Mutter des Opfers

08. Dezember 2019 12:59; Akt: 08.12.2019 12:59 Print

«Tod meines Sohnes ist kein Kollateralschaden»

Galeristensohn B. V. erhielt vom Zürcher Obergericht ein deutlich milderes Urteil für die Tötung seines Kollegen. Die Mutter des Opfers will deshalb eine Initiative lancieren.

Das sagen die Mutter des Opfers, der Verteidiger von B. V. und der Staatsanwalt zum deutlich milderen Urteil des Obergerichts.
Zum Thema
Fehler gesehen?

In der Goldküsten-Villa seiner Eltern soll Galeristensohn B. V.* seinen 23-jährigen Kollegen Alex am 30. Dezember 2014 brutal getötet haben. Unter anderem soll er ihm mit verschiedenen Gegenständen den Schädel eingeschlagen haben, eine Kerze in den Mund gerammt und ihn mit seinen Händen erwürgt haben.

Das Bezirksgericht Meilen verurteilte B. V. zu einer Freiheitsstrafe von 12,5 Jahren. Seine drei Staranwälte zogen das Urteil ans Obergericht weiter – mit Erfolg. Ende November verurteilte das Obergericht V. zu drei Jahren Haft, die er schon abgesessen hat, sowie zu einer stationären Suchtbehandlung. Grund: Der Galeristensohn habe die Tat in selbst verschuldeter Unzurechnungsfähigkeit begangen. Er sei zum Zeitpunkt unter dem Einfluss von Ketamin und Kokain gestanden. Bei Unzurechnungsfähigkeit liegt die maximal mögliche Strafe bei drei Jahren.

«So schrecklich war sein Kopf zugerichtet.»

Katja Faber, die Mutter des 23-jährigen Opfers, zeigte sich bereits nach der Gerichtsverhandlung bestürzt über das deutlich mildere Urteil. Gegenüber dem «Blick» findet sie nun deutliche Worte: «Der Tod meines Sohnes ist doch kein Kollateralschaden eines Süchtigen, eine kaputte Fensterscheibe oder Tür, die man reparieren kann. Mein Alex wurde brutal getötet. Doch das ist für das Gericht scheinbar nicht wichtig. Sein Leben hat offenbar keinen Wert.»

Der Verlust ihres Sohnes zermürbe sie Tag für Tag: «Ich konnte ihn nicht halten, während er starb. Und auch nicht als er tot war. Ich durfte ihn nicht sehen, so schrecklich war sein Kopf zugerichtet», sagt Faber.

Als Reaktion auf das deutlich mildere Urteil des Obergerichts will Faber nun gar das Gesetz ändern mithilfe einer Volksinitiative. «Mit der Initiative soll verhindert werden, dass Täter, die unter Drogeneinfluss Verbrechen begehen, mit mildernden Umständen davonkommen.» Am Ende seien nicht die Drogen schuld, sondern der Mensch.

Frau vor Haustüre erstochen – schuldunfähig

Ein weiteres aktuelles Beispiel in Sachen Schuldunfähigkeit: Die 66-jährige Hildegard Enz Rivola wurde am 17. Januar vor ihrer Haustür mit über 30 Messerstichen von einem 28-Jährigen aus der Region getötet. Gemäss Staatsanwaltschaft nur aus dem Grund, dass er die Wohnung des Opfers nach dessen Tod beziehen wollte. Statt einer Anklage wegen Mordes wird nun aber die Anordnung einer Massnahme beantragt.

Ein Gutachten diagnostizierte beim 28-jährigen Kroaten eine paranoide Schizophrenie und einen schädlichen Gebrauch von Alkohol und Kokain. Vor und nach der Tat hatte der Beschuldigte zudem Kokain, Marihuana und Alkohol konsumiert.

*Name der Redaktion bekannt.

(wed)