Schutz & Rettung Zürich

03. Juli 2012 16:36; Akt: 04.07.2012 11:09 Print

1000 Anrufe, 300 Einsätze und 12 Stunden Stress

Die Zürcher Feuerwehrleute hatten am Dienstag alle Hände voll zu tun: Den ganzen Tag über standen sie im Dauereinsatz. Um alle Anrufe bewältigen zu können, musste gar das Personal aufgestockt werden.

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Die Schweiz wird derzeit heftig verregnet. Zahlreiche Bäche sind über die Ufer getreten. Keller und Hauseinfahrten stehen unter Wasser. Vor allem in Zürich regnet es seit heute Nacht ununterbrochen stark. Zürich-Schwamendingen (Bild) ist überschwemmt. Die Strasse ist zu einem reissenden Fluss geworden. Treppen gleichen plötzlich Wasserfällen. Bäume ragen wie Inseln aus dem Wasser. Spaziergänger dürften hier heute keine anzutreffen sein. Ein Strassenabschnitt zwischen Gockhausen und Zürich ist momentan nicht befahrbar. Die Strassenseite zu wechseln wird für Passanten zur Mutprobe. Ein Van blieb im Hochwasser stecken. Die S-Bahn zwischen Hedingen und Bonstetten ist unterbrochen. Das Trassee wurde von Erde verschüttet. Die Pendler müssen sich gedulden. Die Tramlinien 7 und 9 sind vorübergehend eingestellt. Rettungskräfte arbeiten unter Extrembedingungen. Auch die Reppisch bei Stallikon ist stellenweise über die Ufer getreten. Der Schwamendingerplatz unter Wasser. Neben Problemen auf einigen Zürcher Strassen meldet die Kantonspolizei überflutete Keller. Gemäss der Kantonspolizei Zürich ist es bislang noch nicht zu grösseren Problemen gekommen. Vor allem Zürich-Schwamendingen geht im Regen unter. Zahlreiche Strassen, Trottoirs und Vorgärten sind von den Überschwemmungen betroffen. Kleinere Bäche verwandelten sich in reissende Flüsse. Erneut Zürich-Schwamendingen: Passanten retten sich auf eine der wenigen Asphalt-Inseln. Auch dieses Foto wurde in Schwamendingen geschossen. Die Verkehrsbetriebe Zürich melden Verkehrsbehinderungen wegen Überschwemmungen, Erdrutschen und umgestürzten Bäumen. Es muss mit Verspätungen und Kursausfällen gerechnet werden. Durch Schwamendingen führen zurzeit nur Wasserstrassen. Auch wenn das Reisen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nur noch beschränkt möglich ist: Auch mit dem Auto kommt man momentan nur schlecht vorwärts. Die Autos bahnen sich mühsam ihren Weg durch die überschwemmten Strassen. Nur das Trottoir ragt noch aus dem Wasser. In Schwamendingen ist keine Strasse und kein Platz trocken geblieben. Hier: Heerenwiesen/Schwamendingerplatz. Auf die Rettungskräfte wartet noch viel Arbeit. Einst ein Parkfeld, gleicht dieser Platz nun eher einem See. Die Autofahrer sehen vor lauter Wasser die Strasse nicht mehr. Braune Bäche ziehen sich durch ganz Schwamendingen. In Schwamendingen stehen ganze Hauseinfahrten unter Wasser.

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Auf den beiden Einsatzzentralen von Schutz & Rettung Zürich herrschte schon kurz nach 5 Uhr am Dienstagmorgen Hochbetrieb. Über Teilen der Stadt Zürich waren in wenigen Stunden rund 50 Millimeter Regen gefallen. Das ist rund die Hälfte des durchschnittlichen Juli-Niederschlagswertes. Der lang anhaltende Regen führte an verschiedenen Orten zu Hochwasser, Überschwemmungen und Erdrutschen. Insgesamt gingen bei der Feuerwehr über 1000 Anrufe ein. «Wir mussten unser Personal aufstocken, um sämtliche Anrufe bewältigen zu können», sagte Mediensprecher Urs Eberle auf Anfrage.

Die Feuerwehren waren während Stunden im Dauereinsatz. Insgesamt mussten sie laut Eberle zu 300 Einsätzen ausrücken. Davon betrafen 140 die Stadt Zürich. In den meisten Fällen hätten Keller und Tiefgaragen ausgepumpt werden müssen.

Bis die Feuerwehr vor Ort war, brauchte es aber auch Geduld. «Es gab schon Personen, die fragten, wann wir endlich kommen würden. Aber bei so vielen Einsätzen sind wir auf das Verständnis von allen angewiesen, dass es halt auch mal ein bisschen länger dauern kann, bis wir vor Ort sind», sagte Eberle gegenüber 20 Minuten Online. Seit morgens um 5.30 Uhr fährt die Feuerwehr im ganzen Kantonsgebiet Einsätze. «Die meisten Anrufe kamen zwischen 6 und 9 Uhr rein. Wir sind jetzt dann schon fast 12 Stunden im Dauereinsatz.»

Tramlinie unterbrochen

Auch die Pendler mussten sich in Geduld üben. Die Trams der Linien 7 und 9 verkehrten bis 9.45 Uhr nur bis zum Milchbuck. Die Weiterfahrt nach Schwamendingen war wegen der überschwemmten Gleise beim Tramtunnel nicht möglich.

Ein Erdrutsch zwischen Gockhausen und Dübendorf legte auch den Busbetrieb lahm. Die Buslinie 751 zwischen Bahnhof Stettbach und Kirche Fluntern musste eingestellt werden.

Überflutet wurde zudem eine Trafostation der Energieversorgung der Stadt Zürich. Vom knapp einstündigen Stromausfall betroffen waren die Stadtkreise 7 und 8.

Kurz nach 6 Uhr wurde der S-Bahnverkehr durch einen kleinen Erdrutsch zwischen Bonstetten und Hedingen unterbrochen. Betroffen waren die S9 und S15. Um 10 Uhr konnte die Strecke wieder freigegeben werden, wie SBB-Sprecherin Lea Meyer sagte.

Sportanlage Heerenschürli überflutet

Die heftigen Regenfälle haben auch zu einer Überflutung der Sportanlage Heerenschürli in Schwamendingen geführt. Betroffen sind das Baseball-Feld, sechs Rasenplätze und der Allwetterplatz.

Obwohl das Wasser grösstenteils wieder abgeflossen ist, können die Fussballfelder zurzeit nicht benutzt werden, wie die Stadt mitteilte. Auf dem Baseball-Feld kann voraussichtlich während dreier Wochen nicht gespielt werden.

Grosse Schäden

Bereits in der Nacht auf Sonntag waren mehrere Gewitterzellen mit Sturm und Hagel über den Kanton Zürich gezogen. Überschwemmungen und Hagelkörner mit Durchmessern von bis zu 4 Zentimetern richteten massive Schäden an Gebäuden an.

Eine Hochrechnung der Gebäudeversicherung Kanton Zürich (GVZ) geht davon aus, dass im ganzen Kantonsgebiet zwischen 4000 und 5000 Gebäude beschädigt wurden. Die Schadensumme betrage zwischen 30 und 35 Millionen Franken, teilte die GVZ am Dienstag mit.



(Video: Leserreporter)


(Video: Leserreporter)

(bee/sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Allen Helfern ein großes Dankeschön. – Ötztürk, 3.07.2012

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ötztürk, 3.07.2012 am 03.07.2012 18:59 Report Diesen Beitrag melden

    Regen ZH

    Allen Helfern ein großes Dankeschön.

  • Firefighter am 03.07.2012 23:24 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr als nur 12h!

    Es sind weit aus mehr als 12h gewessen!

  • Noldi Schumacher am 03.07.2012 21:41 Report Diesen Beitrag melden

    Zu Kellerüberschwemmungen.

    Warum muss in einer grossen Autogarage, überhaupt in Untergrundbauten, keine Grube gebaut werden mit integrierten Wasser-Pumpen, (Selbständig einschaltend) um das Wasser vor der grossen Überschwemmung abzupumpen. Klar müssen die Wassermassen vielleicht in einen separaten Wassertank gepumpt werden, den man dann nach und nach in die öffentlichen Abwassersysteme entleeren kann. Grund, wie man hört, mögen die Abwassersysteme ja auch nicht alles schlucken bei zu vielem Regen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Firefigther am 04.07.2012 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigene Wasser-Pumpe

    Ich war 15 Jahre bei der Feuerwehr und kann allen nur folgendes empfehlen: Bei kritischen Standorten z.B: nähe Bach, Fluss, Abhang, Mulde, ... kauft Euch eine gute "Schmutzwasser-Pumpe" (es gibt schon sehr gute ab ca. CHF 350.-. evtl. Schalungbretter (Baubedarf), ... - denn wenn's dann los geht wollen alles zur gleichen Zeit dass die FW kommt, was in diesem Fall unmöglich ist. So könnt Ihr Euch über die Wartezeit retten.

  • Firefighter am 03.07.2012 23:24 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr als nur 12h!

    Es sind weit aus mehr als 12h gewessen!

  • Jasmin Illi am 03.07.2012 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein regen

    Also hier in stans hat es den ganzen tag nicht geregnet.. ^^ zum glück haben wir hier eine solch gute lage.. :-) lg

  • Lebenskünstler am 03.07.2012 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    Klima

    Es ist Sommer = Regenzeit wie in den Tropen, dazu bleiben die Ozonwerte tief, ich liebe dieses Klima. Von medialem Interesse ist in diesem Zusammenhang eh nur die eingeschränkte Mobilität.

  • Noldi Schumacher am 03.07.2012 21:41 Report Diesen Beitrag melden

    Zu Kellerüberschwemmungen.

    Warum muss in einer grossen Autogarage, überhaupt in Untergrundbauten, keine Grube gebaut werden mit integrierten Wasser-Pumpen, (Selbständig einschaltend) um das Wasser vor der grossen Überschwemmung abzupumpen. Klar müssen die Wassermassen vielleicht in einen separaten Wassertank gepumpt werden, den man dann nach und nach in die öffentlichen Abwassersysteme entleeren kann. Grund, wie man hört, mögen die Abwassersysteme ja auch nicht alles schlucken bei zu vielem Regen.

    • andreas am 03.07.2012 23:27 Report Diesen Beitrag melden

      RE: Zu Kellerüberschwemmungen.

      es gibt pumpen. aber bei zb. "laub" versagen die. und die blätter vom hagel am sonntag sind noch nicht beseitig..

    • Nora T. am 04.07.2012 08:16 Report Diesen Beitrag melden

      Schweizer Norm

      Weil das laut SN 592 000 Kapitel 6 Absatz 6.1.2 verboten ist. "Abwasser, das mit natürlichem Gefälle abgeleitet werden kann, darf nicht einer Abwasserhebeanlage zugefürt werden". (Und nein, hier kann man keine Ausnahme machen! Das gilt absolut ausnahmslos für alle Bauten! Sinn oder Unsinn, es ist verboten! Wird übrigens, vor allem in der Stadt Zürich, streng kontrolliert!) Noch Fragen?

    • Anita Knap am 04.07.2012 08:26 Report Diesen Beitrag melden

      Geld regiert die Welt...

      Weil das kein einziger Bauherr selber bezahlen würde... sinnvoll wäre es bestimmt! Aber Geld regiert leider nach wie vor die Welt :-/

    • Firefighter am 04.07.2012 08:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Was ist tiefer gelegen?

      Es kommt eben darauf an was tiefer gelegen ist: Die Kanalisation od. die Garage. Ist es die Garage sollte ein Schlammbecken mit Verbindung zum Abpumpbecken inkl. Selbststarter-Pumpe erstellt sein. (So wurde es bei uns gemacht). Aber bei diesen Wassermassen ist es dennoch Fragwürdig ob dass Wasser dann abfliesst, wenn's dann schon die Strasse dazu braucht ist auch die Kanalisation voll.

    • Nora T. am 04.07.2012 11:57 Report Diesen Beitrag melden

      @Firefighter

      Nicht "sollte". Wenn die Rückstuhöhe über dem tiefst gelegenen Anschluss ist, sprich die Kanalisation höher ist als ein Anschluss im Keller/der Garage, dann MUSS eine Hebeanlage installiert werden. Falls es keinen Anschluss im Keller/der Garage hat, kommt auch keine Hebeanlage. In Garagen mit Schlammsammler, im Keller meist ohne. Aber ja, diese Anlage nützt nichts, wenn die Kanalisation eh schon voll ist, da die Pumpendruckleitung direkt in die Kanalisation führt.

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