Verdächtige Substanz

05. September 2012 01:27; Akt: 05.09.2012 10:23 Print

220 Menschen aus Briefzentrum evakuiert

Dramatische Stunden bei der Post in Zürich-Mülligen: Briefe mit weisser Substanz rufen bei Mitarbeitern Übelkeit hervor. 34 Personen werden hospitalisiert. Um welche Substanz es sich handelt, ist unklar.

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Grossalarm bei Schlieren ZH: Das Briefzentrum Mülligen wurde evakuiert. Zuvor waren zwei Couverts mit verdächtigem Pulver entdeckt worden. Es ist kurz nach 20.15 Uhr, als bei der Einsatzzentrale der Kantonspolizei Zürich die Meldung eingeht. Umgehend rückt ein Grossaufgebot der Polizei, Feuerwehr sowie Ambulanz aus. Über 200 Mitarbeiter werden aus dem Gebäude evakuiert. Laut Augenzeugen sind zwischen 30 und 40 Krankenwagen im Einsatz. Nebst Einsatzfahrzeugen aus Zürich auch solche aus den Kantonen Aargau, Schwyz, Schaffhausen, Zug und Luzern. Darunter auch Spezialfahrzeuge. Es wurden Massnahmen für eine Erstbehandlung getroffen. Die Polizei baute bei einem Eingang des Gebäudes vier grosse Zelte auf, wo Verletzte betreut wurden. Mehrere Dutzend Personen klagten über ähnliche Symptome, darunter vor allem Unwohlsein. Die meisten Angestellten, die über Reiz im Hals und Übelkeit klagten, wurden an Ort und Stelle versorgt. 34 von ihnen wurden vorsorglich ins Spital gebracht für weitere Abklärungen. «Eine Ambulanz nach der anderen fährt mit Blaulicht vorbei», sagte ein Leserreporter zu 20 Minuten Online. Spezialcontainer zur Dekontamination von Betroffenen und Rettungkräften waren im Einsatz. Es herrschte grosse Betroffenheit und Angst unter den Evakuierten Mitarbeitern des Postzentrums. Die Aufregung war enorm, doch es gab zunächst kaum gesicherte Informationen. Mehrere Mitarbeiter der Post erzählen von einer chemischen Explosion. Andere mutmassen, dass Antrax im Spiel sei. Den Einsatzkräften und auch Betroffenen wurden spezielle Chemie-Schutzanzüge angelegt. Chemiefachberater und Mitarbeiter des Forensischen Instituts Zürich untersuchen die verdächtige Substanz. Schon bald darauf das erste Analyseergebnis: Die unbekannte Substanz dürfte harmloser Natur sein. Dennoch bleibt das Gebäude weiter Sperrzone. Bis zur vollständigen Klärung der Substanzen und den Umständen müssen die Angestellten auf dem Gelände verharren. Man will vermeiden, dass weitere Menschen mit der Substanz in Berührung kommen. Gegen Mitternacht werden alle Beteiligten informiert. Offenbar handelt es sich bei dem in den beiden Couverts gefundenen Pulver um Stärkemittel. Die Angestellten können wieder weiter arbeiten oder nach Hause gehen.

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Am Dienstagabend sind 220 Personen des Briefzentrums Zürich-Mülligen in Schlieren evakuiert worden. «Kurz nach 20 Uhr wurden zwei Couverts mit einer verdächtigen Substanz gefunden», sagt Werner Benz, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich zu 20 Minuten Online. Viele Mitarbeiter klagten daraufhin über gesundheitliche Probleme. Umgehend wurden Rettungskräfte alarmiert, die mit einem Grossaufgebot anrücken. Etliche der Postangestellten wurden vor Ort behandelt, 34 werden für weitere Abklärungen ins Spital gebracht.

Chemiefachberater und Mitarbeiter des Forensischen Instituts Zürich untersuchten die verdächtige Substanz. Laut erstem Ergebnis handelt es sich mit grösster Wahrscheinlichkeit um Stärkepulver. Das teilt die Kantonspolizei in der Nacht mit. Gegen Mitternacht wurde von offizieller Seite Entwarnung gegeben und das zuvor zur Sperrzone erklärte Postgebäude wieder zugänglich gemacht.

30 bis 40 Krankenwagen im Einsatz

Die Szenerie war gespenstisch, wie Augenzeugen berichteten. «Über Lautsprecher wurden wir alarmiert und angewiesen, das Gebäude zu verlassen», so eine Mitarbeiterin des Postzentrums. «Es sind mindestens 15 Krankenautos in einer Reihe vor Ort, die die Verletzten in die umliegenden Spitäler bringen sollen», sagte Leserreporter David de Sando gegenüber 20 Minuten Online. «Die Sirenen der Ambulanz sind die ganze Zeit zu hören. Es werden immer mehr. Es hat Wagen des Spital Urdorfs, vom Triemli-Spital und auch vom Seespital vor Ort.» Andere Augenzeugen schätzen, dass zwischen 30 und 40 Krankenwagen im Einsatz gewesen seien. Sogar solche aus den Kantonen Aargau, Schwyz, Schaffhausen, Zug und Luzern.


(Video: Leserreporter)

Die Polizei hatte bei einem der Gebäudeeingänge vier grosse Zelte aufgebaut. Dort wurden Verletzte betreut. Dazwischen stand eine grosse Maschine. «Wahrscheinlich handelt es sich um eine Sauerstoffversorgung für die Verletzten. «Spezialisten der Feuerwehr packten die Mitarbeiter in weiss-graue Anzüge ein und gaben ihnen Sauerstoffmasken. Sie werden wohl im Inneren des Gebäudes unter Quarantäne gestellt», vermutete de Sando.

Warum hatten so viele Angestellte dieselben Symptome?

Gegen Mitternacht entspannte sich die Lage: Die Postangestellten durften nach Hause gehen. Auch die Rettungstrupps wurden abgezogen. Sollte sich die erste Analyse bestätigen und es sich um Stärkepulver handeln – was hat die Reizungen und das Unwohlsein ausgelöst? Warum hatten so schnell so viele Angestellten dieselben Symptome? Wie wurden die Angestellten auf die Substanz aufmerksam?

Nach aktuellem Wissensstand ist das Gebäude weiterhin gesperrt. Aufgrund des Betriebsunterbruchs kann die Schweizerische Post das Dienstleistungsangebot bei A-Post-Briefen nicht einhalten. Betroffen sind die Briefe aus der Region Zürich und der Ostschweiz in die ganze Schweiz sowie die Zustellung von Briefen in der Region Zürich und der Ostschweiz. Insgesamt werden voraussichtlich zwischen 1,5 und 2 Millionen Sendungen erst am Donnerstag zugestellt.

Das Briefzentrum Zürich-Mülligen ist mit einer Grundfläche von 70 000 Quadratmetern und einem Betrieb auf zwei Etagen das grösste Briefzentrum der Schweizerischen Post. Es ist das einzige, das internationale Briefpost verarbeitet.

20 Minuten Online berichtet laufend über die neuesten Ereignisse zum Fall.

(Video: Live1.tv)


(Video: Leserreporter)



(Video: Leserreporter)



(Video: Leserreporter)

(bee/meg)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Liebe Post-Mitarbeitende Danke für den Extra-Effort den Ihr anschliessend geleistet habt, um dem Kunden trotz aller Umstände mit der bestmöglichen Dienstleistung zu dienen. – steGB

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Postkunde am 05.09.2012 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    Merci an die vielen die extra länger geblieben sind!

  • Calabro am 05.09.2012 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Spital

    Ich kenne nur das Spital in Schlieren, in Urdorf habe ich noch nie eins gesehen ;o)

    einklappen einklappen
  • BigBienne am 05.09.2012 07:43 Report Diesen Beitrag melden

    Massenpanik und Placeboeffekt

    15 Leichtverletzte durch weisses Pulver in Briefpost? Tönt nach Massenpanik und Placeboeffekt, welcher immerhin bis zu 33% ausmachen kann.

Die neusten Leser-Kommentare

  • tolga am 05.09.2012 13:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unverständnis für kommentare

    an alle besserwisser kommentatoren. der fachbegriff ist nocebo und nicht placebo! ich hätte euch sehen wollen, wenn das an eurem arbeitsort passiert wäre... jeder mensch hätte in diesem moment angst. dies ist doch allzu menschlich. kann solche kommentare einfach nicht verstehen

  • Äss Äff am 05.09.2012 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    Apple- Effekt

    Achtung jetzt kommt Apple mit einer Patent klage wegen der ähnlichen Evakuirung xD

  • LeeRob am 05.09.2012 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    ohne jegliche Vorwarnung...

    1. Ich wünsche den betroffenen eine gute Erholung. 2. Hier sehen wir wie verwundbar wir wirklich sind. Zwar sind wir nicht direkt im Fadenkreuz des Terrors aber das muss auch nicht sein um ein Kollateralschaden in einer Statistik zu werden. In solchen Situationen kann man nicht überreagieren und keine Massnahme ist zuviel um die Sicherheit und Freiheit der Bürger zu garantieren!

  • Frau Miau am 05.09.2012 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung?

    Eigentlich ein völlig nachzuvollziehendes Phänomen, es hätte ja etwas ernstes sein können. Und es ist falsch über die Postangestellten herzuziehen, vielmehr sollte der Absender zur Rechenschaft gezogen werden, der/die hohe Kosten mit dieser Aktion verursacht hat.

  • ferdinand am 05.09.2012 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    umkehren

    das zeigt, zu welchen leistungen das wesen mensch fähig ist, wenn die gedanken mal am arbeiten sind. tipp: umkehren das ganze, mit positiven gedanken und bildern arbeiten.