«Stromfest»

08. September 2009 07:19; Akt: 08.09.2009 07:34 Print

AKW feiert Jubiläum

Das Atomkraftwerk Leibstadt im Kanton Aargau ist seit 25 Jahren am Netz. Das soll am kommenden Wochenende mit einem grossen «Stromfest» gefeiert werden. Der Reaktor an der Rheingrenze zu Deutschland produzierte bisher so viel Strom, wie die ganze Schweiz in dreieinhalb Jahren verbraucht.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Unter anderem wird am «Stromfest» der Kernkraftwerk Leibstadt AG (KKL) eine 25 Kilometer lange Leuchtgirlande aufgestellt. Das Leuchtschauspiel besteht aus 41 650 stromsparenden LED-Lampen.

Den Dauerbetrieb hatte das AKW Leibstadt am 15. Dezember 1984 aufgenommen. Seither produzierte die Anlage rund 200 Milliarden Kilowattstunden Strom. Sie deckt 15 Prozent des Schweizer Stromverbrauchs oder den Bedarf von rund einer Million Einwohnern.

Die Nettoleistung des Siedewasserreaktors des US-Konzerns General Electric (GE) stieg über die Jahre von 960 auf 1165 Megawatt, wie die KKL zum 25-Jahr-Jubiläum festhält. Der Wirkungsgrad sei verbessert und zwei gezielte Leistungserhöhungen seien vorgenommen worden.

Seit Bestehen des Werkes investierten die Betreiber rund 500 Millionen Franken in Verbesserungen der Anlagen. Die Baukosten hatten sich auf 4,8 Milliarden Franken belaufen. Im AKW Leibstand sind rund 470 Mitarbeiter sind beschäftigt. Jeder Fünfte kommt aus dem grenznahen Ausland.

Technische Lebensdauer bis 2045

Mit einem präventiven Schutz der Reaktoreinheiten will die KKL die technische Lebensdauer der Anlage bis mindestens ins Jahr 2045 sicherstellen. Das Ziel ist, den Reaktor und seine Einbauten vor Spannungsrisskorrosion zu schützen.

Bei der «Schutzimpfung» wird die Chemie der 200 Tonnen Wasser im Reaktorkreislauf geändert. Pro Stunden werden rund zwei Kilogramm Wasserstoff sowie einmal im Jahr rund 730 Gramm des Edelmetalls Platin ins Reaktorwasser beigegeben.

Viele AKW-Projekte

Die Chronik des letzten in der Schweiz in Betrieb genommenen AKW reicht weit zurück. Das Projekt «Leibstadt» startete 1964. Treibende Kraft war damals eine Interessengemeinschaft aus der Elektrowatt und der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk AG.

Ein Jahr später wurde der Antrag für die Standortbewilligung bei den Bundesbhörden eingereicht. Für Leibstadt sprachen die Nähe zum Rhein, die geringe Distanz zur Schaltanlage in Laufenburg AG und die geologischen Voraussetzungen.

Damals wurden auch Pläne für Atomkraftwerke in Däniken SO, Kaiseraugst AG, Rüti SG, Verbois GE, Graben BE und Inwil LU gewälzt. Bis auf das AKW Gösgen in Däniken mit Betriebsaufnahme 1979 wurde keines dieser Projekte gebaut. Sie scheiterten vor allem am Widerstand der Bevölkerung und der Anti-AKW-Bewegung.

Ohne Kühlturm geplant

Das AKW Leibstadt sollte ursprünglich mit Rheinwasser gekühlt werden - genau so, wie die drei damals laufenden Atomkraftwerke. In Betrieb standen die beiden Beznauer Reaktoren in Döttingen AG und das AKW Mühleberg BE.

Der Bund verbot 1971 jedoch für das Projekt Leibstadt eine Flusswassekühlung, nachdem er zwei Jahre zuvor die Standortbewilligung erteilt hatte. Der Grund für das Verbot: Es wurde eine Erwärmung des Flusses befürchtet, weil noch weitere AKW- Projekte am Rhein geplant waren.

Mit dem Bau der Anlage in Leibstadt wurde 1974 begonnen. Ein Konsortium der schweizerischen Brown Boverie & Cie (BBC) in Baden und der US-Konzern General Electric bauten den Reaktor und das Maschinenhaus schlüsselfertig.

Die Eigentümer sind heute zur Hauptsache der Energiekonzern Alpiq mit 32,4 Prozent, die Nordostschweizerische Kraftwerke AG (NOK) mit 22,8 Prozent sowie die Elektrizitäts-Gesellschaft Laufenburg AG (EGL) mit 16,3 Prozent. Die Centralschweizerische Kraftwerke AG (CKW) hält 13,6 Prozent. Mitbeteiligt sind auch die AEW Energie AG und die bernische BKW FMB.

(sda)