Jugendsprache

29. April 2016 15:14; Akt: 29.04.2016 15:14 Print

«Wir wollen zeigen, dass wir gut Englisch können»

von Annette Hirschberg - Ob am Telefon, im Chat oder in der Pause: Junge Schweizer reden und schreiben untereinander Englisch. Sie orientieren sich dabei auch an Hollywoodstars.

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«Where are you?» «In the bus.» «About 10 min and I’m there.» Diesen Whatsapp-Austausch führten zwei Schweizer Jugendliche. Sie schreiben einander nicht nur auf Englisch, sie reden auch eine Mischung aus Schweizerdeutsch und Englisch, wenn sie gemeinsam unterwegs sind.

«Wir wollen zeigen, dass wir gut Englisch können», sagt die 15-jährige Noemi*. Ihre Freundin Michèle* (15) sagt: «Wir ahmen schon die Stars nach.» Beide Mädchen betonen, dass in ihrem Umfeld jeder so viel Englisch rede und schreibe, wie er könne. «Das machen alle Kolleginnen und Kollegen.» Tatsächlich scheint das Phänomen weitverbreitet zu sein: In sozialen Netzwerken wie Instagram etwa kommentieren junge Schweizer zu einem grossen Teil in Englisch.

Spielerei und Wettkampf mit der Sprache

Auch der Psychologe Allan Guggenbühl hat beobachtet, wie häufig Jugendliche miteinander Englisch sprechen. «Sie reden oft ein vom Deutschen her interpretiertes Englisch. Das heisst, sie verwenden nicht alle Begriffe richtig.» Guggenbühl gefällt aber, wie die Jugendlichen mit der Sprache umgehen. «Sie haben eine andere Einstellung zu Sprache – viel flexibler und kreativer.» Sie nähmen alles auf, was es in ihrem Umfeld an Sprache gebe, und setzten es beliebig ein.

Ähnlich sieht dies der Linguist Stephan Schmid von der Universität Zürich. «Es ist ein Ausdruck von Spielerei mit der Sprache. Das sieht man auch bei den Emojis.» Schmid interpretiert das aber auch als spielerischen Wettkampf: «Man will einander zeigen, was man alles kann.» Und: Die Jugendlichen würden so untereinander eine Verbindung schaffen und sich von der Erwachsenenwelt abgrenzen.

Besser fluchen auf Englisch

Daniel Stotz, Professor an der Pädagogischen Hochschule Zürich, geht eher von einem urbanen Phänomen aus, das sich nur bei Jugendlichen zeige, die eine bessere Bildung hätten. «So unterscheiden sie sich auch von Jugendlichen, die nur einzelne Wörter kennen.» Auch die sozialen Netzwerke erachtet er dabei als wichtig: «So suchen die Jugendlichen vielleicht auch eine erweiterte Leserschaft.»

Stotz stellt ausserdem fest, dass mit englischen Wörtern gern Emotionen wie Wut oder Liebe ausgedrückt werden. «Es scheint einfacher und unverfänglicher zu sein, ‹Shit› oder ‹Oh my God› zu sagen.»

*Namen geändert

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto am 29.04.2016 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man denn

    Englisch könnte. Das tut ja weh beim Lesen.

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  • Golum am 29.04.2016 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt doch gar nicht?

    Keine Ahnung aus welcher Ecke dieses Gerücht kommt, doch bei uns macht das kein Mensch (Jugendlicher). Höchstens einige Fluchworte auf Englisch aber das war's auch schon

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  • A. am 29.04.2016 08:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meinung

    Also gut ist das nicht wirklich....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • jaylo am 30.04.2016 10:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denglish für jedermann

    Hier meine Favoriten: ( 1:1 ins deutsche übersetzen ) How horny is that then I think i spider you have not more all cups in the board I think my pig pipes now we have the salad now can come what want

    • Mae am 30.04.2016 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @jaylo

      Mein Favorit ist immer noch Lothar Matthäus. It walks me cold the back down:):)

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  • H.E. am 30.04.2016 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viele Leute bluffen...

    ...schon mit Englisch in den Bewerbungsunterlagen. Kenne Leute, die haben sich bei internationalen Firmen beworben, die machen mit den Bewerbern einen ersten Telefonkontakt in Englisch. Wer diesen besteht, der wird dann zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch eingeladen und wenn dann dieses auch noch stimmt, bekommt dieser Bewerber die Stelle ohne Wenn und Aber.

    • Donald am 30.04.2016 11:51 Report Diesen Beitrag melden

      keine gute Idee

      Wer nur Grundkenntnisse hat und fliessend angibt, wird Probleme haben, wenn ein Muttersprachler dies testet. Wer es nicht weiss, die Abstufungen lauten: Grundkenntnisse, konversatonssicher, fliessend, verhandlungssicher, Muttersprache.

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  • daniel am 30.04.2016 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schreibe

    wenn man immer nur schriftlich halbrichtiges schreibt lernt man auch falsch und hat dann probleme in einem aufsatz korrekt zu schreiben, merke das zum teil auch an mir selber...

  • Olaf.Th. am 30.04.2016 05:58 Report Diesen Beitrag melden

    kleiner Geist macht auf Intelligenz

    In Deutschland nennt man das Denglisch, eine Unart Deutsch und Englisch zu vermischen, Sieht man auch oft in der Werbung, die dann englische Muttersprachler sehr schwer oder garnicht deuten können. In Frankreich und Polen sowie einigen anderen Ländern ist dies Sprachverhunzung dann auch in der Öffentlichkeit per Sprachgesetz verboten. Für mich ist das ein Ausdruck dafür, das der Nutzer von Denglisch nicht in der Lage ist sein Muttersprache sinnvoll einzusetzen / deutsch mit 500 Wörtern, der Rest Sprachbrocken aus aller Herren Länder.

  • Piet am 30.04.2016 05:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einbildung ist auch Bildung

    Die meisten können ja nicht mal richtig Deutsch. Ob ihr gut Englisch könnt, müsst ihr vielleicht mal einen "Ängländer";-) fragen und nicht einen 15jährigen Kollegen.

    • Nah Meh am 30.04.2016 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Piet

      Also ich durfte schon einige Male von Muttersprachlern hören, dass mein Englisch exzellent sei. Freut mich dann jeweils sehr :) Bin allerdings auch keine 15 mehr, sondern 22.

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