Safari Bar, Zürich

10. August 2016 05:52; Akt: 08.12.2016 16:05 Print

«Wir weigern uns, Arschlöcher zu bedienen»

von Jennifer Furer - «Bist du ein Rassist, Fundamentalist, Sexist, homophob oder sonst ein Arschloch? Dann bleib bitte draussen.» Dieses Statement klebt an der Eingangstür der Safari Bar und sorgt für Diskussionen.

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Wer in die Safari Bar an der Zähringerstrasse in Zürich will, muss gewisse Bedingungen erfüllen – denn Rassisten, Fundamentalisten, Sexisten, Homophobe und Arschlöcher werden dort nicht bedient. «Wir haben das Recht und die Verantwortung zu entscheiden, wer hier bedient wird», sagt Barbesitzer Oliver Graf.

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Die Idee, ein solches Statement an das Fenster der Eingangstür zu kleben, war eine gemeinsame Entscheidung von den Mitarbeitern und Graf: «Wir sind ein liberales Team und kommen mit vielen unterschiedlichen Leuten in Kontakt, darunter manchmal mit solchen, auf die das Schild zutrifft», sagt er. Deshalb habe man eine Grenze gezogen und sich das Recht genommen, gewisse Leute aus der Bar wegzuschicken.

«Irgendwo hat es Grenzen»

So habe er etwa mitbekommen, wie ein Mann mit einer gelben Weste, auf der «Sharia-Polizist» stand, bei ihm auf der Terrasse Leute angesprochen habe und sie habe bekehren wollen, keinen Alkohol zu trinken. Auch ein Jesuiten-Prediger sei auf Leute zugegangen und habe ihr lasterhaftes Dasein angeprangert. «Irgendwo hat es Grenzen», sagt Graf. Ebenfalls nicht in seiner Bar sehen will er Männer, die Frauen übertrieben anbaggern, Leute, die andere grundlos beleidigen oder sonstige Respektlosigkeiten.

Er befürchtet aber nicht, durch das Schild und seine Einstellung Gäste zu verlieren: «Bis jetzt habe ich viele positive Reaktionen dafür bekommen. Nur eine war negativ.» Diese sei ihm aber nicht persönlich, sondern auf Facebook mitgeteilt worden.

Das Schild polarisiert

Ohnehin ist auf Facebook eine Diskussion über das Schild entbrannt. Beispielsweise schreibt ein User: «Als Stammgast möchte ich solche Bilder nie wieder sehen.» Ein anderer hingegen findet nur lobende Worte dafür: «Nun, im Geiste haben wir den Spruch wohl alle gemeinsam gekritzelt und stehen voll und ganz dahinter.»

Obwohl das Schild polarisiert, ist für Graf klar: «Das Schild bleibt. Wir stehen zu dem, was wir sagen und denken.»

Gastro Zürich zeigt sich skeptisch

Ernst Bachmann, Präsident des Gastgewerbeverbands des Kantons Zürich (GastroZürich) sagt zwar auch, dass jeder Besitzer selber entscheiden könne, wer in seine Bar dürfe und wer nicht, er findet das Schild aber nicht gut: «Solche Statements führen zu emotionalen Reaktionen.»

Er begrüsst es zwar, dass Leute, die sich nicht anständig benehmen, nicht bedient werden. Dennoch würde er so ein Schild nicht anbringen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dabe am 10.08.2016 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem von Arschlöchern..

    ...ist, dass sie selbst meist nicht wissen, dass sie eins sind. Daher wird das Schild sie auch nicht vom Lokal fern halten.

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  • rj1990 am 10.08.2016 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oh the irony...

    Wir mögen hier keine Leute die andere ausgrenze ! Also werden wir diese Leute ausgrenzen! Wir sind ja so klug und vortschrittlich!

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  • Fix am 10.08.2016 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heuchlerische Toleranz

    Das Regelung ist ein Ausdruck von Intoleranz von Leuten, die meinen sie seien super tolerant und grosstädtisch.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cartman1993 am 10.08.2016 13:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grundsätzlich richtig

    Wenn jemandem den Zutritt auf Grund seines Verhaltens verweigert, finde ich das richtig und berechtigt. Problematisch und falsch finde ich es ab dem Punkt, wenn man jemanden Diskriminiert, nur weil er einen Lebensstil/Glauben hat, diesen aber nicht propagiert.

  • Tobi von Baden am 10.08.2016 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toleranz! Was heisst das?

    Wer hier den Linken Intoleranz vorwirft, zeigt beispielhaft, dass die Rechten eben nicht allzuweit denken und gerne einfache Wahrheiten mögen. Aber ich erkläre es euch gerne: nur weil ich mich als Linker für Toleranz einsetze, finde ich nicht, dass man alles tolerieren sollte! Aber es ist doch ein Unterschied, jemandem Toleranz entgegen zu bringen, der für sein "Laster" (Hautfarbe, Nationalität, Behinderung) absolut nichts dafür kann, oder ob ich jemandem Toleranz entgegen bringen sollte, dessen Laster sein Hass und Hetze gegen Ausländer sind!

  • Wellendeller am 10.08.2016 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konsequent bis zum Ende

    Ich bin so dermassen intolerant, ich toleriere nicht mal meine eigene Intoleranz.

  • Besserwisserdennje am 10.08.2016 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hä?

    Weshalb soll man tolerant sein gegnüber intoleranten Menschen? Versteh die Logik der meisten Kommentare nicht, die Umsetzung stell ich mir mitunter schwierig vor.

  • Seppetoni am 10.08.2016 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Unter welcher

    Kategorie fall ich wenn ich eine Meinung habe, die nicht dem Safari passt, aber nicht falsch ist?

    • Cartman1993 am 13.08.2016 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Seppetoni

      solange du diese niemandem bekehrst oder versuchst sie jemandem aufzudrängen, wirst du wahrscheinlich keine Probleme haben. Eine Meinung kann man ja niemandem verbieten.

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