Umstrittener Auftritt

09. Mai 2018 05:51; Akt: 09.05.2018 05:51 Print

«Diesem ‹Homo-Heiler› keine Plattform geben»

In Pfäffikon ZH tritt der deutsche Arzt Arne Elsen auf, der angeblich Schwule heilen will. Einwohner und Pink Cross fordern, dass die Gemeinde die Veranstaltung absagt.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Heilungs-Weekend» steht auf einem Flyer. Dieser wirbt für eine dreitägige Veranstaltung im Chesselhuus Pfäffikon ZH des Hamburger Arztes Arne Elsen. Die Zuhörer sollen an diesem Wochenende laut Flyer erfahren, wie «Gott durch Menschen handelt und Heilungen geschehen». Elsen erlebe in seinem Praxisalltag regelmässig, dass Menschen geheilt würden.

Umfrage
Sollte die Gemeinde die Veranstaltung absagen?

Die Veranstaltung stösst im Dorf auf Widerstand. Denn der Facharzt für Innere Medizin und Diabetologie ist umstritten. So berichtete etwa der deutsche Fernsehsender «NDR», dass Elsen auch Homosexuelle heilen will. Er soll einem schwulen NDR-Journalisten gesagt haben, dass der «Geist der Homosexualität» ausgetrieben werden müsse.

«Homosexualität ist doch keine Krankheit»

Für einen Pfäffiker, der anonym bleiben möchte, ist das diskriminierend: «Homosexualität ist doch keine Krankheit.» Besonders stossend findet er, dass das Chesselhuus der Gemeinde gehört: «Diese sollte solchen ‹Homo-Heilern› keine Plattform geben, zumal der Betrieb auch von Steuergeldern finanziert werde.»

Sogar im Nutzungsreglement stehe, dass die Räumlichkeiten nicht für Kundgebungen oder Treffen rechtswidriger, ideologischer oder extremistischer Gruppierungen zu Verfügung gestellt werden. Bei dieser Veranstaltung sei das aber der Fall.

Unterstützung erhält der Pfäffiker von der Schwulenorganisation Pink Cross. Geschäftsführer René Schegg: «Es ist absolut unhaltbar und schädlich, wenn jemand Homosexualität heilen will. Es kann Menschen zerstören.» Dies bewiesen zahlreiche Studien. Elsen würde mit solchen Versprechungen suggerieren, dass Homosexualität etwas Abartiges sei.

«Aussage ist nicht strafbar»

Schegg und der Einwohner haben bereits die Gemeinde gebeten, die Veranstaltung abzusagen – vergebens: Nach sorgfältiger Abklärung der Veranstaltung und der Rechtslage sei ein Verbot des Heilungs-Weekend nicht möglich, sagt Gemeindeschreiber Hanspeter Thoma. Es gelte die Versammlungsfreiheit. Natürlich gebe es auch ein Verbot von Diskriminierung, die in diesem Fall aber nicht gegeben sei: «Die Aussage, Schwule heilen zu wollen, ist nicht strafbar.»

Zudem könne jeder selbst entscheiden, ob er an der Veranstaltung teilnehmen wolle. Der Veranstalter zahle der Gemeinde für die Miete und Reinigung einige 100 Franken: «Wir verdienen kein Geld dabei.»

«Elsen hat nie über Homosexualität gepredigt»

Veranstalter ist der Pfäffiker Verein «Gemeinde Freiheit in Jesus». Als Eintritt wird eine freiwillige Kollekte aufgenommen. Mit der Kritik an Elsen sind die Veranstalter nicht einverstanden. Laut ihnen hat der Arzt nie über Homosexualität gepredigt. «Das wissen wir aus persönlichen Gesprächen mit ihm», sagt Organisator Patrick Krähenbühl. Alle Personen seien am Anlass willkommen, egal mit welcher sexuellen Orientierung.

Arne Elsen selbst wollte auf Anfrage von 20 Minuten keine Stellung zu seinem Besuch nehmen.

(som/tam)