Bezirksgericht Zürich

09. März 2011 14:28; Akt: 09.03.2011 15:53 Print

«Valerie 14» war ein verdeckter Ermittler

von Attila Szenogrady - Ein Student (28) tappte in eine Internet-Falle der Polizei. Statt Sex mit einem Mädchen (14) setzte es für ihn eine bedingte Geldstrafe von 29'000 Franken sowie 1000 Franken Busse ab.

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Der 28-jährige Student verabredete sich im Internet zum Sex mit einem 14-jährigen Mädchen. Am vereinbarten Treffpunkt nahm in die Kantonspolizei in Empfang. (Bild: Keystone)

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Beim Angeklagten handelte es sich alles andere als um einen gewöhnlichen Kriminellen. So ist der heute 28-jährige Schweizer aus dem Bezirk Hinwil ein fleissiger Student, der es bald zu einem erfolgreichen Ingenieur bringen will.

Der junge Mann aus gutem Haus gilt als beliebter Mitbürger und amtiert auch als Präsident eines Sportvereins. «Ich habe einen Riesenfehler gemacht», erklärte er am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich und schämte sich dabei in Grund und Boden. Er erinnerte sich an den März 2010 zurück, als er im Internet im Chat «teentalk» das vermeintlich 14-jährige Mädchen «Valerie» kennenlernte.

«Valerie 14» war ein Kantonspolizist

Sicher ist, dass der Beschuldigte das Mädchen schon bald in sexuelle Themen verwickelte und es unverblühmt fragte, ob es auch spitz und rasiert sei. Dann schickte er der Schülerin per E-Mail ein Foto von seinem erigierten Penis zu. Nach weiteren eindeutigen Gesprächen machte der Student mit der minderjährigen Person für den 17. März ein Treffen in Zürich ab.

Dabei sollte es zwischen ihm und ihr in seinem Auto zu sexuellen Handlungen kommen. Doch daraus wurde nichts. So wurde der Zürcher Oberländer am vereinbarten Treffpunkt von Beamten der Kantonspolizei Zürich in Empfang genommen und verhaftet. «Valerie 14» war in Wahrheit ein verdeckter Ermittler.

Geständig, kooperativ und einsichtig

Der erwischte und nach einem Tag aus der Haft entlassene Student legte sogleich ein umfassendes Geständnis ab und zeigte sich kooperativ. Auch am Prozess gab er die Vorwürfe der Anklageschrift unumwunden zu. Auf die zentrale richterliche Frage, was er in Zürich beabsichtigt habe, erklärte er offen, genau das, was er im Internet geschrieben habe. Allerdings gab er auch an, dass er beim Anblick einer 14-jährigen Schülerin wohl noch zurückgekrebst wäre.

Während die zuständige Staatsanwältin Patricia Brunner von einem schweren Verschulden sprach und wegen versuchten sexuellen Handlungen mit Kindern eine gerade noch bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten sowie 1000 Franken Busse forderte, setzte sich die Verteidigung für eine milde und bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 30 Franken ein. Der Rechtsanwalt verlangte dabei einen Teilfreispruch, da sein Klient noch nicht zur Tat entschlossen gewesen sei. Zudem habe ein Gutachten ergeben, dass der Angeschuldigte keine pädosexuellen Neigungen aufweise. Nicht zuletzt sei in Deutschland das Schutzalter auf 14 Jahre festgesetzt.

Geld- statt Freiheitsstrafe

Das Gericht kam zu Schuldsprüchen und setzte eine bedingte Geldstrafe von 290 Tagessätzen zu 100 Franken sowie eine zu bezahlende Busse von 1000 Franken als Sanktion fest. Der Gerichtsvorsitzende Roland Heimann sah die Schuld des Studenten als klar erwiesen an. Er sei nach Zürich gefahren, um sexuelle Handlungen mit dem minderjährigen Mädchen zu begehen, erklärte er.

Auch das Bild seines Gliedes habe er der vermeintlichen Schülerin nicht zu reinen Bildungszwecken, sondern zwecks sexueller Erregung zugestellt, ergänzte Heimann und sprach von einem nicht mehr leichten Verschulden. Trotzdem verzichteten die Richter aufgrund der glaubhaft gemachten Einsicht des Beschuldigten auf eine Freiheitsstrafe. Ebenso auf die von der Staatsanwältin verlangte Abnahme einer DNA-Probe. Dafür sei der Fall noch zu wenig schwerwiegend, fanden die Richter.