Grossaktion

17. Dezember 2011 18:56; Akt: 17.12.2011 21:44 Print

«Sie behandelten mich wie eine Kriminelle»

von Felix Burch - Die Polizei stürmte den Klub «Zukunft» im Zürcher Kreis 4. Dabei wurden 300 Personen kontrolliert. Jetzt kritisieren Besucher das Vorgehen der Beamten. Die Polizei rechtfertigt sich.

storybild

Im Klub «Zukunft» waren rund 300 Leute anwesend, als die Razzia durchgeführt wurde. (Bild: Leser-Reporter)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Party war so richtig am Laufen, als im Klub «Zukunft» an der Dienerstrasse in Zürich plötzlich die Lichter angingen. «Dutzende Uniformierte stürmten ins Lokal», sagt S.T.*, der das erste Mal den Klub besuchte. Danach seien die Anwesenden über Lautsprecher informiert worden, dass sie jetzt kontrolliert werden. Jeder Einzelne sei abgetastet, die Ausweise verlangt worden. Die ganze Aktion wurde um 3 Uhr in der Nacht auf Samstag durchgeführt.

Intime Kontrollen

«Den Grund für die Kontrolle wollte mir niemand sagen, ich fragte mehrmals nach», so S.T. gegenüber 20 Minuten Online. Die Beamten seien aggressiv aufgetreten, ein Mann sei hart am Nacken angegangen worden. S.T. stört weiter, dass er einem Polizisten auf das W.C. folgen und eine Intim-Kontrolle über sich ergehen lassen musste. «Das war erniedrigend.»

N.Z. feierte ebenfalls im Klub. Weil sie nur einen Studentenausweis dabei hatte, wurde sie von der Polizei abgeführt. «Sie legten mich in Handschellen», beschreibt N.Z. den Abend, den sie sich anders vorgestellt hatte. «Als ich im Polizeiauto um angemessene Behandlung bat, sagten sie mir, ich soll schweigen.» Ausserdem sei sie geschubst worden. «Die behandelten mich wie eine Schwerverbrecherin.» N.Z. musste mit auf die Polizeiwache. Nachdem ihr Freund dort ihren Pass vorbei brachte, wurde sie wieder auf freien Fuss gesetzt.

«Alles lief in geordneten Bahnen ab»

Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, widerspricht den Aussagen. Es sei alles in geordneten Bahnen abgelaufen, die Polizei habe die Aktion gefilmt und genügen Videomaterial um dies zu beweisen. «Es gab Leibesvisitationen, aber keine Intim-Kontrollen», sagt Cortesi. Bei Leuten, die sich im W.C-Bereich aufgehalten hätten, haben man lediglich darauf geachtet, dass sie nichts wegspülten.

Dass einige Gäste verärgert gewesen seien, weil sie kurz vor 3 Uhr Eintritt bezahlen mussten und die Party wenig danach schon wieder zu Ende war, könne er verstehen. Laut Cortesi ging es bei der Kontrolle darum, zu zeigen, dass Drogenmissbrauch nicht toleriert werde. Zudem dulde man keine Waffen in Klubs und weiter habe die Polizei für mehr Sicherheit auf der Strasse gesorgt, indem sie nicht mehr Fahrtüchtigen die Wegfahrt mit dem Auto verweigerte.

Bisher keine Beschwerden beim Klubbetreiber

Dominik Müller, Mitbetreiber der «Zukunft», war zum Zeitpunkt der Polizeiaktion im Klub. Er bezeichnet den Umgang der Polizisten mit den Partygängern als «extrem freundlich und kooperativ.» Ihm sei kein überhartes Eingreifen aufgefallen. «Bisher gab es auch keine Beschwerden», so Müller.

Bei der Razzia wurden insgesamt zwölf Menschen festgenommen. Die Polizei stellte Kokain, Ecstasy, Marihuana und Haschisch sowie drei Waffen sicher. Ein Gast wurde bei der Kontrolle verletzt. Die Aktion wurde laut Polizei durchgeführt, weil sie Informationen gehabt habe, dass im Klub Drogen gehandelt würden.

Müller bestreitet dies vehement. «Das ist definitiv nicht so.» Es würden strenge Kontrollen durchgeführt. «Dass ab und zu Drogen konsumiert werden, lässt sich leider nicht verhindern», sagt Müller. Die kleine Menge, die beschlagnahmt worden sei, spreche für sich.

*Namen der Redaktion bekannt

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Moe Szyslak am 19.12.2011 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    go on

    verstehe das geheule hier absolut nicht. Mir kann keiner sagen, dass in zürchern clubs "selten" die drogen den Mann/frau wechseln. Clubbetreiber können aber auch nicht unendlich viele securitas anstellen um dies zu unterbinden. Hartes durchgreifen von securitas bei dealern ist absolut i.o. und wenn das als botschaft nicht genug ist, kommt die polizei zu besuch. Klar lässt sich koks vom boden keiner person zuweisen. aber nach dem 2. 3. mal die drogen wegschmeissen dürfte jedem dealer klar sein, dass das schmerzhafte abschreiber sind und sich nach einem neuen "Marktplatz" umsehen.

  • DE F am 19.12.2011 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    Drogen

    Mir kommt da der Vorfall in Basel in den Sinn, als raus kam das so viele drogen in den Clubs konsumiert werden. Die meisten schrieben da Kommentare, dass die Polizei mehr bei den Clubs vorbei schauen sollen. Jetzt haben sie es gemacht und alle jammern. Ich finde es immer wieder erstaunlich das man es den Schweizer einfach nicht recht machen kann

  • Marx am 17.12.2011 20:56 Report Diesen Beitrag melden

    soo ist doch Polizeiarbeit lobenswert

    Ist mir viel viel lieber das die Polizei an solchen Orten vorgeht. Dort ist das Problem und find ich auch richtig. Nicht wie die Bieler die sich nach Balkonpflanzen auf die Suche machen. In Biel gäbte es auch genügende Clubs und Bars die mal eine Razzia nötig hätten...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • DE F am 19.12.2011 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    Drogen

    Mir kommt da der Vorfall in Basel in den Sinn, als raus kam das so viele drogen in den Clubs konsumiert werden. Die meisten schrieben da Kommentare, dass die Polizei mehr bei den Clubs vorbei schauen sollen. Jetzt haben sie es gemacht und alle jammern. Ich finde es immer wieder erstaunlich das man es den Schweizer einfach nicht recht machen kann

  • Moe Szyslak am 19.12.2011 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    go on

    verstehe das geheule hier absolut nicht. Mir kann keiner sagen, dass in zürchern clubs "selten" die drogen den Mann/frau wechseln. Clubbetreiber können aber auch nicht unendlich viele securitas anstellen um dies zu unterbinden. Hartes durchgreifen von securitas bei dealern ist absolut i.o. und wenn das als botschaft nicht genug ist, kommt die polizei zu besuch. Klar lässt sich koks vom boden keiner person zuweisen. aber nach dem 2. 3. mal die drogen wegschmeissen dürfte jedem dealer klar sein, dass das schmerzhafte abschreiber sind und sich nach einem neuen "Marktplatz" umsehen.

  • Albert Hofmann am 19.12.2011 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird sie immer geben

    Drogen sind so alt wie die Menscheit. Es wurden schon immer berauschende mittel konsumiert, in jeglichen Epochen und in allen Kulturen. Dies war so, und wird auch in Zukunft so sein. Solche Aktionen sind je nach Einstellung des Betrachters gerechtfertig oder eben nicht.

    • Tinä am 20.12.2011 22:18 Report Diesen Beitrag melden

      Albert weiss Rat!

      weise Worte, wirklich weise Worte, Herr Hofman. ;)

    einklappen einklappen
  • Manuel Frei am 19.12.2011 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Züritipp sagts richtig!

    Objektive Berichterstattung wie hier ist fair.

  • Adrian am 19.12.2011 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Korrektes Verhalten

    Wenn man sich gegenüber der Polizei korrekt benimmt, hat man nichts zu befürchten und wird auch anständig behandelt. Wer pöbelt, der lernt hat die Polizei von einer anderen Seite kennen. Ich habe auch schon stark alkoholisiert die Polizei angepöbelt und musste am nächsten Tag sagen, ich verstehe die Polizei, wenn sie dann ungehalten reagiert.