Kampfhund-Prozess

15. Juni 2011 13:04; Akt: 15.06.2011 17:21 Print

15 Monate bedingt für Hundehalterin

2009 hatte ein Rottweiler ein vier- und ein zehnjähriges Mädchen bei einer Attacke schwer verletzt. Die Hundehalterin wurde jetzt wegen schwerer und einfacher Körperverletzung verurteilt.

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Das Schaffhauser Kantonsgericht hat am Mittwoch die Halterin eines Rottweilers zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt. Der Hund, der sich in ihrer Obhut befand, hatte im Sommer 2009 einen vierjährigen Buben mit Bissen am Kopf schwer verletzt.

Verurteilt wurde die 57-jährige Frau wegen schwerer und einfacher Körperverletzung sowie wegen Übertretung des Hundegesetzes. Neben dem Vierjährigen war auch dessen 10-jährige Schwester leicht verletzt worden.

Die Verteidigung hatte einen Freispruch in allen Punkten verlangt, die Anklage eine Strafe von 18 Monaten bedingt.

Beissattacke auf Privatgelände

Die Beiss-Attacke hatte sich am 26. Juli 2009 auf dem Majorenacker ereignet, einem wenig frequentierten Privatgelände. Die damals 55-jährige Angeklagte hatte dort mit dem knapp einjährigen Hund, der ursprünglich ihrem Sohn gehört hatte, gespielt und ihn dabei nicht angeleint.

Zur gleichen Zeit kam ein Vater mit seinen drei Kindern im Alter von 19, 10 und 4 Jahren im Auto beim Gelände an. Als die Familie ausstieg, rannte der Rottweiler auf die Gruppe zu.

Hergang umstritten

Wie sich dann die eigentliche Attacke abspielte, darüber gingen die Aussagen auseinander. Die Verteidigerin nannte das Verhalten der Geschädigten unvernünftig. Die Zehnjährige habe geschrieen und mit den Händen gefuchtelt, obwohl der Hund weder bellte noch knurrte. Niemand könne genau sagen, was ihn zum Beissen veranlasst habe.

Laut Verteidigung half die Beschuldigte dem Vierjährigen. Demgegenüber geht die die Anklage davon aus, dass der Vater des Jungen den Hund überwältigt hat.

Unbestritten ist, dass der Hund das Kind mit seinen Bissen schwer am Kopf verletzte. Der Vierjährige musste in der Plastischen Chirurgie im Kinderspital der Uniklinik Zürich operiert werden. Auch Monate nach dem Vorfall mussten die Narben noch täglich behandelt werden. Auch das zehnjährige Mädchen erlitt Verletzungen.

Sorgfaltspflicht verletzt oder nicht

Die Beschuldigte, die ihr Gesicht unter einen roten Langhaar-Perücke verbarg, brach während der Befragung immer wieder in Tränen aus und sagte: «Es tut mir von Herzen furchtbar leid.» Sie bestätigte grundsätzlich den Vorfall, betonte jedoch, der Hund Faruck sei «ganz sicher kein bösartiger Hund gewesen». Probleme mit Kindern habe es nie gegeben.

Ihr Verschulden wiege schwer, sagte der Staatsanwalt. Die Beschuldigte habe «völlig unverantwortlich gehandelt» und hätte den Hund sofort beim Auftauchen der Familie an die Leine nehmen müssen.

Die Verteidigung dagegen betonte, die Beschuldigte habe ihre Sorgfaltspflicht nicht verletzt. Sie habe auch nicht damit rechnen müssen, dass andere Personen auf das Gelände kämen.

Für überregionale Aufmerksamkeit sorgte die Beiss-Attacke, weil der Hund einem der Beschuldigten im so genannten Schenkkreis-Mord von Grenchen SO gehörte. Damals war eine dreiköpfige Familie getötet worden. Der Hundebesitzer und ehemalige Spitzensportler hat die Tat inzwischen gestanden. Nachdem er inhaftiert worden war, kümmerte sich seine Mutter um den Hund.

(sda)