Velos auf dem Trottoir

08. März 2016 05:46; Akt: 08.03.2016 07:57 Print

«Velofahrern fehlt das Unrechts-Bewusstsein»

Viele Velofahrer sind in Zürich auf dem Trottoir unterwegs – das kann böse enden. Laut Fussverkehr Schweiz und Pro Velo ist die Stadt daran nicht unschuldig.

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Immer wieder kommt es in Zürich zu Unfällen, weil Velofahrer auf dem Trottoir unterwegs sind. (Bild: som)

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Zürich-Wiedikon am letzten Mittwoch: Ein Velofahrer prallt in einen Fussgänger (77) auf dem Trottoir. Der Mann stürzt. Zuerst kümmerte sich der Unfallverursacher um den 77-Jährigen, doch dann braust er davon. Der Rentner musste mit mittelschweren Verletzungen ins Spital gebracht werden. Vom Velofahrer fehlt noch immer jede Spur.

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Solche Unfälle kommen glücklicherweise selten vor, sagt Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei: «Dass Velofahrer aber verbotenerweise auf den Zürcher Trottoir unterwegs sind, beobachten wir leider immer wieder.»

750 Bussen verteilt

Allerdings ist es laut Cortesi oft schwierig, sie anzuhalten, ohne sie dabei zu gefährden: «Wir können ja nicht die Nummer aufschreiben, wie bei den Autofahrern.» Trotzdem verteilte die Stadtpolizei letztes Jahr 750 Bussen wegen Fahrens auf dem Trottoir, was bei sofortiger Bezahlung 40 Franken kostet.

Dass Velofahrer das Trottoir in Beschlag nehmen, ist auch für Thomas Schweizer, Geschäftsleiter von Fussverkehr Schweiz, ein grosses Problem: «Leider sind derartige Verstösse in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen.»

Velofahrer fehlt das Unrechtsbewusstsein

Gerade in der Stadt Zürich fehlt den Velofahrern teilweise das Unrechtsbewusstsein, so Schweizer: «Viele Trottoirs sind, um durchgehende Velorouten anbieten zu können, von der Stadt als Mischflächen signalisiert worden, die auch Velofahrer benutzen dürfen.» Dies sei nicht nur gefährlich, sondern begünstige auch ein falsches Verhalten: «Einige denken dann, Velofahren sei auf allen Trottoirs legal.»

Auch Dave Durner, Geschäftsleiter von Pro Velo Zürich, findet, dass die Stadt diese Mischzonen abschaffen sollte: «Fahrräder gehören auf einen separaten Veloweg.» Das ist auch das Ziel der Stadt, sagt Heiko Ciceri, Sprecher der Dienstabteilung Verkehr: «Nur ist das nicht überall möglich, da der Platz fehlt.» Deshalb werde man sich wohl von den Mischflächen nicht ganz verabschieden können: «Ob sie die Velofahrer zum Fahren auf dem Trottoir verleiten, kann ich nicht beurteilen.»

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • oesi am 08.03.2016 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Trottoir !

    Das kann man Durchaus nicht nur auf das Trottoir- Thema beschränken, sondern auf missachtete Rotlichter, Fahrverbote, Fahren ohne Licht, ignorierte Stopsignale etc. ausweiten. Leider halten (zu) viele das Velo für einen rechtsfreien Raum.

  • Hell Seher am 08.03.2016 06:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hä?

    Es fehlt das Unrechtsbewusstsein? Ich dachte,Fahrradfahrer sind auch nur Menschen mit solchen Fähigkeiten. Naja,dann kenn ich ja meine nächste Ausrede,wenn ich wieder geblitzt werde oder falsch parke.

  • Dogcop am 08.03.2016 07:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichgültigkeit

    Es fehlt nicht an Unrechtsbewusstsein. Es ist vielen Radfahrern einfach gleichgültig. Sie sind der Überzeugung, da sie etwas für die Umwelt tun, haben sie alle Rechte. Die Vorschriften im Strassenverkehr würden nur für den motorisierten Verkehr gelten. Solche Aussagen erlebe ich tagtäglich im Beruf. Oft sind es erwiesenermassen Frauen und Studenten, die eine solche Gleichgültigkeit zeigen. Auch Lehrer zeigen sich bei Belehrungen aufbrausend oder gleichgültig. Leider ist es so.

Die neusten Leser-Kommentare

  • No comment am 08.03.2016 17:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egoisten

    Velofahrer sind einfach nur Egoisten, die ach so tollen Velofahrer dürfen über alle Gesetze hinwegsehen weil alle andern unnützen Verkehrsteilnehmer auf sie aufpassen müssen!

  • Eva-Maria Stabinger am 08.03.2016 15:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unrechtsbewusstsein fehlt bei den Velofahrern

    Velofahrer reizen in immer stärkerem Maße die Gefährdungshaftung aus! Rotlichter werden sehr oft ignoriert, der Autofahrer ist ja ohnehin stets der Schuldige. Es ist höchste Zeit für lesbare/notierbare Nummernschilder für Velos.

  • David Stampfli am 08.03.2016 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Velostreifen fehlt

    Vor lauter Velo-Bashing geht gerne vergessen, dass wohl viel mehr Fussgänger bei Rot über die Strasse gehen oder Autos zu schnell fahren, als Velos unerlaubt auf dem Trottoir fahren. Das Problem auf dem Bild lässt sich übrigens einfach lösen: Eine der beiden MIV-Spuren aufheben und beidseitig Velostreifen hinmalen. Dann fährt niemand mehr auf dem Trottoir.

    • No comment am 09.03.2016 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @David Stampfli

      Das glauben Sie wohl selbst nicht! Es ist nur schade dass man hier kein Video hochladen kann, dann würde ich Ihnen einmal zeigen wie es zB. auf der Zollbrücke in nur 10min. zu und hergeht obwohl Velowege beidseitig der Strasse gekennzeichnet sind! Fahren auf Perron 18, auf dem Gehweg sowieso in beiden Richtungen. Der Gipfel ist dann noch die anmozerei wenn man den Gehweg als Fussgänger nicht frei macht passiert mir jeden Tag.

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  • Helena am 08.03.2016 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Gebt den Velos ihren sicheren Platz

    Der Platz fehlt nicht, er ist nur total ungerecht verteilt. Wenn Du allein im Auto sitzt und 10 m2 beanspruchst, dazu noch einen Parkplatz brauchst und Abgase ausstösst, bekommst Du luxusmässig Platz auf der Strasse. Ist die gleiche Person auf einem ökologischen Velo, wird sie an den Rand gedrückt oder im Mischverkehr aufs Trottoir gezwängt. Gebt den Velofahrern einen anständigen, sicheren Velostreifen oder Veloweg, dann fühlen sie sich sicher und müssen auch nicht aufs Trottoir. Aber dazu muss man halt dem MIV Platz wegnehmen.

    • sagamol am 09.03.2016 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Helena

      Nur wenn die Velofahrer das auch bezahlen. So wie überall, nach dem Verursacherprinzip. Aber die Ökos meinen ihnen gehöre die Welt. Wäre das Geld der achsobösen Autofahrer nicht vorhanden, müssten sie ihren Drahtesel sogar tragen.

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  • Christoph am 08.03.2016 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind die Velospuren???

    «Fehlendes Unrechtbewusstsein»? Tja, wenn man den Autos so wenig und so unklar definierten Fahrraum zur Verfügung stellte wie den Velos, dann würden die Autos auch wie wild kreuz und quer herumfahren... Die Schuld liegt primär bei der Stadt, die für die Velofahrer nichts macht.