Zürich

15. September 2010 19:28; Akt: 15.09.2010 23:59 Print

Anwohner kämpfen gegen 118-Meter-Silo

Der Zürcher Gemeinderat will neben dem Prime Tower einen zweiten Turm in Schweizer Rekordhöhe im Kreis 5. Die Anwohner haben wegen des Schattenwurfs keine Freude am Gebäude und sammeln Unterschriften gegen den Koloss.

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So soll der 120 Meter hohe Swissmill-Siloturm aussehen. (Bild: PD)

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Mit 104 zu 10 Stimmen bei 3 Enthaltungen hiess das Parlament am Mittwochabend den Privaten Gestaltungsplan «Kornhaus Swissmill» gut.

Zum Ärger der Anwohner: «Der Bau hat massive Auswirkungen auf das Stadtbild und gibt der beliebten Letten-Badi Schatten», sagt Beni Weder, Quartiervereinspräsident von Wipkingen. Bereits nächsten Mittwoch möchte er mit der Unterschriftensammlung für ein Referendum gegen die Errichtung des künftig zweithöchsten Zürcher Gebäudes nach dem Prime Tower anfangen. «Die Bevölkerung soll darüber abstimmen», so Weder.

Gegner: Ab 16 Uhr Schatten in der Badi Letten

AL-Gemeinderat Richard Wolff sagte gestern im Gemeinderat: «Ausgerechnet ab 16 Uhr – wenn die meisten Leute in die Badi gehen – gibt es Schatten.» Wipkingen sei ein Wohnquartier und dürfe nicht an Erholungszonen einbüssen.

Die Aufstockung des Speichervolumens führt gemäss stadträtlicher Weisung nicht zu einer Produktionssteigerung. Wie bis anhin erfolgt die Anlieferung des Getreides über bereits bestehende Gleise per Bahn. Die Erhöhung des Speicher-Fassungvermögens an einem zentralen Standort mache deshalb auch ökologisch Sinn, sagte die Kommissionssprecherin.

Das heute 40 Meter hohe Getreidesilo des Getreideverarbeiters Swissmill soll auf 120 Meter erhöht werden. Die zusätzliche Speicherkapazität ist nötig, da der Speicher in Basel im Zusammenhang mit der dortigen Stadtentwicklung geschlossen wird. Er fasst rund 60 000 Tonnen Getreide, die künftig in Zürich Platz finden.

Befürworter: Turm war vor der Badi da

Für die Erhöhung des Speicherturms ist ein Privater Gestaltungsplan «Kornhaus Swissmill» nötig. Er umfasst auch die Gestaltung des Sihlufers, etwa die Erstellung eines Fussweg am Wasser.

Der 120 Meter hohe Turm wäre das zweithöchste Gebäude der Schweiz - sechs Meter niedriger als der Prime Tower, der in der Nähe bereits im Bau ist. Laut einem AL-Sprecher wäre es zudem «das höchste Silo Europas, wenn nicht der Welt».

Am Standort am Sihlquai im früheren Industriequartier wird seit über 150 Jahren Getreide verarbeitet. Der Siloturm soll laut Kommissionssprecherin an die einstigen Hochkamine im Quartier erinnern. Daran knüpften die Befürworter an: «Die Mühle war lange vor der Badi und den Quartierbewohnern da», sagt SP-Gemeinderätin Christine Seidler.

Turm schafft keine Arbeitsplätze

Der von der Quartierbevölkerung monierte Schattenwurf des Turms auf die benachbarte Flussbadeanstalt Unterer Letten sei zwar bedauerlich - das Bauvorhaben liege aber im übergeordneten Interesse einer ausgewogenen Stadtentwicklung und der gesamten Bevölkerung.

Gerade dies stellte die einzige gegnerische Fraktion, die AL, in Abrede - in Wirklichkeit wäre eine Lebensqualitätseinbusse im Quartier die Folge. Man wende sich nicht gegen Swissmill oder gegen Industrie in der Stadt, sagte ein AL-Sprecher, sondern verlange bessere Lösungen.

Im Übrigen schaffe die Aufstockung keinen einzigen zusätzlichen Arbeitsplatz. Angesichts der bereits getätigten hohen Investitionen in den Standort sei zudem nicht zu befürchten, dass Swissmill aus Zürich auszöge, sollte der Gestaltungsplan abgelehnt werden.

Industrie im Trendquartier

Stadtrat André Odermatt, Vorsteher des Hochbaudepartements, erinnerte daran, dass sich die Stadt für die Förderung zukunftsträchtiger Industriebetriebe ausgesprochen habe. Es sei positiv, dass im Trend- und Ausgeh-Quartier Zürich West weiterhin eine industrielle Produktion erfolge.

Der Turm sei nicht einfach ein «hohler» Getreidespeicher, sagte Odermatt. Er enthalte komplizierte Einrichtungen, die für die Herstellung der unterschiedlichen Produkte wichtig seien.

(ast,tor/sda)