Motorsäge-Attacke

26. Juli 2017 09:56; Akt: 26.07.2017 13:10 Print

Angreifer hatte zwei geladene Armbrüste dabei

Die Schaffhauser Polizei hat in einer Pressekonferenz Details zur Festnahme des Motorsäge-Angreifers bekanntgegeben.

Ravi Landolt, Chef der Sicherheitspolizei Schaffhausen, steht im Interview Red und Antwort. (Video: Tamedia)
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Grosses Aufatmen bei der Schaffhauser Polizei und der Bevölkerung: Der Motorsägen-Angreifer von Schaffhausen ist gefasst. Er hat sich bei seiner Verhaftung in Thalwil ZH gestern Abend nicht gewehrt und liess sich widerstandslos festnehmen, obwohl er bewaffnet war.

Angreifer in Schaffhausen

Die Suche nach dem 51-Jährigen, der am Montagvormittag in der Schaffhauser Altstadt gezielt zwei CSS-Mitarbeiter mit einer Kettensäge angegriffen hatte, war intensiv und aufwändig. Sie begann am Montag kurz nach der Tat um 10.39 Uhr, als bei der Schaffhauser Polizei die Meldung einging und sofort Grossalarm ausgelöst wurde.

Pistolenarmbrüste und angespitzte Holzstücke

Obwohl die Altstadt grossräumig abgesperrt wurde und in der Region über 300 Polizisten im Einsatz standen, gelang dem mutmasslichen Täter die Flucht. «Zwei Spürhunde konnten seine Spur bis zur Rheinbrücke verfolgen. Dort verlor sie sich dann», sagte Ravi Landolt, Chef der Sicherheitspolizei, am Mittwoch vor den Medien. Wie genau der Mann entkommen konnte, ist noch nicht geklärt.


Staatsanwalt Peter Sticher im Interview. (Video: Tamedia)

Geendet hat die Suche gestern Abend kurz vor 19 Uhr in Thalwil ZH: Die Kantonspolizei Zürich hat den Gesuchten verhaftet. Der Mann sei alleine zu Fuss unterwegs gewesen und habe sich bei seiner Festnahme nicht gewehrt. «Er verhielt sich anständig und kooperativ», sagte der zuständige Staatsanwalt Peter Sticher. Dies war nicht selbstverständlich, denn die Polizei stufte den Mann als psychisch auffällig und gefährlich ein. Tatsächlich war er bei seiner Festnahme bewaffnet: Er hatte in einem Plastiksack zwei geladene Pistolenarmbrüste und zwei angespitzte Holzstücke dabei.

Von der Motorsäge fehlt bislang jede Spur. Laut Sticher werde danach weiter gesucht. Die zwei Armbrüste hätten gemäss jetzigem Kenntnisstand weder bei der Tat noch bei der Flucht eine Rolle gespielt.

Erste Befragung am Mittwochnachmittag

Wieso sich der Gesuchte in Thalwil aufhielt - rund 60 Kilometer vom Tatort entfernt - und wie er dahin gelangte, kann die Polizei noch nicht sagen. Er wird heute Nachmittag erstmals befragt. Auch sei unklar, wie lange er sich schon in der Zürichsee-Gemeinde befand, sagte Landolt.

Auch bezüglich seines Motivs konnte der 51-Jährige noch nicht befragt werden. Seine Gepäckstücke werden momentan kontrolliert.

Eine Rechtsmedizinerin untersucht den Mann nun körperlich, um festzustellen, ob er sich Verletzungen zugezogen hat. Zudem wird seine Psyche abgeklärt. Er befindet sich momentan im kantonalen Gefängnis Schaffhausen. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren wegen mehrfacher strafbarer Handlungen gegen Leib und Leben eröffnet. Für den Mann gelte die Unschuldsvermutung, betonte Sticher.

Hinweis aus der Bevölkerung

Bereits am Tattag wurde mittels Öffentlichkeitsfahndung nach dem Täter gesucht. So kam denn auch der entscheidende Hinweis aus der Bevölkerung, wie Sticher sagte. Landolt sprach von einem Puzzle, das sich langsam zusammensetzte und die Polizei schliesslich nach Thalwil führte. Es seien mehrere Hinweise gewesen, die schliesslich zum Erfolg geführt hätten.

Die «vielen Hinweise», denen nachgegangen wurde, führten unter anderem auch zu Polizeiaktionen in der Region Schaffhausen, im Zürcher Weinland und in der Region Diessenhofen TG.

CSS-Mitarbeiter nannten Täter

Der Mann hatte am Montagvormittag in der Schaffhauser Altstadt gezielt zwei Mitarbeiter der CSS-Versicherung mit einer Motorsäge angegriffen und einen von ihnen schwer verletzt. Dieser wurde operiert und befindet sich noch im Spital. Er ist jedoch nicht in Lebensgefahr. Sein Kollege konnte das Spital bereits wieder verlassen. Der Hinweis zum Täter kam laut Landolt von ihnen.

Zwei Kunden, die sich in den Büroräumen befanden, erlitten einen Schock. Eine weitere Person wurde beim Polizeieinsatz leicht verletzt.

Während der Suche nach dem Täter befand sich Schaffhausen im Ausnahmezustand. Die Polizei rief zur Vorsicht auf und warnte vor ihm. Der mutmassliche Täter hatte keinen festen Wohnsitz und lebte in der letzten Zeit vor allem in Wäldern. Er ist bereits zweimal wegen leichten Verstössen gegen das Waffengesetz verurteilt worden.

(NXP/sda)