Rosengartentunnel

28. Januar 2020 04:45; Akt: 28.01.2020 04:45 Print

Ade «Pesttangente» oder Nein zu «Prestigebau»?

von Barbara Lanz - Soll die Rosengartenstrasse einen Tunnel und Tramlinien bekommen? Darüber müssen die Stimmbürger im Februar entscheiden.

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Die Rosengartenstrasse in Zürich ist eine der am stärksten befahrenen ­Strassen in der Schweiz, die durch ein Wohngebiet führt. Die Zürcher stimmen am 9. Februar über das Projekt Rosengartentunnel und Rosengartentram ab.

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Geplant ist ein 2,3 Kilometer langer Strassentunnel zwischen Hardbrücke und Milchbuck. Zudem soll eine durchgehende Tramverbindung zwischen Milchbuck und Albisriederplatz gebaut werden. Die veranschlagten Kosten: 1,1 Milliarden Franken. Der Bund wird voraussichtlich etwa ein Drittel übernehmen.

Das Projekt ist bei Politikern und Anwohnern stark umstritten. Die Befürworter weisen auf die Entlastung der Achse sowie eine Aufwertung des Quartiers Wipkingen hin, die Gegner argumentieren mit hohen Kosten und Mehr­verkehr.

Team Nein
Nicola Siegrist, Kantonsrat SP/Juso

Der Rosengartentunnel verkörpert eine Verkehrspolitik des letzten Jahrhunderts. Angesichts der Klimakrise, die von allen Parteien anerkannt wird, ist es ein absoluter Unsinn, so etwas noch festzuzementieren. Es verbessert die Situation praktisch nicht, wir sprechen von 700 Metern, die entlastet werden. Es steigert die Verkehrskapazität sogar noch und die umliegenden Quartiere haben mit mehr Verkehr zu kämpfen. Als wäre das nicht schon genug, kommt hinzu, dass man eine absurde Summe von 1,1 Milliarden Franken einsetzen will. Dieses Geld fehlt für andere Projekte in der Stadt, aber insbesondere auf dem Land. Der Kanton Zürich hat 700 Kilometer Strasse, die von starkem Lärm betroffen sind. Dort bräuchte es ebenso dringend Massnahmen.

Ich habe 23 Jahre in Wipkingen gewohnt. Der Lärm ist tatsächlich belastend, aber es gibt andere Vorschläge. Man muss deshalb nicht einem sehr schlechten Projekt zustimmen. Zehn Jahre Baustelle werden das Quartier noch mehr auseinandertreiben. Für uns ist zudem die Tramlinie ein grünes Mäntelchen für Pro-Stimmen. Man könnte das Busnetz ausbauen. Mittelfristig werden wir um den Ausbau der Tramlinien nicht herumkommen, aber dafür muss man nicht Millionen in einen Tunnel stecken.

Team Ja
Camille Lothe, Präsidentin Junge SVP Kanton Zürich

Es ist eine Tatsache, dass diese Strasse ein Schandstück von Zürich ist. Mit diesem Projekt kann man etwas für die gesamte Verkehrsleistung machen. Es ist ein super Projekt, das Vorteile für alle Verkehrsteilnehmer hat: Für Fussgänger mit den neuen Plätzen, die entstehen. Endlich eine Tramverbindung vom Albisriederplatz bis zum Milchbuck. Für die Anwohner mehr Lebensqualität und auch für die Autofahrer, da wir hoffen, dass der Verkehr wieder besser fliesst.

Wir bei der SVP schauen sehr genau, was etwas kostet. Mit den beiden Fonds ist genug Geld zur Verfügung für dieses Projekt. Sonst würden wir das nicht unterstützen. Man muss zwar jetzt Geld in die Hand nehmen, aber langfristig wird die Stadt Zürich wirklich profitieren können. Auch für das Gewerbe lohnt sich das langfristig. Ich arbeite an der Hardbrücke und sehe tagtäglich, wie es dort läuft. Mit diesem Projekt verändert sich die Lebensqualität nachhaltig. Es ist Zeit, dass die «Pesttangente» verschwindet.

Team Nein
Thomas Wirth, Kantonsrat GLP

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei diesem Projekt ist enorm schlecht, für 700 Meter verkehrsberuhigte Strasse so viel Geld. Es hat weder für den ÖV noch für den Individualverkehr wesentliche Vorteile. Ich sehe auch grössere städtebauliche Probleme. Die Tunnelportale müssen monströs werden mit all den Spuren von der Hardbrücke in den Untergrund und von der Rosengartenstrasse an den Wipkingerplatz. Und das Tram muss auch noch Platz finden. Das würde das ganze Quartier verschandeln. Diese Strasse ist eine Erbschaft einer verkehrten Verkehrspolitik und man muss ehrlich sein: Die Rosengartenstrasse wird nie ein Paradies. Aber dieses Projekt wird es nicht richten. Weder vom Lärm her noch für das Quartier.

Beim Individualverkehr zeichnet sich eine Elektrifizierung ab und diese wird für die Rosengartenstrasse ganz klar auch Vorteile haben mit der Zeit. Wenn die Entwicklung so weiter geht ist das Lärm- und Luftqualitätsproblem entschärft, bevor der Tunnel eröffnet wird. Und: Wir haben doch im Kanton Zürich noch andere Verkehrsprobleme zu lösen. Wer meint, wir hätten unbeschränkt Geld, der irrt. Wir müssen das Geld dort ausgeben, wo es einen Sinn hat und nicht für so ein unnötiges Prestigeprojekt.

Team Ja
Sandro Lienhart, Präsident Jungfreisinnige Kanton Zürich

Aus unserer Sicht löst dieses Projekt ein konkretes Problem. Sowohl der Individualverkehr als auch der ÖV wird berücksichtigt und es wertet das Quartier auf. Das Problem Rosengartenstrasse besteht seit über 50 Jahren und hat sich in den letzten Jahren zugespitzt. Wir sind der Meinung, dass das Projekt sauber finanziert ist aus Strassenfonds und Verkehrsfonds. Das Geld wurde also richtig investiert plus es wird noch ein Zustupf aus Bundesbern erwartet. Es ist ein stabiles Projekt.

Die Gegenseite denkt zu wenig weit. Es gibt so viele Anforderungen, die nicht anders lösbar sind. Sicherheitstechnische Aspekte wie der Gegenverkehr, der getrennt stattfinden wird. Oder die Linienführung. Es ist die einzig mögliche, die so wenig Kollateralschaden wie möglich gibt. Es fehlt also an Alternativen. Uns ist wichtig, dass der Individualverkehr neben dem ÖV nicht benachteiligt wird und dieses Projekt ist ein Kompromiss, bei dem beide Anliegen einbezogen werden. Dieses Projekt berücksichtigt alle Anspruchsgruppen und wertet die Stadt Zürich sowie den gesamten Kanton auf.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Blub Blub am 28.01.2020 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere Baustelle

    Sollen lieber erstmal die Oberlandaurobahn fertig Bauen. Ist ja für jedes Dorf eine zumutung, egal ob Hinwil Wetzikon Uster oder alles um den Greifensee das ist ja mittlerweile ein Horror, für Anwohner und Tier.

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  • Frido am 28.01.2020 05:43 Report Diesen Beitrag melden

    Nein den...

    Es ist wichtig das die Stadt Zürich sich immer weiter abschirmt. Immer weiter das Gewerbe vertreibt und und so immer mehr Steuergeld verschwinden. Lustig ist aber das da wieder einer glaubt die EMobilität sei die Lösung aller Probleme...

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  • Typhoeus am 28.01.2020 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heutige Verkehrspolitik

    Nur Velo und Trottinet, morgen autonom fahrende Kinderwagen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mensen Sann am 29.01.2020 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal so mal so ne

    Ich find lustig..die die da jammer sind sicher die gleichen die jammer wegen dem vielen Verkehr....

  • H. Cheng am 29.01.2020 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Seit ich denken kann bauen bauen bauen

    Ein klares Nein zur erneuten Quersubentionierung von Hoch- und Tiefbau Gewerbe zum X-ten Mal soll der Steuerzahler durch unsinnige Projekte das Baugewerbe und damit die Wirtschaft zum Brummen bringen. Ja ja der Fortschritt und Entwicklung, mittlerweile ist die Stadt eine Hochglanz-Steinwüste aus Beton und Glas mit etwas Alibi-Gestrüp dass alle 2 Jahre, nachdem es wieder verdorrt ist ersetzt wird. Das soll Lebensqualität sein?

  • Büli am 28.01.2020 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    A51

    Baut endlich die Autobahn A51 bis Nach rafz und Glattfelden die genau so wichtig

  • Stadt Zürcher am 28.01.2020 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    ich bin dagegen weil

    1. Sobald endlich mal der Gubrist fertig ist und sein Dauerstau ein Ende hat wird sicher nicht mehr die Abkürzung über die Rosengarten- Strasse genommen. 2. Wenn endlich mal die Lichtsignalanlagen so gesteuert würden dass nicht extra Stau entsteht. 3. Wenn die Leute endlich mal die 50km/h auch fahren würden statt 30 bergauf und bergab wäre automatisch weniger Lärm (...) und Stau Aber will man dass denn überhaupt ??

    • Rolf F. am 28.01.2020 17:48 Report Diesen Beitrag melden

      Bin dafür, aber die Argumente sind gut.

      Ich unterstütze alle Argumente (vorallem Punkt 3), aber bin nichts desto trotz für den Bau. Wipkingen hat es nach fast 60 Jahren verdient. 1.1 Mrd sind heutzutage und dazu noch in Zürich, wirklich nicht viel.

    • Daniel Meier am 28.01.2020 19:47 Report Diesen Beitrag melden

      Baustelle 2024 bis 2031 für die Anwohner

      Rolf F, fraglich wie viel Wipkinger davon profitieren. Diejenigen deren Häuser nicht abgerissen werden, und diejenigen die 7 Jahre Baulärm mitmachen wollen, die vielleicht, aber der grosse Rest? Vom Strassenverkehr werden grad mal 700 Meter halbwegs befreit, aber dafür fährt dann ein lärmendes Tram durch und auch weiterhin Autos in der 30er Zone, da man nicht zwingend in den Tunnel muss. Staus wird es weiterhin geben, das Quartier bleibt durch die Strasse "gespalten" auch wenn am einen Ende sowieso bereits Höngg beginnt. Die Tramlinie nützt der Stadt auch nicht viel, Buslinien wären besser.

    • Bib the builder am 29.01.2020 15:31 Report Diesen Beitrag melden

      nein

      7 Jahre Strassenlärm? Ausser rentner und ein paar Arbeitslose sind dann am arbeiten und hören von dem Lärm nichts.

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  • Kim yong Tram am 28.01.2020 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    geniale Umverteilung

    geniale Umverteilung, 3 km Tram vom Hardplatz zum Bucheggplatz für 1,1 Milliarden aus dem Strassenfonds zu bezahlen und den MIV mit dem Tram auf der hardbrücke weiter zu behindern