Kritik an Stadt Zürich

02. Juli 2019 18:23; Akt: 02.07.2019 18:23 Print

32-Prozent-Pensum auf vier Tage verteilt

Immer mehr tiefe Pensen in Kitas und Horten werden auf mehrere Tage verteilt. Die Gewerkschaft wehrt sich dagegen.

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Der Schulkreis Zürich-Glattal sucht derzeit eine neue Hortleitung.
Motiviert, lebensfroh, herzlich, zuverlässig und belastbar soll diese sein. Die Bewerberin oder der Bewerber muss zudem eine Ausbildung als Sozialarbeiterin oder Sozialpädagoge, Lehrer oder Kindergärtnerin vorweisen oder einen Uniabschluss in Sozialpädagogik, Pädagogik oder Erziehungswissenschaften besitzen. Das Pensum beträgt 32 Prozent. Der Haken dabei: Die Stellenprozente sind auf vier Tage von 10 bis 14 Uhr verteilt.

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Das findet der Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) nicht in Ordnung, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Laut der Gewerkschaft werden solche Anforderungen immer häufiger gestellt – vor allem in Berufen der Kinder- und Jugendlichenbetreuung in Krippen, Horten und Tagesschulen.

Immer mehr Fälle

«Wir bearbeiten momentan mehrere Fälle von Frauen aus der Stadt Zürich, die genau aus diesen Gründen an uns gelangt sind», sagt Florian Thalmann vom VPOD Region Zürich. So würden beispielsweise Pensen von 60 Prozent, die jahrelang auf drei Tage verteilt gewesen seien, bereits auf vier Tage verteilt.

Das sei vor allem für Frauen äusserst problematisch, die finanziell auf einen zweiten Job angewiesen wären, unter diesen Umständen aber keine zweite Stelle finden. Aber auch für jene, die für die Betreuung für das eigene Kind einen zusätzlichen Tag organisieren müssen.

Stadt sieht kein Problem

Die Stadt sieht indes kein Problem in dieser Praxis. «Es gibt viele, die wollen Teilzeit arbeiten», sagt Regina Kesselring vom Schulamt, das dem Zürcher Schuldepartement angehört. Viele Personen mit Teilzeitpensum würden ­während der Schulwochen in einem höheren Pensum arbeiten, um Mehrstunden während der 13 Wochen Schulferien zu kompensieren.

Zudem würden viele aus persönlichen Gründen in Teilzeitpensen arbeiten, weil sie parallel eine Aus- oder Weiterbildung absolvierten oder weil das Pensum zum Familienmodell passe.«In der Betreuung sind auch viele ­ältere Mitarbeitende tätig, die nur wenige Stunden pro Tag arbeiten wollen.» Bei Stellen­besetzungen erfahre man die Bedingungen ja im Inserat.

Unattraktive Bedingungen werden zunehmen

Der VPOD moniert, dass von einem solchen Teilzeiteinkommen in Kitas und Horten niemand leben könne, die Löhne in den Kitas seien grundsätzlich viel zu tief. «Mitarbeitende mit so kleinen Pensen kommen nicht einmal auf das Existenzminimum.» Und obwohl Zürich bessere Löhne bezahle als andere Gemeinden, sei auch bei guter Bezahlung der ausbezahlte Lohn bei einem 32-Prozent-Pensum, das auf vier Tage verteilt ist, gering. Der VPOD befürchtet, dass solch unattraktive Arbeitsbedingungen in Zukunft massiv zunehmen werden.

(maz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tom67 am 02.07.2019 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausnützung

    Wenn ich 4 Tage zu 4 Stunden rechne, ergibt das 16 Stunden pro Woche. Bei 40h pro Woche ergibt das einen 40% Job. Bei 45h pro Woche immernoch 35.55% Job. 32.5% gibts, wenn täglich noch 3/4h Mittag abgezogen wird bei 40h Woche. Ich hoffe, dass die niemanden finden, der solche Arbeitsbedingungen akzeptiert! (Ausser Basislohn beträgt 15'000 monatlich ) Aber irgendjemand in einer Notlage wird diese Bedingungen akzeptieren, leider....

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  • Heidi Wirth am 02.07.2019 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    Mogelpackung

    Da gibt's nur eins: strikter Dienst nach Vorschrift - und genau 14:00 ausstempeln, und allen den Rücken kehren, die da noch schreien es sei noch die und jenes zu tun. Dann hört die Mogelei mit den pensen schon auf - oder Überstunden aufschreiben, ich meine solche die als Überstunden auch wirklich ausbezahlt werden.

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  • Globemaster am 02.07.2019 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja...

    Nun ja, schlussendlich regelt der Markt das Angebot. Im Kanton Bern gibt es auf der Primarstufe auch immer wieder "Rest"-Pensen die dann aber oftmals nicht leicht zu besetzen sind. Beispiel eines Ortes im Seeland: total 4 Lektionen an 3 verschiedenen Tagen. Die Stelle konnte so dann auch nicht besetzt werden, es hat sich schlicht niemand gefunden...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kopfschüttler am 03.07.2019 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    was mir in den Kommentaren stinkt,

    richtig gute Comments für die Teilzeit werden mit "Ja aber" und zig Ausreden warum so ein Teilzeitjob blöd ist gegen argumentiert. Dazu fällt mir eigentlich nur Eines ein. Wer einen Job will findet Lösungen wer keinen Job will findet Ausreden warum wieso weshalb er / sie so nicht schaffen will. Macht Euch schon mal darauf gefasst, dass es auf dem Arbeitsmarkt noch schlimmer wird Nur Wunschkonzert ohne reelle Gegenleistung, da werden es einige von den heute Jungen noch richtig schwer haben.

  • Peter Meiser am 03.07.2019 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Problem?

    Was ist das Problem? Da heissts es gibt zu wenige Teilzeitstellen, wenn es Teilzeitstellen gibt sind die Bedingungen nicht genehm... meint Ihr nur der Arbeitnehmer kann seine Wünsche befriedigen und die Arbeitgeber sollen sich Euch anpassen? Niemand dem es nicht passt muss diese Stelle annehmen, ich denke es gibt vielleicht sogar Personen welchen diese Aufteilung passt.

  • Joe Pereda am 03.07.2019 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Informiert Euch

    Im Detailhandel ganz normal. Zu tieferen Löhnen. Denken diese Betreuer/innen sie seien etwas besseres?

    • Teilzeitlerin da mami am 03.07.2019 15:11 Report Diesen Beitrag melden

      Joe Pereda

      und das ist ok oder was??

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  • Nebu Kadne Zar am 03.07.2019 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Völlig Normal

    Völlig normal, Teilzeit, Temporäre und Mitarbeiter mit reduziertem Pensum je nach Bedarf einzusetzen. Auf Abruf jederzeit antraben und wieder weg geschickt werden. Durch den halben Kanton anfahren für ein paar Stunden Verdienst zum Hungerlohn, inzwischen...völlig normal. Human Resources macht uns zu Rohstoffen; Kohle, Holzscheite, Äpfel, Birnen, Kartoffeln, Briketts, Heiz-Pellets.

  • susi müller am 03.07.2019 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    %mi

    Das ist bei uns auf der Post auch nicht anders. Mit 60% arbeite ich manchmal 3 volle Tage die Woche, manchmal 6 Tage mit wenigen Stunden. Anders ginge es nicht bei uns...... Heisst es.