Mann onanierte vor Polizistin

13. Januar 2020 21:43; Akt: 13.01.2020 21:43 Print

«Täter wollen mit ihrem Penis erschrecken»

In Winterthur nahm die Polizei einen Mann fest, der vor einer Polizistin in Zivil onaniert hatte. Forensiker Thomas Knecht spricht von einem typischen Fall.

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Eine gezielte Aktion der Stadtpolizei Winterthur führte zur Festnahme eines mutmasslichen Exhibitionisten. Weil bei der Polizei seit November 2018 über zwei Dutzend Delikte von Exhibitionismus gegenüber jungen Frauen registriert worden waren, setzte man weibliche Mitarbeiterinnen in Zivil auf der Strasse ein.

Mit Erfolg: Am Sonntagabend kurz nach 23 Uhr tauchte ein leicht bekleideter Mann an der Juchstrasse auf und onanierte vor einer Polizistin in Zivil. Dem Täter, einem 33-jährigen Schweizer, gelang zunächst die Flucht. Er konnte aber später festgenommen werden.

Der Experte im Interview

Thomas Knecht ist forensischer Psychiater und Leitender Arzt am Psychiatrischen Zentrum Appenzell Ausserrhoden. Er spricht von einem typischen Fall.

Wer entblösst sich in der Öffentlichkeit?
Es sind fast ausschliesslich Männer im Erwachsenenalter, die sich exhibitionieren. Beim Alter gibt es keine Grenzen nach oben. Opfer dagegen sind meist junge Frauen, kaum je Männer – so ein Fall ist mir jedenfalls nicht bekannt. Der vorliegende Fall ist also typisch. Bei Frauen wird ähnliches Verhalten oft als erotisches Angebot wahrgenommen, nicht als aggressive Handlung.

Was ist der Grund für solche Taten?
Täter wollen mit ihrem Penis erschrecken und imponieren. Das kann man etwa auch bei Affen beobachten, die ihre Erektion zeigen, um ihr Revier zu verteidigen. Wichtig ist deshalb, dass die Täter die Reaktion des Opfers erkennen können. Bei Menschen spielen aber auch sexuelle Komponenten mit. Täter sind oft inkompetent im Sexuellen. Während der Tat fühlen sie sich aber stark. Patienten berichten mir so etwa von Rauschzuständen.

Warum hat sich der Täter vermummt?
Den Tätern ist meist bewusst, dass sie unrechtmässig handeln. Deshalb versuchen sie, die Gefahr zu minimieren, erwischt zu werden. Sie suchen sich einsame Situationen mit schlechter Beleuchtung. In diesem Fall hat er sich sogar vermummt. Das wahrt seine Anonymität zusätzlich.

Wie reagieren Opfer?
Opfer erleben negative Gefühle – etwa Angst und Beschämung. Es ist auch möglich, dass sie an sich selbst zu zweifeln beginnen, weil sich jemand in ihrer Gegenwart getraut hat, sich zu exhibitionieren.

Gibt es Therapieansätze?
Oft reicht es, wenn die Täter das ganze juristische Prozedere durchlaufen müssen und bestraft werden. Manchmal wird auch eine kognitive Verhaltenstherapie versucht. Das stärkt ihr Bewusstsein über das Unrecht der Tat. Eine Rolle spielt dabei auch die Beschämung, die dadurch auf den Täter zukommt. In schlimmen Fällen ist eine medikamentöse Behandlung möglich.

(tam)