Getöteter Florian

27. April 2010 18:16; Akt: 27.04.2010 18:28 Print

Anwalt von Mutter will Vergleich

Der Anwalt der Mutter des 4-jährigen Florian, der Ende Februar in Winterthur von seinem Vater getötet worden war, verlangt von der Gemeinde Bonstetten viel Geld. Er strebt damit einen aussergerichtlichen Vergleich an.

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Gustav G. (links) am Dienstag, 24. März 2015, im Zürcher Obergericht. Der Angeklagte versucht in der Berufungsverhandlung eine mildere Strafe zu erreichen. Die Anklage verlangt erneut die Verwahrung. Das Bezirksgericht Winterthur hatten Gustav G. (rechts) am 28. August 2013 wegen Mordes schuldig gesprochen und verhängte eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren. Der damals 60-jährige Vater, Gustav G., hatte seinen Sohn Florian am 26. Februar 2010, in einem Zimmer des Hotels Krone in Winterthur umgebracht. Der Sarg des kleinen Florian am 5. März 2010 bei seiner Beerdigung in Kloten ZH. Eine Nachbarin beschrieb den Vater als ernsthaften Mann mit einem fröhlichen Kind: «Florian war ein sehr fröhliches Kind, er lachte ständig.» Florian war am 27. Februar 2005 in Valencia, Spanien, geboren worden. Später zogen die unverheirateten Eltern nach Bonstetten, wo sie sich Anfang 2008 trennten. Seitdem herrschte Streit um das Sorgerecht des Buben. Gustav G. (nicht im Bild) bekam das alleinige Sorgerecht für sein Kind zugesprochen – das, obwohl die Behörden wussten, dass G. 1990 seinen damals 13-jährigen Sohn Reto zu töten versucht hatte. Hinter der Tat stand die Befürchtung des Vaters, seine Ex-Partnerin könnte den Knaben in ihr Heimat Brasilien entführen. Er sei in Panik gewesen, gab der Schweizer vor Gericht an. Wegen des Falls lief auch ein Strafverfahren gegen die Bonstetter Gemeindebehörde, weil sie Gustav G. die Obhut über Florian zugesprochen hatte. Es wurde jedoch 2014 eingestellt, da die Gefährlichkeit des Vaters selbst für Experten nicht erkennbar gewesen sei. Dieser Entscheid wurde selbst vom Bundesgericht gestützt.

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Nach Ansicht der Mutter ist die Gemeinde an dem Tötungsdelikt mitschuldig. «Befriedigender» als ein langwieriger Rechtsstreit wäre ein Schuldeingeständnis der Gemeinde und ein Vergleich, sagte Anwalt Burkhard Wolf am Dienstag gegenüber dem Regionaljournal von Radio DRS.

Er wundere sich, dass die Gemeinde auf die um Ostern herum eingereichte Klage bisher nicht reagiert habe, sagte Wolf auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Wieviel Geld er genau für seine Mandantin verlangt, wollte er nicht verraten. Mit der Grössenordnung von einer Viertelmillion Franken «liegen Sie nicht falsch», sagte er.

Der Rechtsvertreter der Gemeinde Bonstetten, Tomas Poledna, weiss nach eigenen Angaben nichts von einem angestrebten Vergleich. Zurzeit sei die Gemeinde daran, eine Stellungnahme auf eine Klage der Mutter auszuarbeiten. Dafür habe sie drei Monate Zeit. Diese werde man allerdings voraussichtlich nicht in Anspruch nehmen.

Das Kind war Ende Februar in einem Winterthurer Hotelzimmer von seinem Vater getötet worden. Die Mutter macht der Gemeinde Vorwürfe, weil diese - nach einigem Hin und Her - dem Vater das Sorgerecht für den Buben gegeben hatte. Dies, obwohl der Mann in den 1990-er Jahren schon seinen inzwischen erwachsenen ersten Sohn hatte töten wollen.

(sda)