Ex-Freundin belästigt

20. Dezember 2011 23:53; Akt: 20.12.2011 19:43 Print

«Stalker» wegen Nötigung verurteilt

von Attila Szenogrady - In Schlieren hat ein Hilfsarbeiter seine Ex-Freundin nicht nur massiv belästigt, sondern auch mit einer erfundenen Ansteckung mit AIDS in Angst versetzt. Dafür kassiert der Mann eine Geldstrafe.

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Es war im August 2010, als eine Frau aus Schlieren nach dreieinhalb Jahren die Beziehung zu ihrem mazedonischen Freund beendete. Ein Entscheid mit massiven Folgen. So wollte der heute 32-jährige Hilfsarbeiter die Kündigung der Partnerschaft nicht akzeptieren und verlegte sich in der Folge auf massive Belästigungen. «Ich will heute nur noch meine Ruhe vor ihm», erklärte die Geschädigte am Dienstag vor dem Bezirksgericht Dietikon. Nur ungern erinnerte sie sich an die diversen Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen ihren Ex-Freund zurück.

Auch am Arbeitsplatz belästigt

Die Anklageschrift schilderte, wie der Mann immer wieder am Wohnort der Geschädigten unangemeldet auftauchte und Einlass in die Wohnung verlangte. Zudem deckte er sie über mehrere Wochen hinweg mit unzähligen Telefonanrufen ein. Oder er stellte ihr auf ihrem Heimweg nach. Besonders schlimm war, dass er die Busführerin auch an ihrem Arbeitsplatz bei der VBZ wiederholt belästigte. In einem Fall überraschte er sie am Albisriederplatz in einem Bus der Linie 72 mit einem Blumenstrauss. Als sie wegfuhr, erblickte sie ihn kurz darauf bei der Haltestelle Triemli, wo er sie kurz darauf fragte, wo sie denn die Blumen hätte.

Bei einem weiteren Vorfall begleitete der Beschuldigte die Geschädigte während einer Dienstfahrt und redete unaufhörlich auf sie ein. Als er plötzlich einen pistolenähnlichen Gegenstand aus seiner Jacke hervor nahm, betätigte sie die Notruftaste und teilte der Leitstelle der VBZ mit, dass sie von einem Fahrgast belästigt werde. Worauf der Angeklagte das Weite suchte.

Erfundene Ansteckung mit AIDS

Besonders perfid ging der Angeklagte im Dezember 2010 vor. So teilte er seiner Ex-Freundin per E-Mail mit, dass er sich im Spital einer Kontrolle unterzogen habe. Dabei sei heraus gekommen, dass er sich bereits vor vier Jahren mit AIDS angesteckt habe. Worauf die Frau die Hiobsbotschaft sehr ernst nahm und sich mit mulmigen Gefühlen selber einen AIDS-Test machte. Zu ihrer grossen Erleichterung fiel das Ergebnis negativ aus. Trotzdem erstattete sie nun Strafanzeige.

Bedingte Geldstrafe

Vor Gericht zeigte sich der Angeschuldigte bei den meisten Vorwürfen geständig, stufte aber die ganze Angelegenheit als harmlos ein. So habe er die Beziehung bloss retten wollen, erklärte er. Während die Staatsanwaltschaft wegen mehrfacher Nötigung eine bedingte Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu 30 Franken sowie 800 Franken Busse verlangte, legte das Gericht eine mildere Sanktion von 90 Tagessätzen zu 30 Franken auf Bewährung fest. Allerdings bei einer sehr langen Probezeit von fünf Jahren. Es sei grundsätzlich nicht verboten, um eine Frau zu kämpfen, sagte der Einzelrichter. In der Schweiz seien aber heute sehr strenge Grenzen gesetzt. Diese habe der Angeschuldigte überschritten, indem er die freie Lebensgestaltung der Geschädigten eingeschränkt habe. Zum Schluss nahm der Angeklagte den Entscheid hin. Dank der Strafuntersuchung hat er die Belästigungen inzwischen eingestellt.

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