Der Sprayer vom Säuliamt

08. Juni 2011 08:00; Akt: 07.06.2011 23:09 Print

Architekt mit zerstörerischer Ader

von Attila Szenogrady - Tagsüber studiert er an der ETH Baukunst und Architektur. In der Nacht richtete er mit Sprayereien Gebäuden und im Uetliberg-Tunnel grosse Sachschäden an. Die Rede ist von einem Studenten aus dem Bezirk Affoltern. Er muss sich seit Dienstag vor Obergericht verantworten.

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An der ETH in Zürich gilt der heute 22-jährige Angeklagte aus dem Bezirk Affoltern schon seit mehreren Jahren als fleissiger Student in der Fachrichtung Architektur. Gemäss seinem Rechtsanwalt hat der junge Mann an der Hochschule bereits mehrere Prüfungen bestanden und befasst sich leidenschaftlich mit der Baukunst.

Allerdings weist der unauffällige Kommilitone auch eine dunkle, ja geradezu zerstörerische Seite auf. So hatte er sich ebenso leidenschaftlich bei Nacht und Nebel als illegaler Sprayer betätigt. Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis listete in ihrer Anklage gleich sieben Anschläge des Täters bis Mitte 2008 auf.

SBB-Gebäude und Baustellen versprayt

So hatte der Angeklagte mehrere SBB-Gebäude versprayt. So auch am Bahnhof Bonstetten-Wettswil, wo er grossflächige Schriftzüge mit Ausdrücken wie „SEROB“ oder „Mister“ anbrachte. Besonders bunt trieb er es aber auf der Baustelle des Uetlibergtunnels, wo er zahlreiche Spray-Attacken verübte und gar an einer Wand einen grossen Teufelskopf an die Wand malte. Der gesamte Sachschaden belief sich auf mehrere 10000 Franken.

In Affoltern teilweise für schuldig befunden

Der letztlich erwischte Sprayer legte während der Untersuchung ein Geständnis ab und musste sich im letzten Juli zunächst vor dem Bezirksgericht Affoltern verantworten. Dieses konnte den Studenten nur noch teilweise für schuldig befinden. So hatte dieser mit den Geschädigten der SBB bereits aussergerichtlich einen Vergleich abgeschlossen. So kam der Sprayer für einen anerkannten Schaden von rund 3 539 Franken auf. Im Gegenzug zog die staatliche Bahn ihre Strafanträge zurück.

Für die restlichen Sachbeschädigungen beim Uetlibergtunnel setzte das Gericht eine bedingte Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 15 Franken fest. Das Gericht ging von einem gesamten Sachschaden von über 30 000 Franken aus und verwies die finanziellen Forderungen des kantonalen Tiefbauamtes auf den Weg eines Zivilprozesses.

Planmässig und hartnäckig

In seinem Urteil sprach die erste Instanz von einem planmässigen und hartnäckigen Vorgehen des Sprayers. Wobei dieser stets nachts im Schutze der Dunkelheit zugeschlagen habe. Was auf eine nicht unerhebliche kriminelle Energie des Ex-Gymnasiasten hinweise.

Strafantrag in Frage gestellt

Die Verteidigung des Sprayers legte Berufung ein und wollte am Dienstag vor dem Zürcher Obergericht die völlige Straflosigkeit ihres Klienten durchsetzten. Aus prozessualen Gründen. So stellte der Rechtsanwalt Hadrian Meister die Gültigkeit der Strafanträge des Tiefbauamtes grundsätzlich in Frage. Dabei pflückte er sich den zuständigen Beamten heraus. Dieser sei weder bevollmächtigt noch zeichnungsberechtigt gewesen, plädierte er. Es habe sich auch nicht um eine Person mit leitender Funktion gehandelt. Zudem gelte der Bund und nicht der Kanton als Geschädigter, sagte Meister.

Das Obergericht nahm die Argumente zur Kenntnis und wird seinen Entscheid demnächst schriftlich eröffnen.