Prozess

03. April 2014 18:04; Akt: 03.04.2014 17:07 Print

19-Jährige zu Sex gezwungen und gefilmt?

von Attila Szenogrady - Ein Lagermitarbeiter soll zusammen mit einem Cousin eine 19-jährige Frau vergewaltigt haben. Der Beschuldigte spricht dagegen von einvernehmlichem Sex. Kann ein Video den Fall aufklären?

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Vorwürfe gegen den heute 27-jährigen Limmattaler wogen schwer. So soll der Kosovo-Albaner in der Nacht auf den 8. März 2013 eine 19-jährige Schweizerin in sein Auto eingeladen und danach in ein Waldstück in Weiningen gefahren haben.

Dort hielt er an und begann die junge Frau zu küssen und an den Brüsten zu berühren. Obwohl sie erklärte, dass sie dies nicht wolle, fuhr er zunächst fort. Erst als sie zu weinen und schreien anfing, hörte er auf und liess sie später gehen.

Laut Anklage vergewaltigt und gefilmt

Eine Woche später verabredete sich die Geschädigte mit dem Lagermitarbeiter zu einem kurzen Gespräch bei der Poststelle an ihrem Wohnort. Der Beschuldigte tauchte dort mit seinem Cousin auf und drückte die Geschädigte gegen ihren Willen in das Fahrzeug hinein. Dann fuhren die beiden Männer nach Schlieren, wo sie um Mitternacht mit der Geschädigten zusammen eine Bar aufsuchten.

Zwei Stunden später stieg die Frau freiwillig in das Auto ein und ging davon aus, dass sie wieder nach Hause gebracht werde. Stattdessen fuhr der Beschuldigte erneut nach Weiningen, wo er wiederum im Wald parkierte und diesmal die Geschädigte gegen ihren Willen im Wagen zum Geschlechtsverkehr zwang. Der Cousin hatte sich kurzzeitig entfernt, kehrte aber zum Fahrzeug zurück und vergewaltigte das Opfer ebenfalls. Wobei der Beschuldigte diese zweite Vergewaltigung mit seinem Mobiltelefon filmisch festhielt. Nachdem sich der Hauptbeschuldigte noch einmal an der Frau vergangen hatte, liess er sie frei.

Mit Videofilm unter Druck gesetzt

Laut Anklage setzte der Beschuldigte die Geschädigte in der Folge mit dem Videofilm unter Druck. So drohte er ihr, den Streifen nicht nur ihrem Freund, sondern auch ihrem Arbeitgeber zu zeigen. Worauf die Geschädigte Anzeige erstattete und der Lagermitarbeiter festgenommen wurde. Er sitzt seit dem 8. April 2013 im Gefängnis.

Einvernehmlichen Sex geltend gemacht

Vor Gericht wies der Beschuldigte die Vorwürfe zurück und machte einvernehmlichen Sex geltend. Auch der Verteidiger, der der jungen Frau ein widersprüchliches und weltfremdes Verhalten anlastete. Ein richtiges Opfer hätte Alarm geschlagen und wäre geflüchtet, zeigte sich der Anwalt überzeugt.

Er ging vielmehr von einem heimlichen Seitensprung der Geschädigten aus. Als sie vom Video erfahren habe, hätten ihr eine peinliche Rufschädigung sowie der Verlust ihrer Freundschaft gedroht, plädierte er. Deshalb habe sie mit der Anzeige und den falschen Anschuldigungen die Flucht nach vorne ergriffen. Der Anwalt verlangte für seinen Klienten für die zu Unrecht erlittene Haft eine Genugtuung von 70'000 Franken.

Opfer soll «höred uf» auf Video gesagt haben

Mit 25'000 Franken Schmerzensgeld forderte auch die Rechtsvertreterin des Opfers eine beachtlich hohe Summe. Ihre Mandantin leide heute noch unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, erklärte sie.

Eine Vertreterin der Staatsanwaltschaft ging nicht nur von mehrfacher Vergewaltigung, sondern auch von mehrfacher sexueller Nötigung, Freiheitsberaubung und weiteren Delikten aus. Sie verlangte eine hohe Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Sie führte aus, dass man auf dem Video genau höre, wie das Opfer «nein» und «höred uf» sage.

Urteil am Mittwoch erwartet

Das Gericht zog sich zur geheimen Urteilsberatung zurück. Es wird den Entscheid voraussichtlich am nächsten Mittwoch eröffnen. Der Prozess gegen den zweiten Beschuldigten findet später statt.