Gespräch mit Dirne

14. November 2013 15:56; Akt: 16.11.2013 22:40 Print

23-Jähriger in Zürich als illegaler Freier gebüsst

von Attila Szenogrady - Ein Gespräch mit einer Prostituierten ausserhalb der Strichzone in Zürich kommt einen jungen Bündner teuer zu stehen. Er muss eine Busse und die Verfahrenskosten bezahlen.

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Ein Gespräch mit einer Prostituierten wurde einem Bündner in Zürich zum Verhängnis. (Symbolbild) (Bild: Colourbox)

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Achtung: Wer sich im Zürcher Kreis 4 auf offener Strasse auf Gespräche mit Prostituierten einlässt, kann sich strafbar machen. Dies musste auch ein heute 23-jähriger Elektriker aus Chur erfahren. Er reiste am vergangenen 2. Juli mit dem Zug nach Zürich, um wegen eines Arbeitskonflikts einen Anwalt aufzusuchen. Einen unsympathischen Typ, der von ihm im Voraus 3000 Franken verlangt habe, wie der junge Italiener am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Zürich ausführte.

Auf dem Trottoir von einer Prostituierten angesprochen

Unbestritten war, dass der Mann aus dem Kanton Graubünden nach dem Gespräch mit dem Anwalt um 13 Uhr über die Dienerstrasse im Kreis 4 spazierte. Wo er plötzlich auf dem Trottoir von einer Prostituierten angesprochen wurde: «Ficki ficki und Blasen für 50 Franken», lautete das Angebot der käuflichen Dame.

Von da an gehen die Versionen des Südostschweizers und der Polizei auseinander. Gemäss dem Strafbefehl des Stadtrichters machte der Besucher eine Runde um den Häuserblock und betrat nachher gemeinsam mit der Frau eine Liegenschaft. Mit der Absicht, die sexuelle Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. Dazu kam es aber nicht, da zwei zivile Polizeibeamte eingriffen und den mutmasslichen Freier sogleich wegen Widerhandlung gegen die neue Prostitutionsverordnung verzeigten.

«Das ist ein Hexenprozess»

Vor Gericht erzählte der Churer eine völlig andere Version. So habe er mit seinem iPhone einen Fischer-Shop gesucht und sei darum um den Block gegangen. Dann habe er die Prostituierte in einer Türe stehen sehen und ihr Angebot höflich abgelehnt. «Nein danke, vielleicht ein anderes Mal», habe er ihr gesagt. Dann seien plötzlich die Polizeibeamten aufgetaucht und hätten ihn zu Unrecht als illegalen Freier bezeichnet.

Als die zuständige Richterin darauf hinwies, dass die Polizeibeamten als Zeugen gegen ihn ausgesagt hätten und auch die Prostituierte von einer Abmachung gesprochen habe, wurde es laut im Gerichtssaal: «Das ist ein Hexenprozess!», schrie er auf. Das sei, wie wenn er vor dem Gerichtsgebäude ein Feuerzeug in den Händen halte und man ihm nachher anlaste, dass er das Haus habe abbrennen wollen.

«Ich bin unschuldig», erklärte er sichtlich aufgebracht und versicherte, dass er keinen Rappen zahlen werde. Zürich sei das letzte Dreckskaff. Er habe nichts mit einer Prostituierten abgemacht. Nutten könnte er auch in Chur haben.

«Jetzt lande ich auf dem Scheiterhaufen»

Die Richterin glaubte zum Schluss den beiden Polizeibeamten und verurteilte den Churer wegen Nachsuchens einer sexuellen Dienstleistung ausserhalb der Strichzone zu einer Busse von 200 Franken. Hinzu kommen die Gerichtsgebühr sowie sämtliche Verfahrenskosten von rund 1500 Franken.

Nach dem Urteilsspruch brannten die Sicherungen des Elektrikers endgültig durch. Womit klar wurde, weshalb eine Polizeieskorte die Verhandlung überwachte:

«Ich lande auf dem Scheiterhaufen», brüllte er die Richterin an. «Und was grinsen Sie, das ist gar nicht lustig, einen Unschuldigen zu verurteilen!», fuhr er fort. «Ich bekomme wegen Ihnen noch Magengeschwüre», warf er ihr vor. Die Richterin führte dagegen aus, dass der Beschuldigte eine längere Zeit mit der Frau gesprochen habe. Diese habe gegenüber der Polizei bestätigt, dass man handelseinig geworden sei.

Der Beschuldigte verliess danach sichtlich aufgebracht den Gerichtssaal. Er werde nie im Leben etwas bezahlen, sagte er. «Vorher werde ich sterben! Und sie sind das Hinterletzte», lautete sein letztes Wort zur Richterin.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • JackMac am 14.11.2013 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    Witzig ... ode ein Witz?

    Wo er recht hat hat er recht ! Unsere Rechtsprechung verkommt immer mehr zum Wäbstübeler-Witz. Wir haben zu viele Winkeladvokaten und zu viele unnötige Gesetze

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  • Dmac am 14.11.2013 16:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon krass...

    Vergewaltiger und mörder bagatelisiert man aber wenn man mit ner bordsteinschwalbe quatscht wird man bestraft...wow! Und das die beamten oder richterin hier noch mies grinst ist auch eine frechheit... Unsere ganz justiz ist ein riesenwitz!! Geht gegen die richtigen verbrecher vor verdammt!!!!

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  • En Tsetzter am 14.11.2013 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das?

    Was geht hier in Zürich ab? Jemand wird wegen eines Gesprächs mit einer Prostituierten festgehalten, angezeigt und bestraft? Gewalttäter und jugendliche Wiederholungstäter hingegen mit Samthandschuhen angefasst und Drogendealer nach xten Feststellung der Personalien wieder auf freien Fuss gesetzt. Vom neuesten Polizeiskandal ganz zu schweigen. Was läuft hier falsch?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Moo am 17.10.2014 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bleibt besser Zuhause!

    Es ist unglaublich womit sich Polizei und Gerichte befassen. So können sie aber den richtigen Problemen wie Menschenhandel besser aus dem Weg gehen.

  • Walter R am 15.11.2013 01:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Skandalöses Urteil!

    Dieses Urteil gegen diesen angeblichen Freier ist ausserordentlich verwerflich und widerspricht nicht nur jeglichem Rechtsempfinden sondern auch jeglicher Vernunft, da man Aussagen von Zürcher Polizisten keinen Glauben schenken darf, die Chilli-s Affäre beweist das.

  • Jo Klein am 14.11.2013 21:03 Report Diesen Beitrag melden

    Gibt zu denken!

    Zürcher Regierung, Polizei und Richter Wenn ich jetzt auf der Langstrasse in Zürich eine Prostituierte treffe, die ich inn und auswendig kenne, darf ich mit dieser Person keinen Kaffee genehmigen gehen, ohne dass ihr behauptet ich, möchte mit ihr eine Nummer schieben? Also bitte, macht ihr euch nicht lächerlich?

  • Duri Candrian am 14.11.2013 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nicht zahlen!

    Wirklich erbärmlich, wie weit wir hier schon sind. Ich empfehle dem Betroffenen, die Verfahrenskosten überhaupt nicht zu bezahlen, und von der Busse nur einen kleinen Bruchteil von etwa 10 Fr., mit den gleichen Zahlungsinformationen wie die das Original. Dann haben die Behörden so viel Selbstkosten und Aufwand, dass ihnen die Freude an der Weiterverfolgung des Falles garantiert gründlich vergeht. Ich mache dies schon seit Jahrzehnten erfolgreich so für Paragraphen-NonSens. Das ist vollkommen legal. Die Behörden haben bei mir sogar erfolglos versucht, dagegen gerichtlich vorzugehen.

  • Toni am 14.11.2013 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vertrauen

    Mein Vertrauen ist gegenüber Zürcher Polizisten auf Null komma Null gesunken.