Mehr Messerangriffe

08. November 2019 04:52; Akt: 08.11.2019 09:12 Print

Polizisten sind besorgt

von Jennifer Furer - In Zürich häufen sich die Meldungen über Messerstechereien. Mehr Videoüberwachung könnte Abhilfe schaffen, sagt der Polizeiverband.

Braucht es mehr Videoüberwachung? Das sagen Passanten dazu. (Video: lar)
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Zürich-Oerlikon, 5.30 Uhr, vor einer Shisha-Bar: Ein 43-jähriger Mann wird während einer Auseinandersetzung von einem 33-Jährigen niedergestochen. Er überlebt trotz schwerer Verletzungen. Gleiches Wochenende, Zürcher Kreis 1, Haltestelle beim Stadelhoferplatz, 23.45 Uhr: Mehrere Jugendliche geraten aneinander. Einer zückt ein Messer und verletzt damit einen Kontrahenten.

Es sind Meldungen, die sich in letzter Zeit immer häufiger wiederholen – dasselbe Muster, dieselbe Waffe, dieselben Wochentage. Messerstechereien häufen sich besonders in der Stadt Zürich, aber auch in Winterthur, Schaffhausen und anderen Regionen.

Zunahme bei jungen Tätern

Auch die Zürcher Kriminalstatistik zeigt: Fälle von schwerer Körperverletzung mit Schneid- und Stichwaffen nehmen zu – besonders bei Vorfällen, in denen die Täter zwischen 18 und 24 Jahre alt sind. Die Anzahl solcher Vorfälle in dieser Altersgruppe hat sich von 2017 bis 2018 mehr als vervierfacht.

Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich, bestätigt: «Wir verzeichnen eine deutliche Zunahme von Vorfällen, in denen Stich- und Schnittwaffen eingesetzt werden.» Man könne von einer Konzentration in den letzten Wochen sprechen.

Nicht eingreifen!

Cortesi stellt fest, dass besonders junge Männer zwischen 15 und 30 Jahren in Vorfälle mit Stich- und Schnittwaffen involviert sind. «Meist kommt es an Wochenenden zu solchen Situationen. Der Einfluss von Alkohol und Drogen ist dabei nicht unerheblich», so Cortesi.

Messerstechereien würden sich vor allem dort ereignen, wo es viele Leute auf engem Raum habe — also beispielsweise vor Clubs —, aber auch dort wo die Stimmung aggressiv und die Leute gereizt seien. «Dann reicht manchmal ein Blick, eine Berührung oder eine Bemerkung und die Situation eskaliert.» Beobachte jemand eine Messerstecherei, sei es wichtig, nicht einzugreifen. «Augenzeugen sollten die Notrufnummer 117 wählen. Bei solchen Situationen braucht es ein Eingreifen von Fachleuten, von Polizisten.»

Mentale Vorbereitung

Die Häufung der Messerstechereien würde an Polizisten nicht spurlos vorbeigehen: «Sie sind auch für die Polizistinnen und Polizisten ein Grund zur Besorgnis», sagt Martin Niederer, Vizepräsident des Polizeibeamten-Verbands der Stadt Zürich.

Es führe wieder einmal vor Augen, dass Polizisten bei Einsätzen immer mit einer potenziellen Bewaffnung des Gegenübers rechnen müssten. «Unsere Mitglieder sind aber gut ausgebildet und bereiten sich grundsätzlich vor jedem Dienst mental auf die möglichen Einsätze vor. Dazu gehören auch allfällige Einsätze wegen gefährlicher Gegenstände und Waffen», sagt Niederer.

Mehr Kameras

Die Häufung der Vorfälle mit gefährlichen Gegenständen und Messern führt letztlich auch dazu, dass sich unsere Mitglieder mental noch intensiver auf den Einsatz vorbereiten, sagt Niederer. Eine Lösung zur Entschärfung der Situation wären mehr Kameras im öffentlichen Raum. Niederer sagt: «Das würde die Ermittlung der Täterschaft nach erfolgten Taten sicher verbessern und beschleunigen. Insofern wäre eine bessere Videoabdeckung sicher wünschenswert.»

Wegen diverser Ausschreitungen hat die Stadt Zürich an der Zürcher Seepromenade zusätzliche Videoüberwachungssysteme für die Monate Juni und Juli installiert. Nach zwei Monaten wurden diese wieder abmontiert. Grund: Die Lage habe sich beruhigt.

Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart ist gegen eine flächendeckende Videoüberwachung, wie sie auf Anfrage sagt. Offen sei sie aber gegenüber einer punktuellen Videoüberwachung, wie sie im Sommer am Utoquai durchgeführt wurde. «Das kann eine von mehreren möglichen Massnahmen darstellen.» Derzeit werte das Sicherheitsdepartement den Versuch mit der temporären Videoüberwachung aus. «Die Ergebnisse werden eine Rolle spielen, wie in Zukunft vorgegangen wird.»