Teure Sonderbehandlung

27. August 2013 14:01; Akt: 27.08.2013 19:47 Print

22'000 Franken im Monat für Gewalttäter (17)

Ein Zürcher Messerstecher erhält Thaibox-Stunden und Privatunterricht, leben darf er mit einer Betreuerin in einer 4-Zimmer-Wohnung. Monatliche Kosten: 22'000 Franken.

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Schon im Alter von neun Jahren beging er die erste Straftat. Mittlerweile füllen die Missetaten des heute 17-jährigen Carlos ganze Ordner. Verurteilt wurde der Sohn eines Schweizers und einer Brasilianerin unter anderem wegen Raubs, Gewaltdelikten, Drohung, Waffenbesitzes und Drogenkonsums. Das schwerste Delikt war eine Messerattacke, die sein Opfer nur mit Glück überlebte. Der andere habe ihn provoziert, zugestochen habe er, weil sein Opfer keine Angst vor dem Messer gezeigt habe, begründet Carlos seine Tat in der Sendung «Reporter», die am Sonntag ein Porträt des Zürcher Jugendanwalts Hansueli Gürber zeigte und darin über den Fall Carlos berichtete.

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Wohnung, Privatlehrer, Thaibox-Unterricht

Der gefährliche junge Gewalttäter lebt heute nicht etwa hinter Gittern. Er wohnt in einer Vierzimmer-Wohnung, die er sich mit einer Betreuerin teilt, die sich rund um die Uhr um ihn kümmert. Seine Zeit verbringt Carlos vor allem mit Thaibox-Training bei einem zehnfachen Weltmeister. Er träumt davon, Profikickboxer zu werden – und wird darin von der Jugendanwaltschaft unterstützt. Er glaube nicht, dass Carlos durch den Thaibox-Unterricht noch gefährlicher werde, so Jugendanwalt Gürber. «Er verändert sich zum Positiven.»

Die Betreuung von Carlos, die von einem Team von zehn Personen wahrgenommen wird, kostet viel: Es sind monatlich 22'000 Franken. Doch das ist offenbar noch wenig im Vergleich zu früher: «Er hat auch schon doppelt so viel gekostet», so Gürber. Zudem sei dies «gut investiertes Geld». Denn Carlos sei auf einem guten Weg und nicht mehr straffällig geworden. Auch eine Lehre möchte ihm die Jugendanwaltschaft ermöglichen. Doch dagegen sträubt sich Carlos: Eine Ausbildung sei mit seinem Thaibox-Training nicht unter den Hut zu bringen, findet er. «Sonst könnte ich ja nur am Morgen oder am Abend trainieren.»

«Wir sind zu Recht mild»

Jugendanwalt Gürber ist zufrieden mit der Entwicklung von Carlos. Doch seine Vorzugsbehandlung schlägt hohe Wellen. Das sei «Sozialwahn», titelte der «Blick» am Dienstag. Den Vorwurf, er betreibe Kuscheljustiz, nimmt Gürber allerdings gelassen. «Wir sind zu Recht mild», sagt er im «Reporter»-Film. Repression sei zwar auch nötig, doch danach müsse noch etwas anderes kommen. «Wenn wir Jugendliche nur bestrafen, haben wir schliesslich einfach Verbrecher.»

(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • J. Meyer am 28.08.2013 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Was rechtfertigt diese Massnahme?

    Was unterscheidet diesen Täter von anderen gleichaltrigen Tätern, das dieser das Privileg erhielt, ein 10 köpfiges Betreuerteam mit 24h Betreuung, ein Sporttraining mit einem Weltmeister als Trainer u einer grosszügigen Wohnung, welche selbst oft viele Familien nicht mal haben u er alleine mit seiner Betreuerin dort lebt. Was macht diesen Täter so besonders, das er im Gegensatz zu anderen nicht lernen muss wie die Gesellschaft funktioniert, das eine Lehre die Zukunft sichert, das seine Wünsche mit eigenem Verdienst erreicht werden? Nur, weil er nicht arbeiten will? Himmeltraurig!

  • Thomas Beusch am 28.08.2013 23:33 Report Diesen Beitrag melden

    Total quere Massnahme

    Die Schilderung lässt darauf schliessen, dass der Täter nicht mit Kränkungen, Beschämungen etc. umgehen kann. Deshalb ist die Wirkung von Kampfsport,für einen solchen Gewalttäter rausgeworfenes Geld. a) Wird Herr Gürber dem Täter nach dessen 22. Lebensjahr (Ablauf einer Jugendmassnahme) diese Unterrichtseinheiten privat ein Leben lang weiterbezahlen? b) es macht auch wenig Sinn, einem Raser, der mit 120 Km/h durchs Dorf brettert, einen Formel 1-Kurs zu finanzieren, damit er bei der nächsten Krise "sicher" mit 160 Km/h durch die Ortschaft fahren kann, oder? c) Helft dem Opfer endlich!

  • Schüler am 28.08.2013 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    So lernt er bestimmt zu arbeiten.

    Ich gehe in die Kanti und muss arbeiten damit ich Sport machen kann. Nur weil sich dieser Verbrecher zu fein ist eine Lehre zu machen, wird ihm alles geschenkt? Der soll gefälligst lernen zu arbeiten! Das macht mich unheimlich wütend, vor allem wenn ich daran denke wie ich jeden Morgen um 5:00 Uhr aufstehe, trainiere (joggen), in die Schule gehe, nach Hause komme, lerne und nochmals trainiere (Fitness). Ich mach in den Ferien kleine Jobs (anstrengend), damit ich später Geld auf der Seite habe. Am Anfang dachte ich noch, dass jetzt eine gute Entschuldigung für das Alles kommen würde.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas Beusch am 28.08.2013 23:33 Report Diesen Beitrag melden

    Total quere Massnahme

    Die Schilderung lässt darauf schliessen, dass der Täter nicht mit Kränkungen, Beschämungen etc. umgehen kann. Deshalb ist die Wirkung von Kampfsport,für einen solchen Gewalttäter rausgeworfenes Geld. a) Wird Herr Gürber dem Täter nach dessen 22. Lebensjahr (Ablauf einer Jugendmassnahme) diese Unterrichtseinheiten privat ein Leben lang weiterbezahlen? b) es macht auch wenig Sinn, einem Raser, der mit 120 Km/h durchs Dorf brettert, einen Formel 1-Kurs zu finanzieren, damit er bei der nächsten Krise "sicher" mit 160 Km/h durch die Ortschaft fahren kann, oder? c) Helft dem Opfer endlich!

  • J. Meyer am 28.08.2013 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Was rechtfertigt diese Massnahme?

    Was unterscheidet diesen Täter von anderen gleichaltrigen Tätern, das dieser das Privileg erhielt, ein 10 köpfiges Betreuerteam mit 24h Betreuung, ein Sporttraining mit einem Weltmeister als Trainer u einer grosszügigen Wohnung, welche selbst oft viele Familien nicht mal haben u er alleine mit seiner Betreuerin dort lebt. Was macht diesen Täter so besonders, das er im Gegensatz zu anderen nicht lernen muss wie die Gesellschaft funktioniert, das eine Lehre die Zukunft sichert, das seine Wünsche mit eigenem Verdienst erreicht werden? Nur, weil er nicht arbeiten will? Himmeltraurig!

  • Schüler am 28.08.2013 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    So lernt er bestimmt zu arbeiten.

    Ich gehe in die Kanti und muss arbeiten damit ich Sport machen kann. Nur weil sich dieser Verbrecher zu fein ist eine Lehre zu machen, wird ihm alles geschenkt? Der soll gefälligst lernen zu arbeiten! Das macht mich unheimlich wütend, vor allem wenn ich daran denke wie ich jeden Morgen um 5:00 Uhr aufstehe, trainiere (joggen), in die Schule gehe, nach Hause komme, lerne und nochmals trainiere (Fitness). Ich mach in den Ferien kleine Jobs (anstrengend), damit ich später Geld auf der Seite habe. Am Anfang dachte ich noch, dass jetzt eine gute Entschuldigung für das Alles kommen würde.

  • Funny am 28.08.2013 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinn

    Es ist einfach mit fremden Geld um sich zu schmeissen. Von diesen Anwälten und Richtern haben wir eine ganze Menge. Das Schweizer Volk wird zum Narren gehalten. Was ist nur los?

  • Hans Meier am 28.08.2013 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    ausschaffen

    für was haben wir abgestimmt? ausschaffen ist günstiger