Arzt freigesprochen

14. März 2011 18:45; Akt: 14.03.2011 18:52 Print

2-jährige Tochter doch nicht missbraucht

von Attila Szenogrady - Laut Anklage hat sich ein Arzt an seiner zweijährigen Tochter in Kanada und Bassersdorf wiederholt sexuell vergangen. Nicht zu beweisen, befand nun das Zürcher Obergericht.

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Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich richtete massive Vorwürfe gegen den heute 56-jährigen Mediziner. So soll sich der englisch-schweizerische Doppelbürger im Jahr 2006 wiederholt an seiner damals zweijährigen Tochter sexuell vergangen haben. Zuerst im April 2006 in Kanada, wo der Beschuldigte in einer durchsichtigen Duschkabine absichtlich vor seinem Kind onaniert haben soll.

Zwei Monate später kam es laut Anklage zum zweiten Vorfall. Dabei soll er an einem Strand bei Vancouver mit seinem entblössten Glied auf die Füsse der Geschädigten uriniert haben. Der dritte Vorwurf ging auf den Herbst 2006 zurück. Damals hat der Arzt – alles laut Anklage - in der Bassersdorfer Wohnung seiner Freundin den Genitalbereich seiner Tochter gefilmt.

Verhaftet und angeklagt

Der Albtraum für den Vater begann am 30. Juli 2009. Damals reichte seine Ex-Partnerin und Mutter der gemeinsamen Tochter Strafanzeige bei der Kantonspolizei Zürich ein. Mit massiven Folgen. So wurde der Arzt am 19. September 2009 für drei Tage in Untersuchungshaft genommen. Obwohl er von Anfang an seine Unschuld beteuerte und einen Racheakt seiner früheren Freundin wegen des umstrittenen Besuchsrechts geltend machte, leiteten die Ermittlungsbehörden eine Strafuntersuchung ein.

Diese mündete im Februar 2010 in einer Anklageschrift, die auf den belastenden Aussagen der Mutter basierte. Erstaunlich war dabei, dass das inzwischen über fünf-jährige Kind auch zu den Vorwürfen befragt wurde. Selbstredend kam dabei nichts heraus, da sich die angebliche Geschädigte faktisch an nichts mehr erinnern konnte.

Schuldspruch in Bülach

Im Juni 2010 musste sich der Mediziner zuerst vor dem Bezirksgericht Bülach verantworten. Der Strafantrag der Anklage lautete auf eine bedingte Freiheitsstrafe von neun Monaten. So weit kam es nicht. Dennoch erlebte der Angeschuldigte eine böse Ueberraschung. Er wurde beim ersten Vorwurf für schuldig befunden.

Die Richter glaubten der Mutter, die gesehen haben wollte, wie sich ihr damaliger Partner vor ihrem Kind befriedigt habe. Die übrigen Anklagepunkte sah das Gericht als nicht erwiesen an. Der Arzt wurde wegen sexuellen Handlungen mit Kindern zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 150 Franken verurteilt. Zudem sollte er für einen noch zu bestimmenden Schadenersatz aufkommen.

Freispruch am Obergericht

Die Parteien legten Berufung ein und trafen sich am Montag vor dem Zürcher Obergericht. Dieses kam zu einem deutlichen Freispruch und sprach dem Vater nicht nur eine Prozessentschädigung von über 30 000 Franken, sondern auch ein Schmerzensgeld von 3000 Franken zu. Der Gerichtsvorsitzende Franz Bollinger erklärte dazu, dass man beim Streit um das Besuchsrecht ein Kind nicht instrumentalisieren solle. Dies sei hier geschehen.

Es sei auch schleierhaft, wie die Geschädigtenvertretung darauf komme, dass die völlig normale Tochter eine schwere Persönlichkeitsstörung aufweise. Zudem gebe es keine Anhaltspunkte, dass der Angeklagte über irgendwelche pädophilen Neigungen verfügen würde.
Alle Vorwürfe seien schlicht nicht erstellt, befand das Obergericht. Der Angeklagte nahm den Freispruch erleichtert auf. Er lebt heute wieder in England.