Vier Jugendliche niedergestochen

15. Juni 2011 08:00; Akt: 14.06.2011 22:36 Print

Arbeitserziehung statt acht Jahre Knast

von Attila Szenogrady - Ein junger Schweizer hat in Zollikerberg gleich vier Jugendliche niedergestochen und zum Teil lebensgefährlich verletzt. Nun wurde der geständige Täter wegen mehrfach versuchter Tötung zu einer hohen Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt. Allerdings wurde der Strafvollzug zugunsten einer Massnahme für junge Erwachsene aufgeschoben.

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Der blutige Vorfall vom 25. Juli 2009 war vor Gericht nicht mehr bestritten. Damals hielt sich der damals 18-jährige Beschuldigte aus Zürich mit mehreren Kollegen in der Gemeinde Zollikerberg auf. Dabei trank sich der Jugendliche einen Rausch an und konsumierte Kokain. Um Mitternacht begaben sich die Stadtzürcher zum Schulhais Rüterwies, wo sie auf sechs Jugendliche aus Zollikerberg trafen.

Vier Opfer niedergestochen

Fest steht, dass der Angeklagte die einheimischen Jugendlichen zu provozieren begann: «Was isch scho Zollikerberg?», wollte er wissen und forderte die Geschädigten zu einem Kampf heraus. Als eines der späteren Opfer versehentlich eine am Boden stehende Cola-Flasche umwarf und sich diese über die Schuhe des Angeklagten ergoss, eskalierte die Situation. Der Beschuldigte verlangte, dass man ihm sofort die Schuhe putze. Danach schlug er einem ersten Geschädigten an den Kopf.

Die Anklageschrift schilderte, wie der Angreifer in der Folge zu Boden geriet und plötzlich zu seinem Messer griff. Dabei führte er fünf wuchtige Messerstiche aus und traf dabei gleich vier Jugendliche. Einem Opfer stach er in den Rücken, als dieses gerade einem verletzten Kollegen zu Hilfe eilen wollte.

Als zwei Beamte der Securitas auftauchten, suchten der Messerstecher und seine Begleiter das Weite. Der Täter warf sein Messer in ein Gebüsch, wurde aber am nächsten Morgen von der Polizei festgenommen. Zwei der Opfer hatten schwere Verletzungen im Bauchbereich erlitten, kamen aber dank Notoperationen mit dem Leben davon.

Nur durch Zufall keiner gestorben

Am Dienstag folgte am Zürcher Jugendgericht das rechtliche Nachspiel der Gewalttat. Es sei ein Zufall, dass niemand gestorben sei, erklärte die Gerichtsvorsitzende Kathrin Bretschger anlässlich der Urteilseröffnung. Der umfassend geständige Schweizer wurde wegen mehrfach versuchter Tötung sowie Nötigung und weiteren Delikten zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt. Das Gericht stellte fest, dass der Beschuldigte mit seinem Vorgehen den Tod der Opfer in Kauf genommen habe. Strafsenkend wurden dem ehemaligen Sek-A-Schüler sein schwerer Rausch sowie eine

Verminderung der Schuldfähigkeit im mittleren Grade zu Gute gehalten.

Arbeitserziehung als letzte Chance

Die Anklage hatte sieben Jahre Freiheitsentzug, die Verteidigung vier Jahre wegen schwerer Körperverletzungen verlangt. Entscheidend war aber, dass sich alle Parteien über den Aufschub einer Freiheitsstrafe zugunsten einer Arbeitserziehung einig waren. So schob auch das Gericht den Strafvollzug zugunsten einer Massnahme für junge Erwachsene auf.