Jugendlicher verurteilt

17. Juni 2013 17:14; Akt: 17.06.2013 17:14 Print

18-Jähriger verprügelt Mutter – 16 Monate Haft

von Attila Szenogrady - Nachdem eine Mutter ihren knapp volljährigen Sohn sturzbetrunken im heimischen Bad erwischt hat und ihm daraufhin eine Ohrfeige verpasste, schlug ihr der junge Mann kurzerhand die Faust ins Gesicht.

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«Ich will keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern», erklärte der heute 19-jährige Schweizer am Montag vor dem Bezirksgericht Zürich. Er wohnt seit dem 3. Oktober 2012 nicht mehr zu Hause, sondern sitzt im Gefängnis. Die Situation war an jenem Abend in der damals gemeinsamen Stadtzürcher Wohnung eskaliert. Als die Mutter ihren damals 18-jährigen Sohn um 21 Uhr im Badezimmer bewusstlos am Boden antraf, erschrak sie zuerst.

Mutter verprügelt und mit dem Tode bedroht

Als sie allerdings bemerkte, dass ihr Kind «nur» sturzbetrunken war, ärgerte sie sich und schleifte ihn in sein Schlafzimmer, wo er erwachte und seine Mutter massiv zu beschimpfen begann. Als sie ihm deswegen eine Ohrfeige gab, rastete der Jugendliche völlig aus und ging auf seine Mutter los.

Dabei versetzte er ihr mehrere Faustschläge ins Gesicht und traf sie am Nasenflügel, am Jochbein am Hinterkopf und Nacken. Der Stiefvater und Ehemann der Mutter wollte eingreifen, konnte die Situation aber nicht mehr beruhigen. Der Sohn erklärte vielmehr, dass er sie, ihren Mann und ihre Kinder umbringen werde. Worauf das Ehepaar die Polizei alarmierte.

Gutachten für stationäre Massnahme

Vor Gericht gab der Beschuldigte die Vorwürfe zu und zeigte auch Anzeichen der Reue, als er auf seine Mutter angesprochen in Tränen ausbrach. Allerdings erzählte er auch von einer schlechten Mutter-Sohn-Beziehung. Als seine Halb-Schwestern auf die Welt gekommen seien, wäre er nur noch überflüssig gewesen, sagte er. Sie habe ihn auch immer gestresst und damit gedroht, ihn aus der Wohnung zu werfen.

Gegen den Beschuldigten sprachen allerdings zwei Vorstrafen und ein Gutachten des Psychiaters Frank Urbanjok. Dieser attestierte dem Jugendlichen eine erheblich gestörte Persönlichkeitsentwicklung und ging von einer deutlichen Gefahr neuer Gewalthandlungen aus. Einzig die Einweisung in eine stationäre Massnahme für junge Erwachsene könne die bisher negative Entwicklung womöglich stoppen, zeigte sich der Gutachter überzeugt. Zum Unwillen des Beschuldigten, der erklärte, dass er sich weigere und man ihn in das Massnamezentrum Uitikon tragen müsse. Er sei schliesslich kein Schwerkrimineller.

Verteidigung für sofortige Freilassung

Vor Gericht verlangte der Staatsanwalt wegen Körperverletzung und Drohung eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Allerdings aufgeschoben zugunsten der vom Gutachten befürworteten Arbeitserziehung.

Der Verteidiger forderte dagegen eine bedingte Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu 10 Franken sowie die sofortige Freilassung seines Mandanten, der seine Strafe schon längst abgesessen habe. Die Einweisung in eine geschlossene Massnahme mit bis zu vier Jahren Dauer sei völlig unverhältnismässig. Da der Beschuldigte ohnehin nicht mehr zu Hause wohnen wolle, sei die Rückfallgefahr minim, plädierte er.

Harte Strafe

Das Gericht folgte zum Schluss nicht nur den Anträgen der Staatsanwaltschaft, sondern ging sogar mit einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten unbedingt weit darüber hinaus. Die Gerichtsvorsitzende Kathrin Bretschger sprach von einem erheblichen Verschulden des jungen Schweizers, der nun nach zwei gescheiterten Lehren in der Arbeitserziehung die Gelegenheit erhalte, endlich eine Ausbildung abzuschliessen.

«Sehen sie die Einweisung in die Massnahme als Chance an», appellierte Bretschger an den Beschuldigten, der bei der Urteilseröffnung alles andere als zufrieden aussah. Vor allem da er bis zum Antritt der Therapie in Sicherheitshaft verbleiben muss.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maja Steinlin am 17.06.2013 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    " Mutter unter die Lupe nehmen...!

    Ich denke, dass man die Mutter ebenfalls etwas näher anschauen sollte! Wenn ein Sohn solchen Hass entwickelt, dann hat auch die Mutter ihren Teil dazu beigetragen! Es ist ja leider so, dass jedermann und -frau nach Lust und Laune Kinder auf die Welt stellen kann und das kreuz und quer, gleichgül- tig, ob sie dem Nachwuchs danach auch gerecht werden können, oder eben auch noch! Hoffentlich wird der junge Mann Klarheit und Frie- den in seinem Leben finden kön- nen, sodass er eine Perspektive für sein Leben ohne sein Mutter er- hält! Ich wünsche ihm alles Gute!

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  • Maria Souza am 17.06.2013 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Schäm dich!

    Wie kann nur die eigene Mutter schlagen...

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  • Ursi am 17.06.2013 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    gutes Urteil

    es müsste mehr solche Richter geben. Keine Gnade

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dieter am 18.06.2013 21:02 Report Diesen Beitrag melden

    Eltern müssen Vorbilder sein!

    Fair wäre es gewesen, wenn auch die Mutter eine Strafe bekommen hätte, denn sie war die erste die den Sohn geschlagen hatte. Egal wie alt ein Kind ist, wenn man will, das die Kinder niemandem weh tun, dann dürfen die Eltern dies auch niemals den Kindern vormachen!

  • Papstine am 18.06.2013 08:17 Report Diesen Beitrag melden

    Problem Patchworkfamilie

    Das Wohl der eigenen Kinder steht heute nicht mehr im Vordergrund. Da werden Ehen geschieden weils grade nicht mehr passt, Kinder ihren Vätern entrissen, ein neuer muss her, vermutlich selber mit Kindern und dann erwartet man von den Kindern dass sie das alles problemlos schlucken. Mangels Alternativen fügen sich diese und die Eltern können sich einreden es funktioniere prima. Und irgendwann kommt dann die Quittung. Aber man darf ja nichts sagen, sonst ist man ja mittelalterlich.

  • Thérèse Sandoz am 18.06.2013 06:28 Report Diesen Beitrag melden

    urteile nicht

    sigdeluxe, Du kennst die Hintergründe nun wirklich nicht, also urteile nicht. ich heisse die Ohrfeige auch nicht gut, nein, aber sie wird aus dem Affekt heraus gehandelt haben...

  • sigdeluxe am 18.06.2013 00:27 Report Diesen Beitrag melden

    Eltern verwechseln Erziehung mit Sklaver

    Nicht selten sehen Eltern ihre Kinder als persönliches Eigentum an mit dem sie tun können was immer sie möchten. Keine Lust auf Gartenarbeit? Kein Problem wir haben Kinder. Keine Lust das Haus sauber zu machen? Ach dafür sind doch Kinder da. Das Kind hat aber einen eigenen Willen? Kein Problem, mit Schlägen lässt sich jedes Lebewesen dressieren. Vielleicht war es bei diesem jungen Mann nicht so, man weiss es nicht genau. Für mich ist der Fall auf jeden Fall klar: Wenn ich geschlagen werde, dann schlage ich zurück. Schliesslich hat die Mutter den ersten Stein geworfen, also sperrt sie ein.

  • mannhart am 17.06.2013 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Sohn schuld! !!!

    es gibt der mutter nicht das Recht den Sohn zu schlagen nur weil er sturzbetrunken war das kann man lösen wenn er nüchtern ist aber sicher nicht schlagen ich habe meine jungs nie geschlagen da es keine Option u lösung ist ich finde sie ist eine schlechte mam und sie ist fie erwachsene