14. November 2007 23:30; Akt: 14.11.2007 22:24 Print

Absurd: Dielsdorf schickt Deutsche in Deutschkurs

Dielsdorf schickt Deutsche in den Deutschkurs – selbst wenn sie in der Schweiz geboren sind. Über die Schweizermacher lacht man sogar im Ausland.

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«Grüessech» – Ulrich Kring spricht Schweizerdeutsch mit Berner Akzent, weil er in Thun geboren und aufgewachsen ist. Seit Jahren lebt der 70-jährige Sohn eines deutschen Sprachwissenschaftlers in Dielsdorf. Eine Einbürgerung sei da nur noch Formsache, dachte er. Nicht so in Dielsdorf.

Der Gemeinderat teilte ihm mit, er müsse «als nächster Schritt eine Standortbestimmung in Deutsch absolvieren». Kosten inklusive Prüfung: 250 Franken. Der deutschen Sprache mächtig schmunzelte Kring über den Grammatikfehler im Schreiben – und bat, man möge ihm das Prozedere erlassen. Nichts da, antraben, wieherte ihm der Amtsschimmel entgegen. «Den Blödsinn mache ich nicht mit», entschied Kring und reichte beim Bezirksrat Rekurs ein. Wie der Tagi berichtete, schickt Dielsdorf sogar einen in der Gemeinde aufgewachsenen Deutschen in den Sprachkurs.

Über «die Bürokratie in Reinform» witzeln selbst renommierte deutsche Medien wie Spiegel.de und die «Süddeutsche Zeitung». Auch Kring hat seinen Humor nicht verloren: «Als Deutscher würde ich jetzt sagen, die Kacke ist ganz schön am Dampfen.» Gemeinderatspräsident Peter Tobler war gestern für eine Stellungsnahme nicht erreichbar – und seinen Mitarbeitern verpasste er einen Maulkorb.

Alexandra Roder