Gymi-Prüfung

01. Dezember 2018 21:03; Akt: 01.12.2018 21:03 Print

«Privatschüler werden unfair behandelt»

Nach einem Gerichtsentscheid ist man in den Zürcher Privatschulen sauer. Grund: Dieser bestätigte, dass die Vornoten ihrer Schüler nicht bei der Gymiprüfung zählen.

Hier versuchte ein 20-Minuten-Redaktor die Gymiprüfung. Auch er konnte sich nicht auf seine Vornoten verlassen. (Video: Alice Grosjean)
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«Unsere Schülerinnen und Schüler werden unfair behandelt», sagt Paul Betschart. Grund für den Ärger des Direktors der Freien Katholischen Schulen Zürich ist, dass Vornoten seiner Schüler bei der Gymiprüfung nicht zählen. Anders ist das bei Kindern von öffentlichen Schulen. Diese Haltung bestätigte kürzlich das Verwaltungsgericht, nachdem eine Mutter Rekurs eingelegt hatte.

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Strenge Vorgaben des Volksschulamtes

Betschart ärgert vor allem, dass das Verwaltungsgericht den Entscheid damit begründete, dass die Noten von Privatschulen nicht mit denjenigen von öffentlichen Schulen verglichen werden könnten. Privatschulen hätten grössere Freiheiten bei der Gestaltung des Unterrichts und der Benotung, hielt das Gericht gemäss Medienberichten fest.

«Dabei müssen wir uns an strenge Vorgaben des Volksschulamtes halten», sagt Betschart. So werden etwa von der Behörde der Lehrplan, die Fächer und die Anzahl der Lektionen festgelegt: «Das Volksschulamt überprüft regelmässig, ob wir diese Vorgaben einhalten.» Freiheiten bei der Unterrichtsgestaltung gebe es kaum: «Da wäre es doch nur logisch, wenn unsere Schüler bei der Gymiprüfung die gleichen Bedingungen hätten.»

Privatschulen unter Generalverdacht

So sieht das auch Peter Frey, Rektor der Freien Evangelischen Schule und Co-Präsident des Verbands der Zürcher Privatschulen: «Das Urteil stellt Privatschulen unter Generalverdacht, milder zu benoten, da sie Eltern als Geldgeber im Rücken haben.»

Dies treffe aber nicht zu: «Zu uns wechselt man wegen des anderen Lernklimas oder der kleineren Klassen. Die Schüler müssen aber genau das Gleiche leisten wie anderswo. Alles andere wäre rufschädigend für uns.» Zudem würden auch staatliche Schulen unterschiedlich benoten: «Jeder Lehrer bewertet anders.» Er fordert deshalb, dass bei der Gymiprüfung Vornoten für alle oder für gar niemanden gelten sollten.

Man kommt Privatschülern entgegen

Das wird aber vorerst nicht der Fall sein. Der Kantonsrat hat sogar entschieden, dass künftig bei der Aufnahmeprüfung ins Kurzgymnasium Erfahrungsnoten von Schülern der staatlichen Sek A wieder berücksichtigt werden sollen. Für einige Jahre wurden die Vornoten nur bei der Prüfung ins Langzeitgymnasium angerechnet.

Wie es bei der Zürcher Bildungsdirektion auf Anfrage heisst, kommt man den Privatschülern aber entgegen. Für sie reicht die Note 4 für das Bestehen der Gymiprüfung. Kinder von staatlichen Schulen müssen bei der Prüfung zusammen mit der Vornote einen Notendurchschnitt von 4,5 erreichen. Mit guten Vornoten können sie ein ungenügendes Prüfungsresultat kompensieren.

Vornote bringen doch etwas

Das zeigt etwa der Fall, der kürzlich vor Verwaltungsgericht verhandelt wurde. Die Privatschülerin fiel mit der Note 3,81 durch, obwohl sie im letzten Zeugnis in den massgeblichen Fächern einen Durchschnitt von 5,38 gehabt hatte. Hätte die 12-Jährige eine öffentliche Schule besucht, hätte ihr Prüfungsresultat zusammen mit der Vornote für die Aufnahme ins Gymi gereicht.

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dumby am 01.12.2018 21:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfair? Frage der Optik

    Privatschüler werden unfair behandelt? Privatschulen sind ja schon unfair für alle diejenigen die sich das nicht leisten können!

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  • Frank Feller am 01.12.2018 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    4 Sollte machbar sein

    Also bitte: Wer an der Aufnahmeprüfung keine 4 schafft, gehört auch nicht dorthin.

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  • Tina am 01.12.2018 21:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu Recht so wie es ist

    Aus einem Grund sind Kinder in der Privatschule und nicht in der öffentlichen Schule. Kaufen kann man vieles, aber halt doch auch nicht alles. Die Noten sind nicht vergleichbar, wie es geschrieben steht, und das ist halt so wie es ist, und es ist richtig so.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heino am 02.12.2018 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ääähm!

    Und ich dachte immer Privatschulen seien so viel besser, dass deren Schüler auch ohne gute Vornoten locker die Prüfungen bestehen... siehste, wieder was gelernt!

  • Wendy Elizabeth Müller am 02.12.2018 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    .......

    Ich rate jedem eine Privatschule zu besuchen die nach dem englischen System arbeitet also IGCSE und A Levels anbietet. Es ist die Qualifikation die in der Welt am meisten anerkannt wird. IGCSE ist die 10 Klasse in England aber mit IGCSEs ist man bereits auf dem Niveau der 12 Klasse in der Schweiz. A Levels sind dann vergleichbar vom Niveau her mit dem ersten Jahr einer Universität. Die sind also viel weiter als das Schweizer Bildungssystem.

  • Lehrer am 02.12.2018 16:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum Langzeitgymnasium?

    Als Lehrer an der öffentlichen Schule und früher an zwei verschiedenen Privatschulen: In der Privatschule ist der Druck der Eltern und der Schulleitung (!) deutlich höher, den Kindern bessere Noten zu geben! Kollegen, welche beide Systeme kennen, bestätigen dies auch. Es gibt ausgezeichnete Privatschulen, aber auch solche, hinter denen ich als Lehrer überhaupt nicht stehen kann. Und ja, mit einer 3.8 gehört man nicht ans Langzeitgymnasium. Sie kann an die öffentliche Sek und mit den wieder eingeführten Vornoten an die Prüfung fürs Kurzgymi. In vielen Kt. gibt es gar kein Langzeitgymnasium!!

  • Piet am 02.12.2018 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Einstellung

    Ein paar der Kinder von Privatschulen bestehen die Aufnahmeprüfungen nicht, also muss es unfair sein. Kann ja keinesfalls daran liegen, dass sie zu wenig gelernt haben, oder der abgefragte Stoff in der Privatschule nicht gelehrt wurde. Können wir mal etwas weniger auf andere zeigen und zuerst hinterfragen, ob wir selber etwas falsch machen? Dankeschön, Schweiz.

    • Guschtaff am 02.12.2018 15:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Piet

      Kann ja sein,dass die Prüfungen selbst für Schüler einer Privatschule zu schwierig sind. Vielleicht fehlt es einfach an Hirnmasse. Oder anders gefragt: Warum haben die Eltern soviel investiert, um ihre vermeindlichen "Intelligenzbestien" zu pushen ?

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  • Pozilei pssssss....still am 02.12.2018 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Schweiz

    Immer mehr Messer Gäste in der Schweiz und kommentieren verboten