Racheakt

30. November 2010 13:28; Akt: 02.12.2010 08:26 Print

Als die Mafia in Zürich eine Bombe legte

Heute Donnerstag kommt der Bombenleger von Höngg vor Gericht. Mit dem gescheiterten Anschlag hätte eine offene Rechnung in der Serbenmafia beglichen werden sollen.

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Am 17. Dezember 2006 gab es in Zürich-Höngg Bombenalarm. Für einmal evakuierte die Polizei die Nachbarschaft nicht umsonst. Sie entschärfte eine Bombe, die unter einem Mercedes lag. Der Sprengsatz wog ein halbes Kilo und hätte mittels eines Handyzünders den Serben Dragan L.* in die Luft jagen sollen.

Am kommenden Donnerstag und Freitag steht der bosnische Bombenleger S. M. vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona. Auftraggeber war gemäss den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft der Serbe T., der aber nicht vor Gericht steht.

Mord am helllichten Tag

Laut der serbischen Zeitung «Blic» (das übrigens dem Schweizer Medienhaus Ringier gehört) sollte der Anschlag auf L. eine Racheakt sein für den Mord an Zdravko Keseljevic. Der wurde 1998 am helllichten Tag vor einer Amsterdamer Bank ermordet. Mit dabei war gemäss der serbischen Zeitung damals Keseljevics Cousin Darko Saric - einer der grössten Drogenbosse Europas (siehe Box). Die serbische Zeitung vermutet, er könnte hinter dem Mordversuch in Höngg stehen.

Obwohl Überwachungskameras den Mord in Amsterdam aufzeichneten, gaben sie kein brauchbares Beweismaterial ab. Schliesslich verhaftete die Polizei mehrere Personen, die sie des Mordes an Keseljevic verdächtigte – darunter Dragan L. Angeblich schuldeten sie Keseljevic und Saric Geld. Die Polizei konnte L. aufgrund mangelnder Beweise nicht verurteilen – was den Saric-Clan aber nicht von seinen Racheplänen abhielt, vermutet «Blic».

Sprengstoff von zuhause

Laut der Zeitung stammt der Plastiksprengstoff, aus dem die Bombe in Höngg gebaut war, aus Serbien. Gemäss der Gerichtsforensik hätte ihre Sprengkraft ausgereicht, Personen im Umkreis von 3,5 Metern zu töten oder schwer zu verletzen. Obwohl die Bombe funktionstüchtig war, versagte sie aber, als S. M. sie zu zünden versuchte.

Der Bosniake floh nach Serbien, stellte sich aber im Dezember 2008 den Schweizer Behörden. Er muss mit einer langen Strafe rechnen. Laut Bundesanwaltschaft hat er bei den Befragungen eine «extreme Geringschätzung für das Leben bekundet».

*Name der Redaktion bekannt.

(job)