Klassenfotos

01. Juli 2014 08:04; Akt: 02.07.2014 11:35 Print

Aggressives Werben der Fotografen nervt Lehrer

Vor den Sommerferien buhlen die Klassenfotografen um Aufträge: Für Eltern und Lehrer werden die aggressiven Verkaufsmethoden jeweils zur Plage.

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Die Konkurrenz unter den Schulfotografen ist sehr gross - das bekommen Lehrer und Eltern zu spüren. (Bild: Colourbox.de)

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Mindestens ein Klassenfoto klebt fast in jedem Fotoalbum. Auch heute noch lichten Fotografen Schüler und Kindergärtler ab, nicht immer zur Freude von Lehrern und Eltern. Denn die Konkurrenz unter den Fotografen ist gross – Selbständige und Firmen kämpfen um Aufträge.

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Dies bekommen die Schulen zu spüren. Robert Züller, Schulleiter der Primarschule Hettlingen, sagt etwa zum «Landboten», dass die Fotografen auf der Suche nach Aufträgen einfach in die Lektionen platzen. «Diese Hausiererei stellen wir aber jeweils sofort ab.» Auch auf Lockvogel-Angebote sei­en sie noch nie eingegangen, obwohl ihnen schon Laptops oder Beamer als Gegenleistung für Auf­träge angeboten wurden. Weil sich einige Lehrer an dieser Praxis dermassen nerven, schiessen immer mehr Schulen das Klassenfoto einfach selbst.

Verkaufsmethoden nerven Eltern

Ebenfalls nerven sich Eltern über die Verkaufsstrategien der Schulfotografen. Bei einigen Unternehmen erhalten sie das ganze Set, zu dem auch Mausmatten und Magnete gehören, nach Hause zur Ansicht. Es besteht kein Kaufzwang, dem Druck der Kinder geben aber ­viele Eltern nach, was dem Zürcher SP-Gemeinderat Kyriakos Papageorgiou missfällt. In einer schriftlichen Anfrage an den Stadtrat kritisierte er vor einem Jahr diese Praxis als unökologisch und moralisch fragwürdig. Eltern würden unter Druck gesetzt, den Kindern möglichst viel zu kaufen. Durch die Vorabproduktion würde zudem unnötiger Abfall erzeugt und kostbare Ressourcen verschleudert.

Der Stadtrat sieht hingegen keinen Grund, die Praxis zu ändern. Die Zusammenarbeit mit den Fotografen falle in die Kompetenz der Lehrer und Schulleitungen, schrieb er in einer Antwort. Auf den Vorwurf hin, unökologisch zu sein, heisst es: 88 Prozent aller ausgelieferten Waren würden verkauft; die zurückgeschickten Mausmatten würden wiederverwendet. Die Eltern seien im Normalfall fähig, mit dem Druck umzugehen und sich gegen einen Kauf zu entscheiden.

(som)