Zürich

22. Oktober 2014 06:04; Akt: 22.10.2014 06:04 Print

«Wir können ja nicht den ganzen Wald absperren»

Nächtliche Partys in Zürcher Wäldern bedeuten für Wildtiere grossen Stress, sagt der Wildhüter. Trotzdem bewilligt ausgerechnet die Stadt solche Anlässe – warum?

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Eine illegale Party mit mehreren hundert Personen im Altstetter Wald strapazierte am vergangenen Wochenende nicht nur die Nerven von Anwohnern, sondern auch jene des zuständigen Wildhüters Stefan Dräyer. «Viele Wildtiere fühlen sich im Wald geschützt und nutzen diesen als Lebensraum, deswegen sind für sie solche nächtlichen Partys Stress pur», sagte er.

Dennoch bewilligt sogar die Stadt selber Partys in den Wäldern – speziell für Jugendliche. Das sieht Lukas Handschin, Sprecher von Grün Stadt Zürich, nicht als Widerspruch: «Es war ein Auftrag des Stadtrats, mögliche Standorte für Outdoor-Partys mit der sogenannten Jugendbewilligung zu definieren.» Man habe nach intensiven Gesprächen vor zwei Jahren fünf solche Plätze gefunden.

Rücksicht auf die Setz- und Brutzeit

«Die meisten dieser Standorte befinden sich in Wäldern, weil dort die Lärmbelästigung eher verkraftbar ist als im Siedlungsgebiet», sagt Handschin. Man habe aber auf den Waldentwicklungsplan Rücksicht genommen. «Gewisse Gebiete sind so stark von Wildtieren begangen, dass sie von vornherein nicht in Frage kamen.» Zudem erteilt die Stadt Bewilligungen erst ab Mitte Juni – wegen der Setz- und Brutzeit.

Kritisch wird es laut Handschin, wenn Wildtiere aufgescheucht werden – egal ob durch eine Party oder auch durch Jogger und Biker, die die Wege verlassen: Rehe beispielsweise hätten bestimmte Reviere. «Wenn sie nun in ein anderes wechseln müssen, werden sie von den Tieren dort erneut verscheucht.» Die Gefahr, dass sie dann auf die Strasse gejagt und dort von einem Auto überfahren werden, sei entsprechend gross.

Dieses Jahr 21 bewilligte Partys

«Letztlich ist es eine Abwägung der Interessen», sagt Handschin. Jugendbewilligungen seien immer noch besser, als gar kein Instrument in der Hand zu haben. «So kennt die Stadtpolizei die Veranstalter und kann die Bewilligung an Bedingungen knüpfen.» Dagegen sei man machtlos gegen illegale Partys: «Wir können ja nicht den ganzen Wald absperren.»

Die Stadtpolizei Zürich erteilte dieses Jahr bislang 21 Jugendbewilligungen für Outdoor-Partys. Zwei davon wurden nicht durchgeführt und zwei weiteren entzog man die Bewilligung vorzeitig wieder, weil die Organisatoren sich nicht an Auflagen hielten. Wegen illegaler Outdoor-Partys kam es zu drei Verzeigungen. Die Zahlen entsprechen in etwa jenen des Vorjahres.

(rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Laura am 22.10.2014 07:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egoistische Menschheit

    «Die meisten dieser Standorte befinden sich in Wäldern, weil dort die Lärmbelästigung eher verkraftbar ist als im Siedlungsgebiet» Ja, für uns Menschen schon. Egoistisches Denken! Im Industriegebiet hingegen stört man nachts weder Tier noch Mensch...

  • Yvan Zimmermann am 22.10.2014 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rücksichtslose Tiere Namens Mensch

    Der Mensch geht in den Wald. Warum? Um Partie zu machen! Das Wild kommt aus dem Wald. Warum? Das weiss man noch nicht so genau! Aber, die Forscher arbeiten daran............

  • Wasja am 22.10.2014 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kontrolle

    Absperren nicht. Doch kontrollieren. Lärm in der Nacht ist auf grösserer Distanz hörbar.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gerhard am 23.10.2014 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Partyjugend

    Mir schein , für einen grossen Teil unserer Jugend gibt es nur noch 3 Worte im Leben;" Party, Fun und Aktion". Am Lehrplatz oder bei der Arbeit sind Sie dann mehr als unmotiviert und warten am Morgen schon bis es Abend wird und man wieder Party feiern Kann

    • nora am 23.10.2014 13:52 Report Diesen Beitrag melden

      nicht ohne grund

      Ist auch nicht ganz einfach von Anfang an seinen Traumberuf zu finden ;) Den dann auch noch als 100% Pensum auszuführen und nebenbei für die Schule zu lernen. Es wird viel von den Jungen Leuten verlangt die direkt von der Schule kommen. Da ist am Wochenende eine Party auch mal schön um den Kopf abzuschalten und spass haben.

    einklappen einklappen
  • Robert am 23.10.2014 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere Lärmquellen

    Da stoeren im Wald tagsüber dauernd bellende Hunde und schreiende Kinder viel mehr. In Altstetten kommen da noch Abfälle von Grillierenden dazu

  • Harry Frey am 23.10.2014 05:28 Report Diesen Beitrag melden

    Gewitter

    Extrem laut kann Donner sein und er verscheucht die Tiere. Gewitter werden demnächst bewilligungspflichtig oder ganz verboten.

  • Brigitt Gut am 22.10.2014 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Züriich

    Die St.Züri denkt nur ans Geld,

  • a.k. am 22.10.2014 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zufriedenstellend durchdacht

    Wir haben auch zwei Partys mit dieser Bewilligung organisiert, wobei beide reibungslos verlaufen sind und schlussendlich alles sauber hinterlassen wurde. ABER, dass diese im Wald stattfinden MUSSTEN, fand ich auch überhaupt nicht gut. Wir haben deshalb sehr auf die Lautstärke der Musik geachtet. Ich persönlich finde weder den Wald eine gute Lösung, noch, dass die bewilligten Partys NUR in der Nacht stattfinden können. Wenn sie zumindest am Tag durchgeführt werden könnten, zB in einem Industriegebiet, dann hätte man Leute (Gewalt) & Abfall besser unter Kontrolle und schont die Tiere.