Krawalle in Zürich

20. August 2018 16:53; Akt: 21.08.2018 07:40 Print

«Sanitäter verschanzten sich im Auto»

von Stefan Ehrbar - Am Samstagabend wurden Rettungskräfte in Zürich angegriffen. Ein Einsatzleiter der Sanität sagt, was geschah und wie sich Sanitäter vorbereiten.

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Am Samstagabend, 18. August, kam es an der Zürcher Seepromenade zu einem Grosseinsatz von Polizei und Sanität. Dabei wurden die Retter «massiv angegriffen», wie die Stadtpolizei mitteilte. Ausgerückt war die Polizei wegen einer Messerstecherei. Beim Eintreffen wurden die Rettungskräfte sofort von Unbekannten, mutmasslichen FCZ-Fans, mit Steinen und Flaschen angegriffen. «Um zu den Verletzten zu gelangen, musste die Polizei Reizstoff und Gummischrot einsetzen», heisst es in der Mitteilung. Damit die Polizei und die Sanität zum Verletzten vordringen konnte, wurde ein Wasserwerfer aufgeboten. Die Polizei setzte Gummischrot und Reizstoff gegen den «Mob» ein. «Auch während und nach dem Rettungseinsatz wurden Polizei und Sanität immer wieder von denselben unbekannten Angreifern mit Flaschen und Steinen attackiert», so die Polizei. Marco Neumann von Schutz & Rettung Zürich (SRZ) sagt, der Angriff habe grundsätzlich nicht der Sanität, sondern der Polizei gegolten. «Unsere Leute waren in der Formation relativ weit vorn und deshalb der Gefahr durch Flaschen und Steine ausgesetzt. Sie haben sich dann für eine, zwei Minuten im Auto verschanzt», so Neumann. Vorfälle wie dieser seien extrem selten. Mitarbeiter der Sanität seien für solche Fälle mit Pfefferspray ausgerüstet und hätten Anweisung, sich zum Eigenschutz zurückzuhalten, so Neumann. Am Morgen nach dem Grosseinsatz sind die Putzcrews im Einsatz. Gummischrot, ... ... ein umgefallenes Absperrgitter ... ... und Glasscherben deuten auf das Geschehene hin.

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Bei den Auseinandersetzungen vom vergangenen Wochenende in Zürich wurden Polizisten und Sanitäter angegriffen, heisst es in einer Mitteilung der Stadtpolizei. Die Retter wollten dem Opfer einer Messerstecherei helfen. Marco Neumann, Einsatzleiter bei Schutz & Rettung Zürich (SRZ) sagt, was vorgefallen ist, wie sich seine Mitarbeiter vorbereiten und wie sie mit dem Geschehenen umgehen.

Herr Neumann, am Wochenende flogen in Zürich Flaschen und Steine gegen Polizisten und Sanitäter, die wegen einer Messerstecherei ausrückten. Sind Sie überrascht?
Das Ausmass hat mich überrascht. Der Angriff galt aber grundsätzlich nicht uns, sondern der Polizei. Unsere Leute waren in der Formation relativ weit vorne und waren deshalb der Gefahr durch Flaschen und Steine ausgesetzt. Sie haben sich dann für eine, zwei Minuten im Auto verschanzt, bis die Polizei die Lage geklärt hatte.

Nimmt Gewalt gegen Sanitäter zu?
Solche Vorfälle gab es auch früher schon. Sie sind aber extrem selten. In einem warmen Sommer wie diesem sind mehr Leute in der Stadt und dementsprechend passiert auch mehr. In unter einem Prozent unserer Einsätze werden Mitarbeiter verbal oder körperlich angegriffen. Für den letzteren Fall sind unsere Mitarbeiter mit Pfefferspray ausgerüstet. Sie wurden von der Polizei für den Einsatz damit ausgebildet. Zudem gibt es in solchen Fällen taktische Anweisungen, sich zurückzuziehen oder gar nicht so nahe heranzufahren.

Als Sanitäter wollen sie Menschen helfen, können das in einer solchen Situation aber nicht. Ist das nicht extrem schwierig?
Natürlich ist das keine einfache Situation. Aber auch bei uns ist der Eigenschutz das oberste Gebot. Wir müssen uns in einem solchen Fall zurückziehen, auch wenn es gegen unser Naturell geht.

Wie gehen betroffene Mitarbeiter mit solchen Angriffen um?
Das ist sehr individuell. Jeder reagiert anders. Nach einem solchen Ereignis spreche ich in einem ersten Schritt mit den Mitarbeitern. Sie haben dann auch die Möglichkeit, sich professionell betreuen zu lassen, etwa durch speziell ausgebildete Mitarbeiter. Die einen möchten das, andere stecken solche Vorfälle leichter weg.

Welche Konsequenzen haben Angreifer zu befürchten?
Es liegt an den Mitarbeitern, ob sie Anzeige erstatten wollen. Wir empfehlen das auf jeden Fall und kommunizieren das intern auch so. Es ist wichtig, dieses Zeichen zu setzen.

Gehen Sie nach Vorfällen wie jenen vom Wochenende mit einem anderen Gefühl an einen Einsatz?
Nein, ich habe kein schlechteres Gefühl. Primär gehen wir in den Einsatz, um zu helfen. Meistens sind die Situationen sicher. Was wir aber beobachten, ist eine Zunahme von verbaler Gewalt.

Wer kommt auf die Idee, Sanitäter zu beschimpfen?
Meistens geschieht das im Ausgang und durch Leute, die stark alkoholisiert sind. Manchmal sind es aber auch psychisch kranke Leute, die uns angreifen und die das womöglich gar nicht steuern können.