21. April 2005 12:06; Akt: 22.04.2005 08:34 Print

Alexander Pereira bleibt in Zürich

Pereira, der in Zürich 600 000 Euro pro Jahr verdient, sei für die Kassen der finanziell angeschlagenen Scala zu teuer, berichtete «Repubblica».

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Alexander Pereira bleibt bis 2011 am Zürcher Opernhaus. Als Grund gab der Intendant am Donnerstag seine «übergrosse Liebe» zu diesem Haus an. Im Übrigen hat der Zürcher Regierungsrat die geplante Subventionskürzung zurückgenommen.

Pereira hatte vor rund 14 Tagen ein konkretes Angebot erhalten, in unüblicher Personalunion als künstlerischer Leiter und gleichzeitig Intendant an der Mailänder Scala das Zepter zu übernehmen. Am «Mittwochabend um 20 Uhr» habe er dem Verwaltungsrat der Scala seinen Entscheid mitgeteilt, in Zürich bleiben zu wollen, erklärte Pereira am Donnerstag vor den Medien.

«Ich hätte mir das absolut zugetraut», sagte er. Es sei aber so, dass er am Zürcher Opernhaus hänge und es liebe. Er fühle sich wie jemand, der «gelernt hat, ein ganz raffiniertes Fahrzeug zu lenken». Und jetzt, wo er es könne, wolle er nicht aussteigen, «sondern einige Geschwindigkeitsversuche machen». Pereira ist seit 1991 künstlerischer Leiter des Opernhauses.

Zusammen mit Chefdirigent Franz Welser-Möst werde er «neue Aspekte» ins Opernhaus bringen, die für die Stadt wichtig sein dürften, deutete der Intendant an. Genaueres mochte er darüber noch nicht sagen. Klar wurde nur: Auch Welser-Möst bleibt in Zürich.

Keine Subventionskürzung

Ebenfalls am Mittwoch habe der Zürcher Regierungsrat entschieden, auf die angekündigte Kürzung der Subventionen um zwei Millionen Franken zu verzichten, sagte der Präsident des Opernhaus- Verwaltungsrats, Josef Estermann. Damit bleibt es bei den heutigen Subventionen. Für den Erhalt dieser Beiträge von 67 Millionen pro Jahr hatte Pereira seit langem gekämpft.

Laut Estermann sind von öffentlicher und privater Seite Zusagen gemacht worden, das erreichte Gleichgewicht zwischen Subventionen, Sponsoren und Karteneinnahmen zu erhalten: Die Mittel, welche für die «Umsetzung von Pereiras Konzept nötig» seien, sollen vorhanden sein. Dennoch bleibe der finanzielle Rahmen eng.

Hilfsangebot an Scala

Er habe eine Analyse der Scala gemacht, sagte Pereira. Die Mitarbeitenden hätten ihm einen ausgezeichneten Eindruck gemacht. Es sei ein Haus mit viel Kraft und Substanz, dessen finanzielle Probleme «leichter zu lösen sind, als man meint». Wenn man sehe, wie viel Geld die Wirtschaft in Mailand der Oper gebe, «da schlackern einem die Ohren», sagte der Wiener.

Nach den Abgängen von Stardirigent Riccardo Muti, dem Orchester- Chef und dem Intendanten sei in der Scala eine grosse Unsicherheit entstanden. Er habe deshalb angeboten, bei der Planung der nächsten Spielzeit behilflich zu sein, da die Zeit für einen neuen Intendanten sehr knapp sei, erklärte Pereira.

(sda)