Feuer-Drama in Zürich

14. Juli 2019 10:34; Akt: 14.07.2019 18:26 Print

«Ich ging in Unterhosen die Feuerleiter runter»

Drei Schwerverletzte, zwei Verhaftungen: Bewohner sprangen in Zürich aus einem brennenden Haus, um sich zu retten. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung.

Ein Video zeigt die Explosion in der Wohnung und einen Anwohner, der sich durch einen Sprung zu retten versucht.
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Bei einem Brand-Drama im Zürcher Kreis 4 wurden in der Nacht auf Sonntag sechs Personen verletzt. Drei davon schwer. Einer von ihnen stammt aus Eritrea, die beiden anderen aus der Dominikanischen Republik. Sie waren noch vor dem Eintreffen der Polizei aus dem Fenster gesprungen. Ausgebrochen war der Brand im ersten Stock.

Brand beim Zürcher Stauffacher - der nächste Tag

Am Sonntag zeugten Blutspuren, Scherben und verkohlte Fenster vom nächtlichen Drama. Im Haus wohnen auch Mamadu Dabó (49) und seine Frau. Der Hausbewohner steht noch unter Schock: «Wir wohnen im dritten Stock und schliefen, als das Feuer ausbrach», sagt Dabó. Sie seien erst mit den Sirenen erwacht und hätten viel Rauch gesehen. Dann seien sie von der Feuerwehr mit einer Leiter gerettet worden – er habe keine Zeit mehr gehabt, sich anzuziehen. «Ich ging in den Unterhosen die Feuerleiter runter.»

«Als wir unten waren, haben wir uns umarmt»

«Als wir unten waren, haben wir uns umarmt. Meine Frau hatte riesige Angst.» Sie seien dann zur Kontrolle ins Triemli-Spital gebracht worden, sagt Dabó, der noch immer die Spitalkleidung trägt.

Im 1. Stock des Hauses wohnt Silva Cuadrado (62). Er sagt, er sei aus dem 1. Stock gesprungen, habe aber nur einen geschwollenen Knöchel. Mindestens eine Person sei aus dem 2. Stock aus dem Fenster gesprungen. Es handle sich um eine Frau und einen Mann. «Die Frau heisst Maria und hat vor Schmerzen geschrien», sagt Cuadrado. Eine Arbeitskollegin berichtet, Maria habe eine Kopfverletzung erlitten und sei ins künstliche Koma versetzt worden. Sie arbeite als Reinigungskraft und habe vier Kinder.

«Ich hörte einen Knall, auf der Strasse hörte man Schreie», berichtet eine Frau, die im Haus nebenan wohnt. «Als ich aus dem Fenster schaute, sah ich dicken Rauch – ich dachte zuerst, es brennt bei uns.» In Panik habe sie bei allen Nachbarn geläutet, um sie alle rauskriegen.

«Erst auf der Strasse sahen wir dann, dass es im Nachbarhaus brannte. Flammen schossen meterweit aus Fenster beim Seiteneingang.» Dort sei eine Frau aus dem 2. Stock gesprungen. «Sie hielt sich erst noch am Fenstersims fest.»

«Ich sah, wie sich ein Mann an die Aussenwand klammerte»

Ein Leser-Reporter beobachtete, wie sich der letzte Anwohner, der sich noch im Haus befand, mit einem Sprung rettete. «Als ich ans Haus heran lief, sah ich, wie sich ein Mann an die Aussenwand des Hauses klammerte. Ich habe ihm noch zugerufen, dass er springen solle, da er deutlich Feuer gefangen hatte», erzählt er. Aber der Mann sei sichtlich verängstigt gewesen.

Dann sei es zu einer Explosion gekommen. Daraufhin sei der Mann gesprungen. Ausgebrochen war der Brand im ersten Stock. Die Brandursache ist gemäss Stadtpolizei noch unklar. Der Brandschaden beträgt mehrere Hundertausend Franken.

Streit zwischen Polizist und Brandstifter?

Die Polizei schliesst Brandstiftung nicht aus: Sie nahm gleich nach der Tat zwei Verdächtige fest – eine Mazedonierin und einen Niederländer (beide 37). Weitere Angaben zu den Verhafteten machte die Polizei nicht.

Eine Anwohnerin erzählt, ein Verletzter mit eingebundenem Kopf habe laut mit einem Polizisten gestritten. «Das war ungewöhnlich – alle anderen waren unter Schock. Aber dieser Mann sehr aufgebracht und unruhig. Der Konflikt eskalierte fast.» Dann habe die Polizei den Mann abgeführt – ebenso eine Frau in Handschellen, die daneben gestanden sei und geweint habe.

(daw/rol/doz)