06. April 2005 15:04; Akt: 06.04.2005 15:04 Print

Arbeitserziehung statt Zuchthaus

Ein 21-jähriger Zürcher muss laut Bezirksgericht Zürich in die Arbeitserziehung, weil er in Bus und Tram Passagiere brutal überfallen hat.

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Die Staatsanwaltschaft hatte eine Zuchthausstrafe von zweieinhalb Jahren gefordert.

Der junge Mann begann seine Überfall-Serie zusammen mit vier Kollegen am 18. Mai 2003, als das Quintett im VBZ-Bus der Linie 46 einen Fahrgast übefiel. Dieser wurde mit einem Messer bedroht und mit der Faust auf den Kopf geschlagen. Obwohl das Opfer einen epileptischen Anfall erlitt, nahmen ihm die Täter das Handy ab.

Die Bande schlug in der Folge ein halbes Dutzend Mal zu, in der S-Bahn oder auf der Tramlinie 2. Die Opfer wurden dabei regelmässig verprügelt und erlitten Verletzungen. Zudem wurde ihnen Bargeld, Mobiltelefone oder Abonnements abgenommen. Im Sommer 2004 wurden den Räubern schliesslich das Handwerk gelegt.

Schweres Verschulden

Die Staatsanwaltschaft lastete dem grösstenteils geständigen Angeschuldigten bandenmässigen Raub, Diebstahl, Sachbeschädigung und diverse weitere Delikte an. Der Strafantrag lautete auf zweieinhalb Jahre Zuchthaus. Der Staatsanwalt sprach von einem schweren Verschulden.

Das Bezirksgericht liess am Mittwoch Gnade vor Recht walten und gab dem jungen, einschlägig vorbestraften Mann eine letzte Chance. Es schob die mehrjährige Zuchthausstrafe auf und wies den Täter stattdessen in eine Arbeitserziehungsanstalt ein.

Sollte diese Massnahme scheitern, droht dem 21-Jährigen doch noch der mehrjährige Strafvollzug. Gegen die vier anderen Bandenmitglieder wurden die Verfahren bei Jugendanwaltschaften ohne öffentlichen Prozess durchgeführt.

(sda)