang für Abholer geben. Ebenso sei der Zutritt begrenzt. Dafür wurde ein Nummernsystem eingeführt.

*Name der Redaktion bekannt

(mon)