Gerichtsprozess

30. April 2018 08:29; Akt: 30.04.2018 12:50 Print

Lehrling stiehlt Kokain aus Apotheke

Ein Lehrling einer Apotheke im Fricktal hat sich bei Morphin, Ritalin, Kokain und Viagra bedient. Doch was hat Kokain in einer Apotheke zu suchen?

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Der Apothekerin wurde vorgeworfen, ihre Sorgfaltspflicht verletzt zu haben. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Weil ein Lehrling aus einer Apotheke im Fricktal 2014 ein halbes Jahr lang Medikamente gestohlen hatte, stand seine Lehrmeisterin vor dem Bezirksgericht in Rheinfelden. Laut Anklageschrift, die der «Aargauer Zeitung» vorliegt, hatte der junge Mann unter anderem bei Morphin, Ritalin, Kokain und Viagra mit einem Gesamtwert von 11'000 Franken zugegriffen.

Beim Diebstahl sei der Täter raffiniert vorgegangen. Er bestellte Medikamente und löschte die Bestellung im Computer gleich wieder. Die Lieferungen nahm er persönlich entgegen, die Lieferscheine liess er gleich verschwinden. «Er hat alle getäuscht, wenn wir die Statistik beim Lieferanten nicht angefordert hätten, wäre es wohl nie ausgekommen,» sagte eine Angestellte der Apotheke vor Gericht aus. Fünf Gramm Kokain soll er aus dem Tresor der Apotheke gestohlen haben, ausserdem habe er sich bei Altmedikamenten bedient.

Kokain in Augentropfen

Unter den gestohlenen Medikamenten war Kokain, rund 15 Gramm davon. Doch wieso hat eine Apotheke Kokain? Für Lukas Korner, Präsident des Aargauischen Apothekerverbands, hat Kokain heutzutage in einer Apotheke nichts zu suchen. «Zahnärzte brauchten früher Kokain bei der Lokalanästhesie, auch in Augentropfen war es zu finden. Heute sehe ich keinen Grund, in einer Apotheke noch Kokain zu haben», erklärt Korner im Gespräch mit «Tele M1». Gemäss der Informations-Website Pharmawiki sind in der Schweiz derzeit keine Medikamente mit Kokain mehr im Handel. Sie sind jedoch nicht verboten und können auf ärztliches Rezept in einer Apotheke hergestellt werden. So schreibt eine Apothekerin in ihrem Blog, dass sie Kokain wegen seiner gefässverengenden Wirkung etwa zur Herstellung von Augentropfen genutzt habe.

Wegen Verdachts auf Verletzung der Sorgfaltspflichten hatte die Staatsanwaltschaft die Apothekerin per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 150'000 Franken sowie einer Busse von 7000 Franken verurteilt. Dagegen wehrte sich die Apothekerin. Sie habe den Lehrling weder selber eingestellt, noch betreut. Die verantwortliche Drogistin habe unbedingt einen Lehrling einstellen wollen. «Sie war zuständig für ihn, die Mitarbeiterbetreuung lag bei ihr.» Der Lehrling stand selber vor Gericht, das Urteil geht jedoch aus den Artikeln der «Aargauer Zeitung» nicht hervor.

Gerichtspräsidentin und Einzelrichterin Regula Lützelschwab sprach die Frau anschliessend frei. «Als gute Lehrmeisterin hat sie sich um den Lehrling gekümmert, es gab wohl Hinweise, aber keine Zeichen, dass bei ihr sämtliche Alarmglocken hätten schrillen müssen». Somit sei die Sorgfaltspflicht nicht verletzt worden.

(sep)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Apothekerin am 30.04.2018 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!

    Und bei der Monatsrechnung sind die fehlenden Lieferscheine nicht aufgefallen? Und was ist mit der BG-Kontrolle? Sehr fraglich, denn in einer Apotheke sollte es eigentlich genug Vorkehrungen geben das so etwas nicht passiert.

  • luca am 30.04.2018 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    willkommen in der schweiz

    wo die filialleiterin für die missetaten ihres lehrlings fast fünfstellige beträge hinblättern muss.

  • c.h am 30.04.2018 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strafmaß ohne Mass!

    mich würde interessieren was für ein Strafmaß der Staatsanwalt für den Lehrling gefordert hat.Sicher nicht 150'000 CHF!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Oli am 30.04.2018 18:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ha?

    Wieso darf eine Lerhling Bestellung oder Lieferung entgegend nehmen ohne Aufsicht?

  • Martin S. am 30.04.2018 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als nächstes Banklehre

    Die nächste Lehre sollte er bei einer Bank machen oder ins Parlament "einziehen". Dort gibt es keine Begrenzung und Konsequenzen für Kokain.

  • bond am 30.04.2018 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Europäisches gesetz

    diese apoteke muss gut laufen bei einer bussevon 150 000 sfr unsere gesetze sind nicht mehr tragbar wir müssen europäs hische gesetze annehmen sonstwerden wir in der schweiz bald bussen haben für falschparkieren 10 000 sfr plus 2 jahre gefängnis usw

  • Herr Paternoster am 30.04.2018 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    ja henau

    wieso braucht eine Apotheke um Gotteswillen Kokain

  • Herr Paternoster am 30.04.2018 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    Kokain in einer Apotheke, sehr suspekt, Morphium könnte ich noch verstehen