Turbenthal ZH

01. Juni 2011 08:00; Akt: 31.05.2011 23:32 Print

Aggressiver Autolenker muss ins Gefängnis

von Attila Szenogrady - Ein rabiater Autolenker hat bei Adlikon im Weinland einen anderen Autohalter massiv bedrängt ausgebremst und körperlich attackiert. Nun muss der mehrfach vorbestrafte Angreifer für zehn Monate hinter Gittern.

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Es war am 12. Oktober 2008, als ein heute 39-jähriger Techniker aus Turbenthal am Vormittag mit seinem Personenwagen über die Autostrasse A4 in Richtung Rudolfingen fuhr. Kurz vor der Ausfahrt bei Adlikon drosselte er sein Tempo auf rund 75 km/h, da er wusste, dass ihm mehrere Baustellen bevorstanden. Zum grossen Aerger eines ihm nachfolgenden Lenkers, der sich über die vorsichtige Fahrweise des späteren Geschädigten ärgerte und von hinten zu drängeln begann.

Ueberholt, ausgebremst und attackiert

Laut Anklage schloss der ungeduldige Plattenleger sehr nahe auf und betätigte dabei die Lichthupe. Allerdings vergeblich, da der Techniker nicht schneller fuhr, sondern nur noch langsamer. Was den heute 33-jährigen Deutschen so stark aufregte, dass er dem Turbenthaler nicht nur nachfuhr, sondern auch nach der Ausfahrt bei Adlikon rechts überholte und ausbremste.

Die Staatsanwaltschaft schilderte, wie der aufgebrachte Angreifer seinen Wagen verliess und seinen Kontrahenten attackierte. Dabei stiess er mehrfach die Autotüre gegen das Opfer und klemmte dabei dessen Bein ein. Dann zerstörte er mit einem Fusstritt einen Aussenspiegel des gegnerischen Fahrzeugs und suchte das Weite. Worauf der am Unterschenkel verletzte Geschädigte nicht nur sogleich die Polizei aufsuchte, sondern sich auch in Spitalpflege begab.

Wenig zugegeben

Die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland leitete eine Strafuntersuchung gegen den ausfindig gemachten Plattenleger ein und klagte ihn wegen groben Verkehrsdelikten, Tätlichkeiten sowie Sachbeschädigung an. Allerdings stellte der in Basel wohnhafte Deutsche schon während der Untersuchung die meisten Vorwürfe vehement in Abrede. Er gab lediglich die verbotene Betätigung der Lichthupe zu. Ansonsten drehte er den Spiess um und lastete dem Geschädigten eine kriminelle Fahrweise an. Zudem habe dieser ihm einen Faustschlag versetzt, gab er zu Protokoll.

Dem Opfer geglaubt

Am Montag stand der Deutsche vor dem Zürcher Obergericht und beteuerte erneut seine Unschuld. Auch die Verteidigung verlangte Freisprüche von den Hauptvorwürfen. Allerdings vergebens. So folgten die Oberrichter den glaubhaften und schlüssigen Darstellungen des Schweizer Geschädigten. Es sei schwer vorstellbar, dass der Geschädigte alles erfunden habe, um eine ihm bis zum Vorfall völlig unbekannte Person zu Unrecht belasten, führte der Gerichtsvorsitzende Franz Bollinger bereits während der Befragung zur Sache aus.

Zehn Monate unbedingt

In seinem schriftlich zugestellten Urteilhat das Obergericht den Angeschuldigten anklagegemäss verurteilt und zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten sowie 500 Franken Busse verurteilt. Damit bestätigten die Oberrichter im Wesentlichen einen bereits im August 2010 gefällten Entscheid des Bezirksgerichts Andelfingen. Mit einer wichtigen Ausnahme. Im Gegensatz zur ersten Instanz verweigerte das Obergericht dem Verkehrssünder den bedingten Strafvollzug. Was bedeutet, dass der bereits mehrfach vorbestrafte Angreifer hinter Gittern muss. Zudem muss er dem Opfer einen Schadenersatz von rund 179 Franken sowie eine Prozessentschädigung von 3000 Franken bezahlen. Nicht zuletzt soll der Beschuldigte sämtliche Verfahrenskosten von über 10 000 Franken tragen.