Wiesendangen ZH

29. März 2011 23:50; Akt: 30.03.2011 00:29 Print

Übergriff milder beurteilt

von Attila Szenogrady - Während eines Transports von Wiesendangen nach Winterthur hat sich ein Taxichauffeur an einer geistig behinderten Beifahrerin sexuell vergangen.

Fehler gesehen?

Während das Bezirksgericht Winterthur wegen Schändung eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung festsetzte, beliess es das Obergericht wegen Ausnützung einer Notlage bei einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 30 Franken.

Der kürzlich erfolgte Berufungsprozess fand unter Ausschluss von Öffentlichkeit und Presse statt. Das Obergericht hat nun am Montag über den Ausgang des Verfahrens informiert. Dabei berichtete es über einen Vorfall vom 26. März 2009. Damals führte ein heute 39-jähriger Taxichauffeur im Auftrag des Behindertenheims Steinegg in Wiesendangen einen Transport nach Winterthur durch. Dabei fuhr der Mann zwei geistig behinderte Frauen zu einem Tanzkurs zur Winterthurer Stiftung im Brühlgut.

In die Hose gegriffen

Laut Obergericht nahm der Lenker mit der neben ihm sitzenden Geschädigten Körperkontakt auf, indem er zunächst mit ihr «Händchen» hielt. Dann streichelte er ihr über das Knie und griff ihr in die Trainingshose und unter die Unterhose. Danach hantierte er im Intimbereich der auch sehbehinderten Beifahrerin und führte ihr seinen Finger ein. Worauf das Opfer «nein, aua», gesagt habe. Dann erst soll der Beschuldigte seine Hand wieder zurückgezogen haben.

Da die Geschädigte später über den Vorfall berichtete, bekam es der Taxihalter mit der Justiz zu tun. Er zeigte sich teilgeständig, da er einen Übergriff grundsätzlich zugab. Allerdings bestritt er das Einführen seines Fingers in die Vagina. Zudem machte er geltend, die Frau sei mit seinen Handlungen einverstanden gewesen.

Zuerst wegen Schändung verurteilt

In einem ersten Prozess vor dem Bezirksgericht Winterthur wurde der Angeklagte wegen Schändung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von sieben Monaten verurteilt. Die Winterthurer Richter gingen davon aus, dass die Geschädigte vorübergehend widerstandsunfähig gewesen sei. So habe sie wegen ihrer Sehbehinderung nicht realisiert, was der Angeklagte beabsichtigt habe. Der Griff unter die Trainerhose sei für sie völlig überraschend erfolgt. Sie sei so geschockt gewesen, dass sie sich im ersten Moment nicht habe wehren können, stand im Winterthurer Entscheid.

Obergericht verneint Widerstandsunfähigkeit

Das Obergericht sah es anders und verneinte eine Widerstandsunfähigkeit der Geschädigten. Einerseits fehle in der Anklage ein solcher Vorwurf. Andererseits lag laut Obergericht eine situativ bedingte Abhängigkeit vor. So habe der Angeschuldigte als Taxifahrer eine gewisse Betreuungsfunktion innegehabt. Die Frau sei ihm aufgrund der mehrfachen Behinderung in physischer wie auch in intellektueller Hinsicht klar unterlegen gewesen. Das Verhalten des Angeklagten sei durch seine überlegene Stellung begünstigt worden, befanden die Oberrichter und gingen von einer Ausnützung einer Notlage aus. Mit einer Mehrheit von 2:1, da ein unterlegenes Mitglied des Obergerichts den Übergriff weiterhin als Schändung einstufte.

Mit diesem milder beurteilten Vorfall wurde auch die Strafe deutlich gesenkt. Das Obergericht legte neu eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 30 Franken fest. Die Geschädigte soll ein Schmerzensgeld von 1000 Franken erhalten.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Theodor am 30.03.2011 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Obergerichte sind eine sicher Bank

    für unsere Straftäter. Wer verfahren weiterzieht wird belohnt. Mit dem Speziellen Fall,bei Aussage gegen Aussage, bin ich nicht böse mit dem Urteil, weil es sich auf das beweisbare stützt. Das was auch durch ein Geständnis belegt ist.

  • chrigi am 25.11.2011 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    immer die gleiche Leier

    Denke das eigentliche Urteil ist nicht falsch. Der Tatbestand einer Schändung ist hier nicht erwiesen. Aber das ändert nichts daran. dass die Repression mal wieder viel zu kurz gekommen ist. Bedingte Geldstrafe sind einfach schlicht ein Witz. Zum Glück sollen die wieder abgeschafft werden.

  • Robo Bono am 30.03.2011 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Hoffentlich passiert dies nicht einem Ehegatten eines solchen Richters. Wetten, die Strafe wäre anderst? Schäme mich für unsere Justiz. Das ist alles so Relitätsfremd. Beim Autofahrer wird genommen was nur geht. Dort sind unsere Richter so stark. Schäme mich gerade nochmals für unsere Justiz..

Die neusten Leser-Kommentare

  • chrigi am 25.11.2011 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    immer die gleiche Leier

    Denke das eigentliche Urteil ist nicht falsch. Der Tatbestand einer Schändung ist hier nicht erwiesen. Aber das ändert nichts daran. dass die Repression mal wieder viel zu kurz gekommen ist. Bedingte Geldstrafe sind einfach schlicht ein Witz. Zum Glück sollen die wieder abgeschafft werden.

  • Sonja am 30.03.2011 21:40 Report Diesen Beitrag melden

    Schamlose Ausnutzung von Behinderten

    Dieses Urteil für diese sogenannte Notlüge ist zu Milde ausgefallen.

  • Michael Meienhofer am 30.03.2011 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Die Ritcher hätten doch den Täter

    auch noch wegen verminderter Zurechnungsfähigkeit freisprechen können. Unglaublich was für Argumente zur Strafreduzierung aufgetischt werden. Behinderte Opfer werden dadurch noch mehr diskriminiert. Nebst dem Taxichauffeur gehört den Richtern auch gleich die Rote Karte !

  • petra am 30.03.2011 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Respeckt

    Wo bleibt eigentlich der RESPECKT vor anderen Menschen.Wird eigentlich nur noch egoistisch einfach genommemmen was man gerade möchte!!Wir sind hier in einer zivilisierten Welt wo wir aufeinander rücksicht nehmen sollten. Nicht ander zu seinen gunsten ausnützen!! Diesem Taxichauffeur sollte man die Lizenz entziehen!!

    • Conrad Steiner San Diego CA USA am 30.03.2011 19:44 Report Diesen Beitrag melden

      Schandurteil

      Das ist Schweizer Justiz , in den USA gibts mindestens 10 Jahre. Unglaublich was in der Schweiz gemaess Vergwaltigungen Urteilen abgeht. Bin ich froh, dass ich diese Spass Urteile gegenueber Leben und Leib nicht mehr miterleben muss. Es ist eine Schande, da wird ein behindertes Maechen sexuell belasestigt und der Taeter kommt mit dieser Strafe davon.

    einklappen einklappen
  • Robo Bono am 30.03.2011 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Hoffentlich passiert dies nicht einem Ehegatten eines solchen Richters. Wetten, die Strafe wäre anderst? Schäme mich für unsere Justiz. Das ist alles so Relitätsfremd. Beim Autofahrer wird genommen was nur geht. Dort sind unsere Richter so stark. Schäme mich gerade nochmals für unsere Justiz..