Ärger in Dübendorf ZH

04. Dezember 2017 05:48; Akt: 04.12.2017 09:52 Print

300 Wohnungen, aber nur 9 Besucher-Parkplätze

Für 300 Wohnungen einer Siedlung in Dübendorf gibt es gerade mal 9 Besucherparkplätze. Wer jedoch notgedrungen sonstwo parkiert, riskiert eine Busse.

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Im Niemandsland zwischen Wallisellen und Dübendorf, umgeben von Autobahn, Zuglinien und Wäldern, liegt das Zwicky-Areal. Wo einst Seide hergestellt wurde, wird heute vor allem gewohnt – unter anderem in der 2016 bezogenen Überbauung Zwicky-Süd mit rund 300 Wohnungen.

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Reichen 9 Parkplätze für 300 Wohnungen?

Wer dort jemanden besuchen möchte, reist allerdings besser nicht mit dem eigenen Auto an. Das musste H. R.* kürzlich erfahren: Weil es für die ganze Überbauung nur neun Besucherparkplätze gibt und alle besetzt waren, suchte er nach einer Alternative. «Doch es gibt weit und breit keine Quartierstrasse mit blauer Zone», sagt R.

Maximale Parkzeit: Vier Stunden

Notgedrungen stellte er sein Auto neben einem der offiziellen Parkfelder ab. Als er zurückkam, klebte unter dem Scheibenwischer ein Busszettel für die Umtriebsentschädigung von 50 Franken. «Das ist eine Frechheit! Wo hätte ich parkieren sollen?», fragt R. «Oder hätte ich etwa den Besuch sausen lassen sollen?»

Immerhin sollen nächstes Jahr neun weitere Besucherparkplätze hinzukommen. Doch R. stört nicht nur die kleinliche Anzahl von Plätzen: «Auch dass man nur maximal vier Stunden parkieren darf und es auch noch kostet, ist ein Witz.» Manchmal dauere ein Besuch eben länger als vier Stunden.

10 Prozent Besucher-Parkplätze

Gewiss sei die Siedlung dank der nahen Glattalbahn gut an den öffentlichen Verkehr angeschlossen, doch es gebe nun mal Leute, die nur mit dem Auto anreisen können, findet R. – etwa weil sie sehr abgelegen wohnen und deshalb für die Reise unverhältnismässig lang bräuchten. Er sagt: «Am Ende bleibt einem nichts anderes übrig, als das Auto im Parkverbot abzustellen und deshalb eine Busse zu riskieren.»

Der Kanton Zürich empfiehlt den Gemeinden für ihre Parkplatzverordnung einen Parkplatz pro Wohnung und 10 Prozent für Besucher zusätzlich. Im Fall von Zwicky-Süd wären dies auf 300 Wohnungen demnach 300 Bewohner-Parkplätze plus 30 Besucher-Parkplätze. Dass es nun weniger sind, liegt am Gestaltungsplan, der ebenfalls wieder vom Kanton genehmigt wird. Über dieses Planungsinstrument können Bauherren an der Anzahl Parkplätze schrauben.

Autoarme Siedlung

«Zum Glück», sagt Markus Knauss, Geschäftsführer des VCS Zürich. Denn von Gesetzes wegen müsse man oft zu viele Parkplätze bauen. «Selbst grosse Immobilien-Entwickler wollen häufig weniger Parkplätze realisieren, weil sie leerstehende Parkplätze sonst über Wohnungsmieten quersubventionieren müssen.» Zwicky-Süd sei bewusst als autoarme Siedlung konzipiert - also wenig Parkplätze und dafür eine eigene Tram-Haltestelle. Knauss: «Wer autofrei wohnt, hat meistens auch Freunde ohne Auto oder macht sie zumindest darauf aufmerksam, dass es in der Siedlung wenig Parkplätze hat.»

Selbst Reto Cavegn, Geschäftsführer des TCS Zürich, anerkennt die gesellschaftliche Entwicklung Richtung autoarm zu leben und dass die Bewohner solcher Siedlungen sich bewusst dafür entscheiden: «Mühe habe ich allerdings damit, dass man die Verhaltenserziehung auch noch auf die Besucher überträgt.»

*Name der Redaktion bekannt

(tür/rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mani Motz am 04.12.2017 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weltfremd

    Eigentlich gibt es nur eine Bezeichnung für solche Planungen: Weltfremd!

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  • Wanda am 04.12.2017 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist die Partei?

    Gibt es keine Partei, die sich für Autofahrer einsetzt? Ich habe diese grüne Velo-Welle satt!

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  • Sämi am 04.12.2017 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erlenmatt

    Ist in basel nicht anders! Erlenmatt: hunderte wohnungen und nicht ein einziger besucherparkplatz. Nicht mal genügend parkplätze für die bewohner selbst. Aber ein riesen asphaltplatz vor dem haus und keiner weiss wofür...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andi A. am 04.12.2017 18:43 Report Diesen Beitrag melden

    Geschäftsmodell

    Das ist das neue Geschäftsmodell. Radarkontrollen bringen zwar reichen Ertrag, aber da geht noch was. Geschickt baut man Siedlungen mit wenig Parkplätzen. Gerade Leute die nicht so gut zu Fuss sind, müssen dann eine Busse riskieren. Ich bin sicher diese Masche wird Millionen in die Staatskasse spühlen.

  • ungehbehindert am 04.12.2017 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Autoarm = wenig Parkplätze...

    Die Wohnungen dort werden als autoarm gemietet und wer an so einen Ort zieht, kann nicht erwarten, dass da ganze Fussballfelder mit Gratisparkparkplätzen bereitgestellt werden! Zudem, das Tram, das im Viertelstundentakt fährt, ist gleich nebenan. Wer dann unbedingt noch mit dem Auto anreisen will und zwei gesunde Beine hat, kann auch etwas ausserhalb parkieren und per Tram die Destination erreichen, damit gehbehinderten Besuchenden ein freier Platz bleibt. Wo liegt also das Problem?

  • PasseAndKurt am 04.12.2017 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach...

    Ich wohne seit Juli 2016 dort und die Verwaltung interessiert sich ein scheiss für die Bewohner und Ihre Probleme. Bis vor 3 Wochen waren es sogar nur 3-5 die offen waren. Jetzt sind noch ein paar dazu gekommen. Jeden Abend wird kontrolliert und Strafzettel verteilt. Ganz EINFACH: Wenn der Parkautomat kaputt ist muss man auch nichts zahlen (sagte mir der Kontrolleur) Tja jetzt muss nur der Parkautomat kaputt gehen und Zack gibt es keine Strafe für diese Nacht ;-) Ps: Liebe Livit und Co. sorgt euch mehr für euer Mieter

  • Patrick am 04.12.2017 17:08 Report Diesen Beitrag melden

    Die Lösung heisst Park-Local...

    Ein bekanntes Problem - aber dazu gibt es bereits eine Lösung. Mit der Webaplikation und der zugehörigen App von Park-Local maximieren Sie die Flächennutzung Ihrer Parkplätze. Die Verwaltung kann die Parkplätze für die Mieter, resp. die Besucher aufschalten. So kann die geringe, zur Verfügung stehende Fläche effizient geplant und ausgelastet werden - ohne Suchverkehr im Quartier...

  • Erica am 04.12.2017 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verwaltung passt...

    ...zu der Parkplatzmisere. Wenn man bei denen an einer Wohnung interessiert ist, muss man zuerst je nach Wohnungsgeösse ab 500 Franken überweisen, dass man dann vielleicht einmal ein Angebot erhält. Der Hammer der Hämmer ist, dass die, die sich Genossenschaft nennen, wenn es zum Vertragsabschluss kommt, von einem Mieter für eine 2 1/2-Zimmer Whg. 31'000 Franken einfordern. Für solche fehlkonzipierten Wohnungen eine absolute Frechheit.

    • franziska am 04.12.2017 18:19 Report Diesen Beitrag melden

      Gang und gäbe bei Genossenschaften

      Bei Genossenschaften ist es gang und gäbe, dass man anstelle eines Depots, einiges an Geld hinterlegen muss. Irgendwie müssen die ja an Geld kommen, damit die Wohnungen tendenziell günstiger sind!

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