«Das ist pietätlos»

30. April 2019 04:50; Akt: 30.04.2019 04:50 Print

Aktivisten empört, weil Tierärzte Säuli grillieren

Jedes Jahr organisieren Tiermedizinstudenten auf dem Zürcher Tierspital-Areal das Säulifest. Dabei wird ein Spanferkel verzehrt. Tierrechtsaktivisten sind empört.

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Weil der Fachverein Veterinärmedizin der Universität Zürich am 10. Mai das alljährliche Säulifest organisiert und dabei auch Spanferkel verzehrt werden, sind Tierrechtsaktivisten empört. Wenn es nach den Mitgliedern der Autonomen Tierrechtsaktivisten Zürich (ATAZ) geht, sollen Tierärzte kein Fleisch essen dürfen. «Für uns ist es völlig unverständlich, dass ausgerechnet Studierende, die lernen Tiere zu heilen, Fleisch nicht nur essen, sondern dieses Essen als Spanferkel auch noch in besonderer Art zelebrieren.» Das sei pietätlos, so ein Mitglied. Ida Bähler, Tiermedizinstudentin und Mitglied beim Fachverein Veterinärmedizin der Universität Zürich, bestätigt, dass am Säulifest Spanferkel verspeist werden. Warum das pietätlos sein soll, versteht sie hingegen nicht: «Ich persönlich esse kein Fleisch, finde aber den Brauch des Spanferkels sehr respektvoll.» Wie Bähler sagt, ist der Tod in ihrem Beruf nun mal ein täglicher Begleiter: «Als Tierarzt lernt man zu töten, was man liebt. Dies ist nur möglich, wenn der Tod nicht als grausam betrachtet wird.» Auch Patrick Kircher, Direktor des Tierspitals Zürich, findet es durchaus legitim, wenn Tierärzte Fleisch essen: «Dass das Thema eine Kontroverse auslöst, verstehe ich.» Dem Zürcher Tierschutz ist eine tiergerechte Haltung ebenfalls extrem wichtig: «Es spielt keine Rolle, in welcher Form das Fleisch auf den Tisch kommt. Doch die Tiere müssen gemäss ihren Bedürfnissen gehalten, mit Respekt behandelt und schonend getötet werden», sagt Co-Geschäftsleiterin Nadja Brodmann. Zudem sieht Brodmann keinen Widerspruch darin, Tiere zu heilen und gleichzeitig zu essen: «Das Heilen ist aus Tierschutzsicht zwingend, um das weitere Leiden der Tiere zu verhindern.»

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Der Fachverein Veterinärmedizin der Universität Zürich organisiert im Mai auf dem Zürcher Tierspital-Areal das alljährliche Säulifest. Neben Fussball- und Volleyballspielen findet auch ein Säulirennen und ein anschliessendes Spanferkelessen statt. Und genau das empört die Autonomen Tierrechtsaktivisten Zürich (ATAZ).

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«Ich finde den Brauch sehr respektvoll»

Denn wenn es nach den ATAZ-Mitgliedern geht, sollen Tierärzte kein Fleisch essen dürfen. «Für uns ist es völlig unverständlich, dass ausgerechnet Studierende, die lernen Tiere zu heilen, Fleisch nicht nur essen, sondern dieses Essen als Spanferkel auch noch in besonderer Art zelebrieren.» Das sei pietätlos, so ein Mitglied.

Ida Bähler, Tiermedizinstudentin und Mitglied beim Fachverein Veterinärmedizin der Universität Zürich, bestätigt, dass am Säulifest Spanferkel verspeist werden. Warum das pietätlos sein soll, versteht sie hingegen nicht: «Ich persönlich esse kein Fleisch, finde aber den Brauch des Spanferkels sehr respektvoll.» Immerhin werde beim Verzehr eines Spanferkels bewusst das ganze Tier verwertet und nicht nur das schönste Muskelfleisch, so Bähler.

«Der Tod ist ein täglicher Begleiter»

Ebenso werde einem durch den Anblick des noch erkennbaren Tieres bewusst, dass man ein anderes Lebewesen für den eigenen Genuss opfert: «Viele verknüpfen das Verzehren von säuberlich abgepacktem Fleisch nicht damit, dass beim Einkaufen vor ihnen im Kühlregal eine ganze Geschichte lagert, die mit dem ersten Atemzug der ach so süssen Tierbabys beginnt und irgendwo hinter den hohen Wänden eines Schlachthauses mit dem letzten Herzschlag endet.»

Wie Bähler sagt, ist der Tod in ihrem Beruf nun mal ein täglicher Begleiter: «Als Tierarzt lernt man zu töten – zu töten, was man liebt. Dies ist nur möglich, wenn der Tod nicht als grausam betrachtet wird.»

Auch Patrick Kircher, Direktor des Tierspitals Zürich, findet es durchaus legitim, wenn Tierärzte Fleisch essen: «Dass das Thema eine Kontroverse auslöst, verstehe ich.» Es sei aber im Leben nun mal so, dass Nutztiere verzehrt werden: «Wenn das Fleisch auch noch aus tiergerechter Haltung kommt, sehe ich darin kein Problem.»

Kein Widerspruch für den Zürcher Tierschutz

Dem Zürcher Tierschutz ist eine tiergerechte Haltung ebenfalls extrem wichtig: «Es spielt keine Rolle, in welcher Form das Fleisch auf den Tisch kommt. Doch die Tiere müssen gemäss ihren Bedürfnissen gehalten, mit Respekt behandelt und schonend getötet werden», sagt Co-Geschäftsleiterin Nadja Brodmann. «Alles andere wäre ethisch nicht vertretbar.»

Zudem sieht sie keinen Widerspruch darin, Tiere zu heilen und gleichzeitig zu essen: «Das Heilen ist aus Tierschutzsicht zwingend, um das weitere Leiden der Tiere zu verhindern.» Gerade bei Nutztieren sei es wichtig, dass sie gesund sind. «Sonst verliert das Fleisch von kranken Tieren seinen Nutzen und muss entsorgt werden.»


(mon)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Swiss ship yard am 30.04.2019 06:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das Seine

    Warum meinen Menschen immer sie müssten anderen bis ins intimste Privatleben vorschreiben was sie zu tun haben? Die "Aktivisten" sollen essen oder nicht essen was ihnen beliebt und andere in Ruhe lassen! Ich wundere mich wie die Zeit haben nebst Job und anderen Verpflichtungen sich überall unerwünscht einzumischen.

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  • Denkpause am 30.04.2019 06:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich ...

    ... fahren diese Aktivisten nicht mit Velos umher, sonst könnten sie dabei Mücken verschlucken.

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  • Don Bazoo am 30.04.2019 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    echt jetzt?

    Man kann es mit dem Aktivismus echt auch übertreiben...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heiri am 30.04.2019 18:16 Report Diesen Beitrag melden

    Naiv

    Was für eine naive Vorstellung, dass Veterinäre nur Tierli heilen sollen. Die Fleischschau nach dem Schlachten gehört auch zu den Aufgaben von Veterinären.

  • Ursa. K am 30.04.2019 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aktivisten und Tierärzte

    Hört endlich auf damit, anderen Menschen vorschreiben zu wollen was sie zu tun haben. Es gibt schon genug überflüssige Gesetze, da braucht es euch Aktivisten nicht auch noch dazu. Kehrt zuerst vor Eurer eigenen Haustür bevor Ihr schweizweit in Empörung ausbrecht.

  • Werner am 30.04.2019 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Nachdenken

    Stellt Euch vor, alle würden nur noch vegetarisch Essen, dann würden die lieben Tiere verhungern.

  • olii am 30.04.2019 08:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nimmt mich wunder

    wäre interessant ob alle tierschützer kein fleisch essen? da trau ich wetten ;-)

  • Santa Monica am 30.04.2019 08:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bilanz

    Es ist richtig. Wir müssen immer an den Haltungsbedingungen verbessern. Jedoch es sind nicht nur die Haltebedingungen. Diese Tiere die wir essen sind nicht ausgewachsene Tiere. Die meisten sind 1Monat Poulet 2Monat Kalb, 6Monat Schwein und 4Jahre Milchkuh. Obwohl deren Lebenslänge eigentlich bis 8 Jahren und 25 Jahren wären. In Prozent sind diese 1% oder 16% Lebenszeit. Demzufolge essen wir Tierbabies. Wenn Jeder seine Gerichte selber vom Hof als ganzes abholen würde. Hätten wir deutlich weniger Fleischesser.