Zürcher Sekschüler

01. November 2018 19:13; Akt: 01.11.2018 19:13 Print

Viele Mobbing-Opfer entwickeln Angsstörungen

Eine Studie der Stadt Zürich zeigt, dass jeder 6. Schüler der 2. Sekundarschule Anzeichen einer Angststörung oder Depression aufweist. Ein Psychologe erklärt die Gründe.

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In der Stadt Zürich weist jede fünfte Schülerin und jeder achte Schüler der 2. Sekundarschule Anzeichen einer Angststörung oder Depression auf. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie. «Die grosse Mehrheit der befragten 14-Jährigen stuft aber ihre Gesundheit als gut bis ausgezeichnet ein. Zudem sind die meisten mit ihrer Lebenssituation zufrieden», sagte Claude Hunold, Direktor der Schulgesundheitsdienste, am Donnerstag an der Pressekonferenz.

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Es sei nur ein kleiner Teil der Jugendlichen, der Belastungen und Risiken aufweisen würde. Für die Untersuchung haben die Schulgesundheitsdienste der Stadt Zürich alle Schüler der 2. Sekundarklassen zu ihrer Gesundheit und ihrem Lebensstil befragt. Knapp 1700 Fragebögen wurden dafür ausgewertet.

Früherkennung bei Betroffenen wichtig

Mädchen sind mit rund 21 Prozent bei Angststörungen und 20 Prozent bei Depressionen häufiger betroffen als Knaben. Bei männlichen Jugendlichen sind es je 12 Prozent. Gründe dafür können unterschiedlich sein. So berichten Schüler mit ängstlichen und depressiven Gefühlen häufiger von Diskriminierungs- und Ausgrenzungserfahrungen.

Fast ein Drittel der Betroffenen sagt, dass sie ein oder mehrmals pro Woche Diskriminierung in der einen oder anderen Form erleben. Dabei werden sie geärgert, beschimpft, beleidigt oder es werden Gerüchte über sie verbreitet.

«Für die Prävention und Gesundheitsförderung ist es daher wichtig, Angst und Depressionen möglichst früh zu erkennen und auch zu behandeln», sagt Claude Hunold, Direktor der Schulgesundheitsdienste. «Ein Mindestwissen über Auffälligkeiten ist für Schule und Lehrer wichtig.» Die Erarbeitung eines Präventionsprojekts sei bei den Schulgesundheitsdiensten in Planung.

«Mobbing hat neue Ausmasse angenommen»

«Dass Angststörungen und Depressionen bei Jugendlichen weit verbreitet sind, verwundert mich nicht», sagt Psychologe Thomas Spielmann. Für den Experten, der jahrelang mit Jugendlichen arbeitete, sind die Gründe auf dem Pausenplatz zu finden: «Schikanen auf dem Pausenplatz sind nicht selten.» Zudem habe Mobbing neue Ausmasse angenommen. Seit dem Aufkommen des Internets könne man seine Mitmenschen anonym mobben, so der Psychologe.

«Wird man fertiggemacht, nagt das am Selbstwertgefühl und kann im schlimmsten Fall in Depressionen enden.» Bei Jugendlichen sei die Gefahr besonders gross: «Sie sind mental noch nicht so gefestigt wie Erwachsene.» Dass viele Jugendliche keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, habe nicht nur mit Scham oder Angst zu tun, erklärt der Experte: «Oft werden solche Probleme in der Familie gar nicht besprochen.»

(mon)