Illegale Party in Zürich

30. Oktober 2017 06:08; Akt: 30.10.2017 14:24 Print

«Warum macht man so was? Ich hatte Angst»

Über 200 Chaoten besetzten in der Nacht auf Sonntag eine leer stehende Siedlung in Schwamendingen und feierten eine laute Party. Die Polizei traf auf massiven Widerstand.

Rundgang durch die Siedlung nach der illegalen Party.
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Ein Spur der Verwüstung zog sich am Sonntagnachmittag durch die leerstehende Wohnsiedlung am Tulpenweg, unmittelbar neben dem Schöneichtunnel: Überall Scherben, kaputte Fenster und Türen und Überbleibsel von mehreren Feuerstellen. «Ganz schlimm, warum macht man so was?» fragt Verena Vonlanthen, eine ehemalige Bewohnerin der Siedlung, die jetzt in einer Liegenschaft gegenüber zu Hause ist. «Ich hatte Angst.»

Kurz nach Mitternacht hatten sich Anwohner bei der Stadtpolizei Zürich über eine laute Party auf dem durch Bauzäune abgesperrten Gelände beschwert. Die ausgerückte Patrouille wurde bei ihrer Ankunft mit Steinen beworfen und musste Verstärkung anfordern, wie die Stadtpolizei am Sonntag mitteilte. Sie schätzt, dass sich zu jenem Zeitpunkt über 200 Personen auf dem Gelände befanden und eine illegale Party feierten.

Strassenschlacht nach Party

«Mein 9-jähriger Sohn, der am Schlafen war, wurde um Mitternacht von Feuerwerk aufgeweckt», sagt ein Leser-Reporter, der in unmittelbarer Nähe wohnt. «Plötzlich sahen wir eine Riesen-Stichflamme.» Der Leser-Reporter musste seinen Sohn beruhigen. «Er hatte Angst.»

Eine Festnahme

Zwischen den Häusern hatten die Chaoten Barrikaden errichtet und angezündet. Aus diesem Grund bot die Polizei auch die Feuerwehr auf. Sämtliche Einsatzkräfte wurden massiv von den Randalierenden bedrängt und mit Gegenständen beworfen, so dass Gummischrot und Reizstoff eingesetzt werden musste, schreibt die Polizei weiter. Dies insbesondere auch zum Schutz der im Einsatz stehenden Feuerwehrleute.

Die Chaoten flüchteten daraufhin in verschiedene Richtungen. Bis in die Morgenstunden wurden an weiteren Orten Container sowie mehrere laubbedeckte Böschungen in Brand gesetzt. Eine Person wurde festgenommen und zur Befragung auf die Wache gebracht.

«RJZ» und «FCZ»

An den Hauswänden und in den Wohnungen haben die Vandalen zahlreiche Sprayereien und Botschaften hinterlassen: «RJZ» für Revolutionäre Jugend Zürich, «K 9» und immer wieder «FCZ». Die Stadtpolizei vermutet denn auch, dass dort verschiedene Gruppen zusammen gekommen sind.

Die Siedlung Tulpenweg gehörten bis Anfang Oktober der Genossenschaft Süd-Ost und muss nun der Einhausung der Autobahn weichen. Jetzt wird das Areal von dem Bundesamt für Strassen (ASTRA) bewirtschaftet. Die Bauarbeiten haben Mitte Jahr begonnen. Die letzten Mieter mussten ihre Wohnungen Ende September verlassen.

(fur/rom)