Mister ZüriFäscht

19. Juni 2013 18:41; Akt: 19.06.2013 18:58 Print

«Wir sind auf einen Sturm vorbereitet»

von Maja Sommerhalder - Roland Stahel organisiert seit 27 Jahren das grösste Fest der Schweiz. Der Mister ZüriFäscht über verärgerte Standbetreiber und urinierende Besucher.

storybild

Roland Stahel: «Wenn es in einer Gasse nach Urin stinken sollte, rücken wir jederzeit aus.» (Bild: som)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr Stahel, vom 5. bis 7. Juli steigt das Züri Fäscht. Was bereitet Ihnen momentan Bauchschmerzen?
Roland Stahel*: Wie man am letzten Donnerstag beim Bieler Turnfest sehen konnte, ist das Wetter unberechenbar. Wir sind aber für ähnliche Sturmböen bestens vorbereitet– die Festwirte wissen genau, mit wie vielen Kilos sie ihre Zelte beschweren müssen. Nach dem Drama an der Loveparade in Duisburg ist auch das Crowding ein wichtiges Thema. Wir haben Freiräume geschaffen, damit die Leute flüchten können. Etwa 15 Stände und Festwirtschaften haben wir deshalb im Zentrum gestrichen.

Bei den Standbetreibern stösst dies auf Unmut.
Die Sicherheit geht vor. Tatsächlich konnten einige Standbetreiber nicht an ihrem alten Platz bleiben. Wir haben ihnen aber einen Ersatz geboten. Insgesamt haben wir aber mehr Stände als vor drei Jahren, da wir nun Plätze nutzen, die früher nicht zugänglich waren.

Ein weiteres Ärgernis für viele Standbetreiber ist, dass sie die Getränke nur bei gewissen Lieferanten beziehen können und diesen zum ersten Mal 50 Franken Miete für die Kühlschränke zahlen müssen.
Wenn jeder Standbetreiber seinen eigenen Lieferant hätte, würden zu viele Lastwagen zu den Festplätzen fahren. Das Chaos wäre vorprogrammiert. Das Gleiche gilt für die Kühlschränke. Weil diese früher gratis waren, bestellten die Betreiber mehr als sie überhaupt einsetzten. Nun sind die Bestellungen um einen Drittel zurückgegangen.

Am letzten Zürifäscht mussten die Besucher ein Getränkedepot für zwei Franken bezahlen. Warum fällt dieses nun weg?
Der Aufwand mit dem Jettonverkauf war zu gross. Das sorgte weder bei den Festbesuchern noch bei den Händlern für Begeisterung. Zudem konnten wir mit diesem System nicht mehr Recyclingmaterial sammeln.

Die Festbesucher decken sich sowieso am liebsten mit Bier aus dem Supermarkt ein.
Den «Rucksacktourismus» können wir nicht verhindern. Allerdings haben wir mit den Grossverteilern abgesprochen, dass sie während des Züri Fäschtes keine Getränkeaktionen anbieten. Zudem werden die Getränke im Rucksack mit der Zeit warm. An unseren Ständen sind sie aber kühl und zu einem attraktiven Preis erhältlich, der sich seit 2001 nicht verändert hat.

Sie selbst organisieren schon zum neunten Mal das Fest. Was hat sich in den letzten 27 Jahren verändert?
Das Fest und die Erwartungen der Teilnehmer wurden grösser und man muss immer mehr Auflagen der Stadt erfüllen. Heute entscheiden viel mehr Leute – für alles braucht es ein Konzept, man muss an tausend Sachen denken. Die Besucher sind aber nicht undisziplinierter als früher. Sie bereiten uns Freude.

Auch wenn sie in jede Ecke urinieren? Nach der letzten Streetparade stank es tagelang in der Stadt.
Wir haben neben den bestehenden 500 zusätzliche WC-Einheiten aufgestellt und die Restaurants öffnen die Toiletten für das Publikum. Zudem werden wir die Strassen nachts mit Antiurinal reinigen. Wenn es trotzdem in einer Gasse nach Urin stinken sollten, rücken wir jederzeit aus.

Was sind Ihre Highlights am Fest?
Die folgen fast im Minutentakt. Für mich ist auch die kleinste Attraktion toll. Die Summe macht das Züri Fäscht aus. Eine Attraktion ist sicher ein 230 Meter langes Hochseil, das vom Grossmünster zur St. Peterskirche gespannt wird. Artisten werden 55 Meter über den Boden balancieren.

Das Zürifäscht kostet Millionen. Wer zahlt das?
Die Kosten tragen die Standbetreiber und Sponsoren. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es schwieriger geworden Sponsoren zu finden. Zum Glück müssen wir keinen Gewinn machen.

Zum ersten Mal können die Besucher eine Züri-Fäscht-App herunterladen. Was kann man damit machen?
Man findet darin das Festprogramm und kann mit einem «Friendfinder» nach seinen Bekannten am Fest Ausschau halten. Wenn etwas passiert, kann die Polizei eine Warnung auf die App schicken. Später werten Forscher der ETH die Bewegung der Festbesucher aus – diese Erkenntnisse können für das Crowdmanagment genutzt werden.Der Besucher selbst sieht auf der App, wie viele Kilometer er am Fest zurücklegt.

Wie viele werden Sie zurücklegen?
Wahrscheinlich eine Marathondistanz. Ich bin von morgens früh bis tief in die Nacht unterwegs – manchmal auch mit dem Boot.

Haben sie keine Angst, dass die App ein Flop wird – am Silvesterzauber stiess sie bei den Besuchern auf wenig Interesse.
Das ist tatsächlich so, weil man es nur auf dem Androidhandy aber nicht auf dem Iphone herunterladen konnte. Nun ist aber beides möglich.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinz Fricker am 19.06.2013 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schön

    dass die Sicherheit oberste Priorität hat, verstehe aber den Unmut der Stanbetreiber. Organisation ist ein Talent und da ist es nicht möglich dass jeder einzelne zufrieden ist. Ich hoffe dass alle Standbetreiber einen guten Umsatz erzielen, diejenigen die nicht den selben Platz haben werden sicher trotzdem einen guten Umsatz erzielen. Wenn dass Wetter so ist wie heute sind alle auch durstiger. Nehmt doch zwei Flaschen Wasser mit, kann man auch warm trinken und dann bleibt mehr Geld für kühle Getränke vom Stand. Vorallem als Biertrinker empfehlenswert.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Heinz Fricker am 19.06.2013 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schön

    dass die Sicherheit oberste Priorität hat, verstehe aber den Unmut der Stanbetreiber. Organisation ist ein Talent und da ist es nicht möglich dass jeder einzelne zufrieden ist. Ich hoffe dass alle Standbetreiber einen guten Umsatz erzielen, diejenigen die nicht den selben Platz haben werden sicher trotzdem einen guten Umsatz erzielen. Wenn dass Wetter so ist wie heute sind alle auch durstiger. Nehmt doch zwei Flaschen Wasser mit, kann man auch warm trinken und dann bleibt mehr Geld für kühle Getränke vom Stand. Vorallem als Biertrinker empfehlenswert.