Drama in Pfäffikon

15. August 2011 13:17; Akt: 15.08.2011 18:58 Print

«Sie hatte Angst, dass er sie umbringt»

Ein Kosovare hat in Pfäffikon ZH erst seine Frau und dann die Chefin des Sozialamts getötet. Die Ehefrau hat die Bluttat ihres Mannes offenbar befürchtet.

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Der 62-jährige Kosovare Shani S. stand am Dienstag, 18. November 2014, vor dem Zürcher Obergericht. Dieses musste auf Verlangen der Verteidigung vor allem die Tatqualifikation überprüfen - also ob es Mord oder vorsätzliche Tötung war. Das Obergericht bestätigte das Urteil aus erster Instanz und die lebenslange Freiheitsstrafe. Das Bezirksgericht Pfäffikon ZH verurteilte S. am Freitag 19. April 2013 zu einer lebenslänglichen Haftstrafe. Er hatte am 5. August 2011 seine Frau dafür «bestraft», dass sie die Scheidung anstrebte. Danach erschoss er die Sozialdienstleiterin, weil sie die Frau in ihrem Unabhängigkeitsbestreben unterstützte und ihm seiner Meinung nach zu wenig Geld zukommen liess. Der Prozess hatte am Montag, 8. April 2013 begonnen. S. war des mehrfachen Mordes angeklagt. Der Staatsanwalt verlangte eine lebenslange Strafe. Es war helllichter Tag, als Shani S. am 15. August 2011 in der Nähe des Bahnhofs von Pfäffikon ZH mehrere Schüsse auf seine 52-jährige Ehefrau abfeuerte. Dreimal hatte er Sadete S. in der Nähe des Bahnübergangs in den Kopf geschossen. Sie war am Mittag auf dem Heimweg als er sie ansprach und die Pistole zückte. Sie war sofort tot. Danach ging er hinüber zum Gemeindehaus und wartete dort darauf, dass eine von zwei Personen, gegen die er einen Groll hegte, das Gebäude verlasse. Er hatte es auf die für ihn zuständige Sachbearbeiterin und die Sozialamtschefin abgesehen, weil sie ihm angeblich zu wenig Sozialhilfe auszahlten. Er hatte noch eine Kugel übrig. Auf diejenige der beiden Frauen, die zuerst das Gebäude verliess, wollte er damit schiessen. Es traf Daniela H., die Sozialamtschefin. Er sprach die 48-jährige kurz an, hob dann die Pistole und schoss ihr in den Kopf. Daniela H. wurde schwer verletzt ins Spital transportiert. Rund zwei Stunden später wurden die Reanimationsbemühungen abgebrochen. Die Polizei hat kurz nach den beiden Schussabgaben den Tatverdächtigen Shani S. verhaftet. Bald wird klar: Hier hat einer gemordert, der zuvor mehrfach damit gedroht hat. Seine Frau und seine Kinder soll Shani S. zudem jahrelang misshandelt haben. Der kaltblütige Doppelmord schlägt in der ganzen Schweiz hohe Wellen. Der Kanton Zürich kündigt an, künftig potenzielle Täter härter anzupacken und beschliesst ein Massnahmenpaket. So soll bei Drohungen eine Inhaftierung oder eine Hausdurchsuchung immer geprüft werden. Zudem wurde eine Checkliste mit dem Titel «grobes Gefährlichkeitsscreening» in Auftrag gegeben, das bei der Einschätzung möglicher Täter helfen soll.

Fehler gesehen?

Am Mittag ist es im Ortszentrum von Pfäffikon ZH zu einer zweifachen Tötung gekommen: Die 48-jährige Leiterin des Sozialamts und eine 52-jährige Kosovarin sind bei der brutalen Tat ums Leben gekommen. Ein 59-jähriger Kosovare, der Ehemann des einen Opfers, konnte unmittelbar nach der zweiten Tat verhaftet werden - er steht unter dringendem Tatverdacht.

Offenbar ist dem Drama eine heftige Auseinandersetzung vorausgegangen: Der Mann traf beim Bahnübergang von Pfäffikon auf seine 52-jährige Ehefrau. Dort haben sich die beiden gemäss einem Augenzeugen gestritten, danach seien bei ihm alle Sicherungen durchgebrannt. Ein anderer Augenzeuge will in der Folge drei Schüsse gehört haben. Die Polizei bestätigt lediglich die Abgabe von mehreren Schüssen am Bahnübergang.

Doch damit nicht genug: Der Mann liess seine Ehefrau in ihrem Blut liegen, setzte sich wieder in sein Auto und fuhr zum Gemeindehaus. Dort stieg er aus und feuerte vor dem Gebäude mindestens einmal auf die Leiterin der Sozialamts. Die Familienmutter verstarb wenige Stunden später im Spital.

Schon länger Krach in der Familie

Wie mehrere Bekannte der kosovarischen Familie sagten, hing der Haussegen beim Ehepaar schon länger schief. Besonders dramatisch soll es vor rund zwei Monaten zu und her gegangen sein: Der Mann habe seine Frau tätlich angegriffen, nachdem sich diese von ihm getrennt hatte. Die Polizei musste ausrücken und inhaftierte ihn vorübergehend. Wenig später kam er aber offensichtlich wieder frei.

Die Kantonspolizei Zürich bestätigt, dass sie im Jahr 2011 wegen häuslicher Gewalt ausgerückt ist und den Mann in der Folge mit einem sogenannten Rayon- und Kontaktverbot belegt hat.

Längere Zeit im Ausland

Nach der Gewalttat im Frühjahr 2011 setzte sich der 59-Jährige offenbar ins Ausland ab. Als er dann wieder zurückgekommen sei, habe seine Frau Schlimmes geahnt: «Ich habe Angst, dass er mich umbringt», soll sie einer Nachbarin gesagt haben. Gemäss ihrer Aussage litt der Mann unter Depressionen.

Das kosovarische Ehepaar hat fünf gemeinsame Kinder, vier Töchter und einen Sohn. Das Klima in der Familie war offenbar schon länger vergiftet: Mehrere Landsleute aus Pfäffikon sagten, dass die Töchter wegen der latenten Gewaltanwendung des Vaters das Elternhaus verliessen. Dennoch sitzt in der Gemeinschaft der Schock über die Bluttat tief. «So etwas hätten wir nie erwartet», so ein Bekannter der Familie.

Weshalb die Amtsleiterin?

Unklar bleibt, ob die Leiterin des Sozialamts Pfäffikon zufällig Opfer des 59-Jährigen wurde. Die Kantonspolizei Zürich bestätigt bisher einzig, dass sie mit dem Ehepaar - es lebte von der Sozialhilfe - beruflichen Kontakt hatte.

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(fum/amc/rry)