Verurteilt

29. September 2010 20:39; Akt: 30.09.2010 08:06 Print

16-Jährige bei Massage geschändet

von Attila Szenogrady - Ein 36-jähriger Unhold hat in Zürich eine 16-jährige Jugendliche während einer Massage sexuell missbraucht. Nun muss der aus Ägypten stammende Ostschweizer für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Fehler gesehen?

Zum Schluss glaubte das Gericht den Darstellungen des zur Tatzeit 16-jährigen Opfers. Die Praktikantin lernte vor einem Jahr in Zürich-Altstetten einen um 20 Jahre älteren Verkäufer kennen. Der Mann erzählte ihr, dass er ein Massagestudio leite und dabei gutes Geld zu verdienen sei. Er bot ihr an, dass er ihr zeigen werde, wie man richtig massiere.

Die junge Frau ging auf das Angebot ein und begab sich in die Wohnung des Angeklagten im Kreis 4. Dort musste sie sich bis auf ihren Slip nackt ausziehen und auf ein Bett legen. Dann begann sie der gebürtige Ägypter an den Füssen und Beinen zu massieren. Als er bemerkt hatte, dass die auf dem Bauch liegende Geschädigte eingeschlafen war, zog er ihren Slip ab und drang mit seinem erregten Penis von hinten in sie ein. Sie erwachte darauf und sagte mehrmals «nein».

Allerdings ohne Erfolg. Der Hobby-Masseur vollzog den Geschlechtsverkehr und liess das überraschte Opfer kurz darauf wieder gehen. Dieses erstattete mehrere Tage nach dem Übergriff Strafanzeige bei der Polizei.

Einen Fehler gemacht

Am Mittwoch musste sich der seit über einem Jahr inhaftierte Ostschweizer wegen Schändung vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Der Staatsanwalt verlangte eine hohe Freiheitsstrafe von vier Jahren. Der Angeklagte führte aus, dass die junge Frau ihr Einverständnis zu den sexuellen Handlungen gegeben habe. Zudem sei sie weder eingeschlafen noch habe sie nein gesagt, verteidigte er sich.

Allerdings gab er auch zu, dass er einen Fehler gemacht habe.
Der Verteidiger verlangte einen vollen Freispruch und zitierte das schwankende Aussageverhalten der Praktikantin während der polizeilichen Videobefragung. Zudem sei sie nicht vollständig unfähig zu einem Widerstand gewesen.

Dreieinhalb Jahre Knast

Das Gericht folgte im Wesentlichen der Anklage und setzte eine unbedingte Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren fest. Für das Gremium stand fest, dass die Geschädigte nicht nur eingeschlafen war, sondern auch nein gesagt hatte. Laut Gericht waren die unsicher wirkenden Darstellungen der Frau auf ihre sprachlichen Defizite zurückzuführen.

Sie sei nicht wortgewandt und habe sich deshalb nicht genügend ausdrücken können, sagte die Gerichtspräsidentin Maya Bertschi. Dennoch habe die Geschädigte auch glaubhafte Erinnerungen wie «ich fühlte mich wie tot» zu Protokoll gegeben. Zudem sei kein Motiv für eine Falschbelastung ersichtlich. Damit lag laut Urteil eine Schändung vor.

Das Gericht ging von einem erheblichen Verschulden des Angeklagten aus. Er habe aus krass egoistischen Gründen die Lage des jungen und naiven Opfers ausgenutzt, führte Bertschi aus. Mit dem Schuldspruch wurde der Hobby-Masseur zusätzlich verpflichtet, der Geschädigten ein Schmerzensgeld von 12 000 Franken zu entrichten. Zudem einen grundsätzlichen Schadenersatz in noch unbekannter Höhe. Die Verteidigung kündigte an, in die Berufung zu gehen.