Suche nach Tätern

13. Januar 2015 13:51; Akt: 13.01.2015 14:35 Print

10'000 Fr Belohnung wegen Reclaim the Streets

Sie verletzten Polizisten mit Pyrofackeln: Um diese Täter von Reclaim the Streets in Zürich ausfindig zu machen, setzt die Polizei eine happige Belohnung aus.

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Am Samstag, 13. Dezember, am Tag nach der Gewaltorgie von rund 200 Chaoten im Zürcher Kreis 4, ist das Ausmass der Verwüstung deutlich sichtbar. Unzählige Scheiben gingen zu Bruch oder wurden zumindest beschädigt. Besonders oft sind kleine Gewerbebetriebe betroffen. Die Strassen sind mit Scherben übersät. Die Vandalen setzten auch auf Farbanschläge wie hier in der neuen ZKB-Filiale an der Langstrasse. Auch Verwaltungsgebäude wurden mit Farbe beschmiert. Etliche Scheiben wurden versprayt. «Ich fühle mich wie in einem Kriegsgebiet», meint eine Passantin. Für viele Angestellte begann der Arbeitstag am Samstag damit, dass sie die Schäden der Nacht beseitigten. Einige hatten Glück und hatten lediglich Graffiti zu beseitigen. Susanne Prinz vom Beauty Center 2000 gehört nicht dazu. Die Demonstranten brachen in ihren Laden ein und warfen mit dem Mobiliar um sich. Mit Aceton lässt sich die Farbe glücklicherweise relativ einfach entfernen, verrät ein Ladenbesitzer. Auch beim Scooter Store S83 wurde ein Schaufenster von den Chaoten zerstört. Der Stein lag noch im Laden. Neben verschiedenen Läden litt auch die Infrastruktur der Stadt Zürich. Viele ZVV-Automaten funktionierten erst wieder, nachdem sie geflickt wurden. An der Zwinglistrasse haben sich Schmierfinken während der Nacht richtig ausgetobt. «Euer System macht meine Freunde depressiv», wurde etwa an eine Hauswand gesprayt. Auch Schablonen wurden eingesetzt. Aber auch hier wurden Scheiben eingeworfen. Bei der Boutique Berenik wurden die Scheiben eingeschlagen. Die Besitzerin hielt bis um 5 Uhr Wache und versteckte die Kleider im Untergeschoss. Beim Töffladen Holliger blieb praktisch keine Scheibe heil: «Wieso attackieren sie ausgerechnet uns?», fragt sich der Besitzer. An der Langstrasse wurden auch die Kabel der Strassenbeleuchtung durchtrennt. Die Chaoten agierten so im Schutz der Dunkelheit. Die Europaallee wurde besonders schwer beschädigt. Das Restaurant Neo musste weiträumig abgesperrt werden. Die hohen Scheiben drohen vollends zu bersten. Ausserdem wurde das Gebäude mit Farbe verschmiert. Auch die UBS wurde während der Krawallnacht stark beschädigt. Auch hier wurden Scheiben zerstört und Farbanschäge verübt. Der Bancomat funktioniert nicht mehr. Vor allem in der Europaallee wurden etliche kleinere Gewerbe Opfer von den randalierenden Demonstranten. Das Trottoir war mit Scherben übersät. Ein Angestellter versuchte das Glas mit dem Staubsauger zu entfernen. Vor dem Eingang der UBS steht in grossen Lettern geschrieben: «Warum seid ihr alle so tot?» Viele der zerstörten Schaufenster mussten notdürftig geflickt werden. Beim Juwelier Lesunja wurde Schmuck im Wert von mehreren hunderttausend Franken gestohlen. Das Schaufenster besteht aus Sicherheitsglas und kann erst in einem Monat ausgetauscht werden. «Das Weihnachtsgeschäft ist für uns hinüber», meint Besitzer Robert Lesunja. Beim Kleidergeschäft Comepony wurden ebenfalls drei Schaufenster zerstört. Geschäftsführerin Yvette Morkos hat dafür kein Verständnis: «Seit wann heisst Revolution kleine Läden zu zerstören. Dieses Geschäft ist unsere Lebensgrundlage.» Die Café-Bar Hin und Weg wurde ebenfalls stark getroffen. Die Fassade wurde versprayt, Fenster zerstört und Farbe gegen das Gebäude geworfen. Auch auch die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) wurde arg in Mitleidenschaft gezogen. Praktisch alle Fenster neben dem Trottoir sind zerstört. Am frühen Samstagvormittag waren die Räumungsarbeiten bereits voll im Gange. Glas-Firmen und Reinigungsunternehmen hatten... ...alle Hände voll zu tun. Beim Sihlhölzli lagen am Montagmittag immer noch Transparente herum. Hier versammelten sich die Chaoten am Freitagabend vor dem Demozug. Neben vielen schwarzen Güselsäcken, die mit leeren Bierdosen gefüllt sind, findet sich auch noch ein Zettel mit der Aufschrift «Lampenöl mit ins Lager nehmen».

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Bei den gewalttätigen Ausschreitungen vom 12. Dezember in der Stadt Zürich – auch bekannt als Reclaim the Streets – entstand ein Schaden von weit über einer Million Franken. Zudem wurden sieben Polizistinnen und Polizisten verletzt. In diesem Zusammenhang kam es auch zu zwei schweren Gewaltdelikten. Um die Täter zu ergreifen, hat die Polizei nun eine Belohnung von gesamthaft bis zu 10'000 Franken ausgesetzt.

«Die Ermittlungen laufen nach wie vor, doch wir brauchen auch Hinweise aus der Bevölkerung», sagt der zuständige Staatsanwalt Roland Geisseler. Dass die Polizei einen solch hohen Betrag spricht, kommt selten vor. «Belohnungen sind sicher ein gutes Mittel, um auch Personen zu Hinweisen zu motivieren, die allenfalls sogar dabei waren und ob der angewendeten Gewalt selber überrascht gewesen sind.»

Brennende Fackeln im Polizeiposten

Konkret geht es um zwei schwere Gewaltdelikte im Rahmen von Reclaim the Streets. Im einen Fall griffen Unbekannte um etwa 22.30 Uhr an der Zweierstrasse ein Fahrzeug der Stadtpolizei Zürich massiv mit Wurfgegenständen an, rissen die Fahrzeugtüre auf und warfen eine brennende Fackel in das mit Polizisten besetzte Fahrzeug. Dadurch entstand laut Mitteilung der Kantonspolizei Zürich «eine massive Gefährdung der Mitarbeitenden der Polizei» sowie Brandschäden an Material und Fahrzeug.

Der zweite Fall ereignete sich um 23.55 Uhr. Dort griffen ebenfalls vermummte Täter die Regionalwache Aussersihl an der Militärstrasse 105 an. Es wurden erneut Wurfgegenstände gezielt gegen die Polizisten eingesetzt. «Pyrotechnisches Material wurde sogar in den Polizeiposten hineingeworfen – das ist sehr aussergewöhnlich», sagt Geisseler. Dabei wurden Beamte verletzt. Die Polizisten konnten die Gewaltangriffe schliesslich durch den Einsatz von Gummischrot aus der Wache heraus abwenden.

Laut Geisseler ermittle man in beiden Fällen wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Den beiden Polizisten, die sich zum Zeitpunkt des Pyroangriffs im Polizeiposten Aussersihl befunden hatten, gehe es mittlerweile besser. «Sie tragen zum Glück keine bleibenden gesundheitlichen Schäden davon», so Geisseler. Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, bitte an die Kantonspolizei Zürich, Telefon: 044 247 22 11, E-Mail: justice@kapo.zh.ch oder an jeden Polizeiposten.

(rom)